Porsche-Pitch sorgt für Empörung

Freitag, 19. August 2011
Porsche hält wohl Etathalter Kemper Kommunikation die Treue
Porsche hält wohl Etathalter Kemper Kommunikation die Treue

Der Autobauer Porsche hat mit seinem Agenturauswahlverfahren für Verärgerung und Enttäuschung bei den unterlegenen Pitchteilnehmern gesorgt. Dabei geht es wohl weniger um die Entscheidung als solche, beim bisherigen Betreuer Kemper Kommunikation in Frankfurt zu bleiben, sondern um die Art und Weise, wie der Pitch abgelaufen ist - und wie mit den Verlierern umgegangen wurde. Vom Unternehmen gibt es zwar noch keine Bestätigung für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Etathalter, die anderen Pitchteilnehmer sollen aber bereits Absagen erhalten haben. Mit im Rennen um das imageträchtige Mandat waren die Agenturen Aimaq von Lobenstein, Butter, Draft FCB, Kolle Rebbe und Lukas Lindemann Rosinski. Dem Vernehmen nach mussten sie mit Erhalt des Pitchhonorars in vierstelliger Höhe die Copyrights für ihre Ideen an den potenziellen Auftraggeber abtreten. Dabei ging es wohl nicht nur um Kampagnenvorschläge für die Einführung des Modells "Cajun", das Berichten zufolge ab 2013 verkauft werden soll, sondern auch um die langfristig angelegte Markenkommunikation von Porsche.

Die Ideen dazu liegen nun bei der Volkswagen-Tochter auf dem Tisch. Ob sie davon Gebrauch machen wird, ist unklar. Porsche kann noch nicht dazu befragt werden, weil das Unternehmen erklärt, es sei noch gar keine Entscheidung im Pitch gefallen. In der Agenturbranche wird allerdings darauf hingewiesen, dass es schon Fälle gab, in denen ein Unternehmen über einen Pitch Ideen von namhaften Agenturen eingesammelt und später eigenständig oder mit bestehenden Partnern umgesetzt hat.

Die Pitchverlierer halten sich mit Aussagen zum Verfahren zurück. Offenbar mussten sie eine hoch dotierte Geheimhaltungsvereinbarung unterschreiben. Im Blog von Hubertus von Lobenstein, Co-Chef von Aimaq von Lobenstein, ist aber ein aktueller Beitrag zu lesen, der sich mit dem Thema Pitchniederlage beschäftigt - ohne einen konkreten Fall namentlich zu nennen. Dort erklärt der Agenturmanager, dass die schmerzlichsten Niederlagen die seien, aus denen sich nichts lernen lasse. Dazu habe man nur bei einem "klaren und ehrlichen Feedback vor, während und nach dem Prozess" die Möglichkeit. Wenig hilfreich seien dagegen wortgleiche Absagen an die Verlierer mit dem Tenor: "Alle zu mutig, alle wirklich hervorragend, alle knapp Zweite." Vor allem, wenn der Gewinner der bisherige Etathalter sei.

Solch ein Vorgehen befördere ein Klima, in dem Dolchstoßlegenden entstehen, nach dem Motto: war doch alles schon vorher entschieden. Das eigentliche Problem dabei: Die Legenden würden "eine lehrreiche Aufarbeitung für den Umgang mit bestehenden und zukünftigen Kunden nahezu unmöglich machen". Genau diese Chance auf Lerneffekte fordert von Lobenstein aber ein: "Wäre es nicht fair, gerade den Verlierern wenigstens den Respekt zuteil werden zu lassen, aus ihren Fehlern lernen zu können?", fragt er in seinem Blog. Den vollständigen Beitrag "Anatomie einer sinnlosen Niederlage" finden Sie hier. mam    
Meist gelesen
stats