PR Lions: Vier Löwen für Deutschland

Dienstag, 19. Juni 2012
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In der Sparte PR haben hiesige Agenturen in diesem Jahr zu alter Form zurück gefunden. Nach nur einem Löwen im Vorjahr gehen 2012 vier Trophäen nach Deutschland, zwei davon in Silber und zwei in Bronze.
Punkten konnten Jung von Matt mit der bereits hoch dekorierten Arbeit "The invisible Drive" für Mercedes-Benz sowie Scholz & Friends mit der Trashcam, die im Auftrag der Stadtreinigung Hamburg entstand. Beide Agenturen erhalten einen silbernen PR-Löwen. Bronze geht an Ogilvy für die Museums-Kampagne "The new Städel" und an DDB Tribal für die Aktion "Piano for Peace", die die Agentur zusammen mit dem Klavierbauer Steinway & Sons umgesetzt hat.

Deutschland veredelt damit satte 50 Prozent der Shortlistplätze und landet im Länderranking auf Platz 5 nach den USA, Australien, der Schweiz und dem Libanon. "Deutschland muss sich im internationalen Vergleich auf keinen Fall verstecken", sagt Juror Bernhard Fischer-Appelt. Allerdings räumt der Gründer von Fischer-Appelt auch ein, dass es sich bei den sehr guten Arbeiten oft um Goldideen handele und weniger um Aktionen, die die Verkaufszahlen einer Marke steigern. "Das sehe ich aber nicht als Problem", betont er und appelliert an die Kunden sowohl business- als auch kreativgetriebener PR Raum zu geben.

Die beiden unterschiedlichen Ansätze spiegeln sich auch in den Gesamtergebnissen der PR Lions 2012 wieder. "Wir hatten sowohl Kampagnen auf dem Tisch, die knallhart verkaufen konnten, als auch sehr gute Arbeiten mit hoher sozialer Relevanz", berichtet Jurypräsidentin Gail Haiman von Weber Shandwick. Eine dieser gesellschaftlich prägnanten Kampagnen gewinnt in diesem Jahr den Grand Prix: "The most popular Song" von JWT in San Juan. Die Puerto Ricanische Agentur hatte von der Banco Popular den Auftrag bekommen, die Arbeitsmoral in ihrem Land zu steigern. Gelöst wurde diese Aufgabe zusammen mit der Salsa-Band Gran Combo, die ihren Kultsong auf das Thema zugeschnitten umdichten ließ und damit die Charts stürmte. In den Augen der Jury stimmten hier sowohl Idee und Absicht als auch die Ergebnisse.

Ebenfalls im Rennen um den Grand Prix standen die Kampagnen "The Book that can't wait" von Draft FCB in Buenos Aires für Eterna Cadenia und "Grazed on Greatness" für den australischen Cricket-Sponsor M.J. Bale von Whybin TBWA Tequila in Sydney. Besonders hoch im Kurs stand auch die Kampagne "Blood Relations" für das Peres Center for Peace von Baumann Ber Rivnay Saatchi & Saatchi in Ramat Gan, Israel. Der Aufruf an Israelis und Palästinenser, lieber Blut zu spenden als Blut zu vergießen, war als Arbeit für eine gemeinnützige Organisation aus den Diskussionen um den Grand Prix allerdings ausgeschlossen.

Mit insgesamt 69 PR-Löwen - 20 in Gold, 22 in Silber, 26 in Bronze plus einem Grand Prix - zeigte sich die Jury in diesem Jahr großzügig. Sie prämierte rund 75 Prozent mehr Arbeiten als im Vorjahr - bei 38 Prozent mehr Einreichungen. Und die Gewinnerliste zeigt: Nach wie vor dominieren Werbeagenturen die Wettbewerbssparte, explizite PR-Agenturen spielen weniger eine Rolle. Ein Fakt, der sich der Meinung von Jurypräsidentin Heiman nach ändern sollte. "PR-Agenturen sollten sich mehr Gedanken über ihre Einreichungen in Cannes machen", fordert sie. Andererseits lag es mehreren Mitgliedern ihrer Jury offenbar sehr am Herzen, der Presse klar zu machen, dass Kommunikation nicht in einzelnen Sparten stattfindet und auch Agenturen entsprechend interdisziplinär aufgestellt sein müssen. jf
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