PR-Ranking: Pleon und Fischer Appelt lassen Federn

Mittwoch, 14. April 2010
Die Top 20: Deutschland größte PR-Agenturen (Zum Vergrößern bitte anklicken)
Die Top 20: Deutschland größte PR-Agenturen (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Zum 14. Mal veröffentlicht das "PR Journal" sein Ranking der größten deutschen PR-Agenturen - und weist für 2009 erstmals sinkende Umsätze für die Branche aus. Laut Ranking gingen die Honorarerlöse um 3,4 Prozent zurück - tatsächlich dürfte das Minus um einiges deutlicher ausgefallen sein, vermuten Branchenkenner. Tüchtig durchgerüttelt hat die Krise vor allem Ketchum Pleon und Fischer Appelt. Marktführer Ketchum Pleon kommt auf einen Honorarumsatz von 50,2 Millionen Euro, wobei in dem Ranking die Zahlen von Ketchum noch nicht berücksichtigt sind - im Vergleich zu 2008 bedeutet das ein Minus von 10 Prozent.

Hinter Media Consulta liefern sich gleich drei Agenturen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 3. Am Ende haben die Düsseldorfer Finanzmarkt-Experten von Hering Schuppener die Nase vorne, die im Ranking um einen Platz nach oben rücken. Chef Ralf Hering verkündet gegenüber HORIZONT das Ziel, 2010 weiter kräftig wachsen zu wollen, und zwar um "deutlich über 10 Prozent". Auch beim Betriebsergebnis sei trotz Branchenkrise alles in bester Ordnung: "Wir haben eine Vorsteuer-Rendite von über 30 Prozent", so Hering.

Von Platz 3 auf 5 zurückgefallen ist Fischer Appelt. Mit-Inhaber Bernhard Fischer Appelt hat sich für dieses Jahr einiges vorgenommen: "Wir erwarten, dass einige mittlere und kleinere Anbieter vom Markt verschwinden und sondieren Möglichkeiten, unser Beteiligungsportfolio zu erweitern."

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, was Frank Behrendt (Ketchum Pleon), Harald Zulauf (Media Consulta), Ralf Hering (Hering Schuppener) und Bernhard Fischer-Appelt (Fischer Appelt) zum Abschneiden Ihrer Agenturen sagen.


Frank Behrendt
Frank Behrendt

Frank Behrendt, CEO Ketchum Pleon Germany

Pleon hat 2009 ein Umsatzminus von 10 Prozent zu verzeichnen. Ihr Kommentar dazu?
Aufgrund der SOX-Richtlinien können wir keine konkreten Zahlen nennen. Die Zahlen im Ranking basieren auf Schätzungen, die nicht von uns kommen. Aber in der Tat haben wir 2009 einen geringeren Umsatz gehabt als 2008, was der angespannten Marktsituation in der Krise geschuldet war. Wir arbeiten für zahlreiche DAX30-Unternehmen, die bekanntlich im vergangenen Jahr vielfach Kosteneinsparungsprogramme gefahren haben, von denen auch wir getroffen wurden. Wichtig für uns war allerdings, dass wir keinen einzigen Kunden verloren haben - das spricht für die Qualität unserer Arbeit auch in stürmischen Zeiten.

Ihr Kommentar zur Ertragssituation?
Wir haben schon mal mehr verdient.

Wie stark waren Preise und Umsätze unter Druck? Was war aus Ihrer Sicht 2009 das beherrschende Thema für die Branche?
2009 war ein hammerhartes Jahr. Die Umsätze waren unter Druck und auch die Preise. Das Wort 'Rezessionsrabatt' ist uns bei Verhandlungen mit den Einkaufsabteilungen in den vergangenen Jahren nicht begegnet und wird auch hoffentlich bald wieder veschwinden. Ein Meta-Thema war natürlich das Thema Digital/SocialMedia. 

Wie ist Ihre Umsatzerwartung für das eigene Unternehmen und für die PR-Branche insgesamt? Was wird das beherrschende Thema 2010?
Auch 2010 bleibt schwierig, auch wenn es hier und da positive Signale und Entwicklungen gibt. Wir rechnen allenfalls mit einem kleinen einstelligen Zuwachs. Wir legen ja zudem durch den Merger mit Ketchum im Bereich des Incomes zu, so dass wir auch ohne reales Wachstum größer werden.

