Prozessauftakt gegen Volker Hoff und Reinhard Zoffel

Freitag, 17. Juni 2011
Volker Hoff beim Ruzicka-Prozess (Bild: pdh-Foto / Wolfgang Hörnlein)
Volker Hoff beim Ruzicka-Prozess (Bild: pdh-Foto / Wolfgang Hörnlein)

Volker Hoff und Reinhard Zoffel mussten gestern vor der 2. Zivilkammer am Wiesbadener Landgericht Rede und Antwort stehen. Den einstigen Inhabern der inzwischen liquidierten Wiesbadener Werbeagentur Zoffel, Hoff und Partner (ZHP) wird leichtfertige Geldwäsche vorgeworfen, die im Zuge des Ruzicka-Prozesses aufgedeckt wurde. Aleksander Ruzicka, der von 1999 bis 2006 CEO der Wiesbadener Mediaagentur-Gruppe Aegis Media war, hatte einen Teil der von ihm veruntreuten 33 Millionen Euro über ZHP gewaschen und wurde zu einer Haftstrafe von elf Jahren und drei Monaten verurteilt. In dem nachgelagerten Zivilverfahren fordert Aegis Media nun von Hoff und Zoffel Schadensersatz in Höhe von insgesamt 2,5 Millionen Euro. Eine Gütevereinbarung kam am gestrigen Verhandlungstag nicht zustande.

Wie der "Wiesbadener Kurier" berichtet, bot lediglich Zoffels Anwalt eine Zahlung von 20.000 Euro an, Aegis Media besteht aber auf der Rückzahlung von 1,25 Millionen Euro. Das gilt auch für den früheren hessischen Europaminister Hoff, der heute Chef-Lobbyist von Opel ist. In seinem Fall drängt Aegis Media sogar auf eine schnelle Entscheidung, da er angeblich in die US-Zentrale des Automobilkonzerns in Detroit wechseln soll, wie der Anwalt von Aegis vor Gericht erklärte.

Am 15. September will die 2. Zivilkammer ihr Urteil verkünden, aber die Vorsitzende Richterin Martina Müller ließ bereits gestern anklingen, dass die Argumentation von Aegis Media schlüssig sei und es sich bei den Geldtransfers zwischen Ruzicka und den ZHP-Managern um leichtfertige Geldwäsche handeln könnte. Die Zeugenaussagen, die von Hoff und Zoffel bereits im Laufe des Strafprozesses gegen Ruzicka im August 2008 abgegeben wurden, riefen bei Prozessbeobachtern schon damals Verwunderung hervor. Damals erklärten beide, dass sie von Ruzickas kriminellen Machenschaften nichts gewusst hätten. Für die Geschäfte mit ihm habe es keinen schriftlichen Vertrag sondern nur eine mündliche Vereinbarung gegeben, die "faktisch gelebt" wurde, wie Zoffel betonte. Gegen ihn wird noch immer strafrechtlich ermittelt, gegen Hoff wurden indes zu keinem Zeitpunkt des Verfahrens staatsanwaltliche Ermittlungen eingeleitet.

Sehr wohl aber gegen Heinrich Kernebeck, den Wiesbadener Rechtsanwalt W. und Claudia Jackson. Mit Kernebeck und Jackson hat Aegis Media inzwischen Vereinbarungen über Rückzahlungen getroffen, die einen Teil des entstandenen Schadens abdecken sollen. Die Summen schwanken zwischen 500000 Euro und 850000 Euro und wurden bereits beglichen. Diese Rückzahlungen erfolgten im Vorfeld der noch anstehenden Strafprozesse. Bei Kernebeck und dem Wiesbadener Anwalt steht allerdings noch immer nicht fest, wann diese Verhandlung vor der Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts beginnen wird. Das Zivilverfahren gegen den Anwalt W., von dem Aegis Media ebenfalls Schadensersatz fordert, ruht so lange.

Unklar ist bislang auch, wie es in der Strafsache gegen die ehemalige Aegis-Mitarbeiterin Jackson weitergehen wird, die sich noch vor dem Beginn des Ruzicka-Prozesses nach Argentinien abgesetzt hatte und per Haftbefehl gesucht wurde. Nachdem sie 850000 Euro an Aegis Media zurückgezahlt hatte, wurde ihr von der Wiesbadener Staatsanwaltschaft freies Geleit zugesichert. Während ihres Besuchs in Deutschland vor einigen Monaten machte sie bei der Staatsanwaltschaft eine umfängliche Aussage und kehrte danach wieder nach Argentinien zurück. Das Protokoll ihrer Aussage hat Jackson allerdings noch nicht unterschrieben.

Doch auch Ruzicka selbst wird noch weiter die Gerichte beschäftigen. Zum einen wartet auch auf ihn ein Zivilverfahren, da ihn sein früherer Arbeitgeber auf 20 Millionen Euro Schadensersatz verklagt hat. Da der ehemalige Agenturmanager inzwischen rechtskräftig wegen schwerer Untreue verurteilt ist, kehrt sich in diesem Zivilverfahren die Beweislast um und nun muss Ruzicka beweisen, dass diese Forderung unbegründet ist. Für dieses Zivilverfahren hat er Prozesskostenhilfe beantragt, die aber vom Wiesbadener Landgericht abgelehnt wurde. Nun muss des Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt über Ruzickas Antrag entscheiden. Mit einem Beginn des Zivilverfahrens ist daher nicht vor Anfang 2012 zu rechnen.

Doch damit nicht genug. Möglicher Weise droht ihm obendrein noch ein weiteres Strafverfahren wegen Prozessbetrugs. Die Wiesbadener Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit längerem, ob eine zusätzliche Klausel in Ruzickas Arbeitsvertrag mit Aegis Media rechtsgültig ist oder von ihm gefälscht wurde. In dieser Klausel soll Ruzicka bei seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen eine Abfindung von über 100 Millionen Euro zugesichert worden sein. Aegis bestreitet die Existenz einer derartigen Vereinbarung, die zudem sittenwidrig sei. ejej
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