Beherrschendes Thema wird die Digitalisierung und das sich verändernde Konsumentenverhalten bleiben. Ebenfalls wird und muss sich der Markt weiter konsolidieren, es gibt zu viele Agenturen. Die großen Unternehmen haben nicht zuletzt durch die Krise die Zahl ihrer Dienstleister reduziert und Volumina konzentriert. Das wird weitergehen. Davon profitieren werden große - globale - Anbieter sowie kleine feine. Die dazwischen braucht man weniger. Der Merger von Ketchum und Pleon wurde nicht zuletzt deswegen - übrigens vor Beginn der Krise - konzipiert, um dieser Entwicklung Rechung zu tragen. Die zunehmende Zahl von aktuellen internmationalen Ausschreibungen dokumentiert, dass wir strategisch absolut richtig gedacht haben. 


Harald Zulauf
Harald Zulauf

Harald Zulauf, CEO Media Consulta

Media Consulta hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 8,9 Prozent gesteigert. Ihr Kommentar dazu?
Ein Vorteil von Media Consulta (MC) ist unsere internationale Struktur: Weil wir als einzige deutsche Agentur in heute 56 Ländern präsent sind, können wir Budgetkürzungen in einem Land durch Kundenzuwachs in anderen Ländern ausgleichen. Zudem haben wir zu etwa 50 Prozent institutionelle Kunden, die in Krisen ihre Budgets nicht unmittelbar reduzieren, weil es mehr Erklärungsbedarf gibt. Hinzu kommt, dass unsere Agentur vollständig integriert aufgestellt ist und alle Kommunikationsleistungen aus einer Hand anbietet. Durch die Einbettung von PR-Maßnahmen in integrierte Kommunikationskampagnen entsteht daher ein Wettbewerbsvorteil.

MC ist besonders stolz darauf, im Krisenjahr 2009 keine Stellen gestrichen, sondern an  den deutschen Standorten Berlin und Köln über 25 neue Stellen geschaffen zu haben. Für 2010 planen wir die Etablierung von mehr als 20 weiteren Stellen in Deutschland. 

Wie stark waren Preise und Umsätze unter Druck? Was war aus Ihrer Sicht 2009 das beherrschende Thema der Branche?
Durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise haben viele Unternehmen ihre Etats gekürzt oder ganz gestrichen. Als Folge mussten zahlreiche Agenturen im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen verzeichnen: Vor allem im laufenden Projektgeschäft gab es viele Reduzierungen. Kunden haben die Laufzeit einzelner Kampagnen oder gleich ganze Budgets gekürzt. Insgesamt wurden im Jahr 2009 weniger Projekte realisiert als noch im Vorjahr. 

Wie ist Ihre Umsatzerwartung für das eigene Unternehmen und die PR-Branche insgesamt? Was wird das beherrschende Thema 2010?
Die deutsche Wirtschaft erholt sich langsam von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Auftragslage bei den Agenturen bleibt daher auch in 2010 angespannt. Wir sehen dem laufenden Jahr dennoch optimistisch entgegen und rechnen mit einem Umsatzwachstum von knapp 10 Prozent. Schon heute haben wir unser Budgetvolumen aus dem Jahr 2009 erreicht und mit neuen Aufträgen abgedeckt.
Der Stellenwert von Marken bei MC nimmt stetig zu und ist auch in diesem Jahr von zentraler Bedeutung. Wir haben uns vorgenommen, dieses Jahr noch fünf weitere Markenartikler zu gewinnen.

 
Ralf Hering
Ralf Hering

Ralf Hering, CEO Hering Schuppener

Hering Schuppener hat 2009 den Umsatz  um 5,1 gesteigert. Ihr Kommentar dazu?
Für uns war 2009 ein hervorragendes Jahr - die Wirtschaftskrise hat uns in d8ie Hände gespielt. Trotz rückläufigen Transaktionsmarktes und der Abwesenheit von Börsengängen haben wir neue Kunden gewonnen und den Umsatz um 5 Prozent gesteigert. Wir machen keine Marketing-Kommunikation, wir arbeiten nicht für öffentliche Auftraggeber, sondern konzentrieren uns auf das, was wir können: Finanzmarktkommunikation. Und das zahlt sich aus, gerade in der Krise.

Ihr Kommentar zur Ertragssituation?
Unsere Ertragssituation ist hervorragend. Wir haben eine Vorsteuer-Rendite von über 30 Prozent.

Wie stark waren Preise und Umsätze unter Druck? Was war aus Ihrer Sicht 2009 das beherrschende Thema der Branche?
In den Bereichen, in denen wir unterwegs sind, herrscht kein besonderer Preisdruck.
Das große Thema 2009 war Social Media. Ich persönlich halte dieses Thema allerdings für hoch überbewertet. Klassische Online-Kommunikation gewinnt dagegen weiter an Bedeutung.

Wie ist Ihre Umsatzerwartung für das eigene Unternehmen und die PR-Branche insgesamt? Was wird das beherrschende Thema 2010?
Bei uns ist 2010 hervorragend angelaufen. Wir sind hoch zufrieden und erwarten für dieses Jahr einen Umsatzzuwachs von deutlich über 10 Prozent. Für die PR-Branche wird 2010 erneut ein schweres Jahr. Ich bin im übrigen überzeugt, dass das Umsatzminus 2009 deutlich höher war als die 3,4 Prozent, von denen im PR-Ranking die Rede ist. Sieger werden wieder die Agenturen sein, die deutlich machen, wofür sie stehen und welche Themen sie beherrschen. Verlieren werden wie schon 2009 die Gemischtwarenläden unter den PR-Agenturen.


Bernhard Fischer-Appelt
Bernhard Fischer-Appelt

Bernhard Fischer-Appelt, Vorstand Fischer Appelt

FischerAppelt hat im vergangenen Jahr ein Umsatzminus von 3,9 Prozent. Ihr Kommentar?
Beim Gesamtumsatz haben wir ein Wachstum erreicht. Im Honorarumsatz haben wir ein leichtes, unterdurchschnittliches Minus zu verzeichnen und führen das darauf zurück, das zwei Faktoren zusammen gekommen sind: Die Mandate im Bereich politische Kommunikation pausierten wegen der Bundestagswahl. Die allgemeine konjunkturelle Entwicklung war bekannt schwierig. Wir sind zwar keine Krisengewinner aber stolz darauf, dass wir den Kurs klar halten konnten.

Ihr Kommentar zur Ertragssituation?
Wir sind angesichts der allgemeinen Entwicklung zufrieden, nehmen als Unternehmer in Kauf, dass der Ertrag auch angesichts von hohen Investitionen nicht maximal ist.

Wie stark waren Preise und Umsätze unter Druck? Was war aus Ihrer Sicht 2009 das beherrschende Thema der Branche?
Das Ranking zeigt: Auch die PR Branche hat in der Krise insgesamt stark eingebüßt, Preise und Umsätze waren unter Druck. Unser Rezept: in die Qualität investieren, Spezialisten ins Haus holen, etwa hochkarätige Redakteure für die PR-Arbeit. Große Anbieter und kleine Spezialisten werden sich noch deutlicher unterscheiden. (Qualität und Spezialisierung werden immer mehr Differenzierungsfaktoren im Markt). Social Media war das Thema des Jahres, allerdings wird hier noch mehr geredet als gehandelt. Bei uns haben wir eine massive Zunahme von Krisen-Beratungsmandaten verzeichnet. Und zwar Krisen im Bereich Produkt- und Produkthaftung, Nahrungsmittel und Gesundheit, Skandale und speziellen Themen, insbesondere Datenschutz.

Wie ist Ihre Umsatzerwartung für das eigene Unternehmen und die PR-Branche insgesamt? Was wird das beherrschende Thema 2010?
Wir rechnen mit einer Seitwärtsbewegung, garniert mit kleinen Wachstumspflänzchen. Wir säen und investieren, weil wir das bislang immer getan haben, in Krisen. Es gibt bereits mehr Bewegung bei den Auftraggebern für Kommunikation. Mehr Pitches heisst jedoch noch nicht größere Etats, häufig geht es primär um Effizienz. Aber in der zweiten Phase kommt dann ein Wachstum. Die Budget-, Entscheidungs- und Ideenstarre muß mit neuen Ansätzen, guten Ideen und schlüssigen Beweisen aufgebrochen werden.

Wir planen mit einer konservativen Prognose. Wir erwarten, dass einige mittlere und kleinere Anbieter vom Markt verschwinden und sondieren Möglichkeiten, unser Beteiligungsportfolio zu erweitern. Wir arbeiten ebenfalls daran, mit Innovationen Effizienzvorteile für die Kunden zu erreichen und Kommunikation noch schlagkräftiger zu organisieren.

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