PR-Aktion von Scholz & Friends bringt Jung von Matt auf die Palme

Freitag, 23. November 2001
Sorgt für Aufregung: Thomas Heilmann
Sorgt für Aufregung: Thomas Heilmann

Peinliche Panne bei Scholz & Friends kurz vor dem Börsengang: Als netten PR-Gag hatte die S&F-Spitze Sebastian Turner und Thomas Heilmann den 72-jährigen Agenturgründer Jürgen Scholz aus dem Ruhestand geholt und Anfang der Woche stolz als Berater des Vorstands präsentiert. Außerdem soll Jürgen Scholz auch als Namensgeber einer Stiftung für Nachwuchskreative auftreten, hieß es aus Berlin. Noch schien die Sonne, als in der gestern erschienenen Ausgabe der "Wirtschaftswoche" Heilmann, Turner und Scholz im launigen Interview die Werbetrommel für das bevorstehende Going-Public rührten.

Doch dann zogen Wolken am Himmel über Berlin auf: Denn bei der Konkurrenzagentur Jung von Matt hat Agenturchef Holger Jung sehr entschieden etwas gegen die angekündigte Beratertätigkeit der Werberlegende: Denn Jürgen Scholz sitzt seit 1999 im Aufsichtsrat der Jung von Matt AG, im Sommer wurde er zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. "Wir sind zwei Werbeagenturen, die sich auf einem sehr engen Spielfeld tummeln", erklärt Holger Jung. "Da kann eine solche Beratertätigkeit einfach nicht in Frage kommen." Aber das sei Jürgen Scholz immer bewusst gewesen, so der Agenturchef.

Zwar habe sich Scholz bereit erklärt, als Namensgeber für das Kreativstipendium zur Verfügung zu stehen, aber dass er auch den Vorstand beraten werde, davon habe er erst aus der Presse erfahren. Bereits Freitagmorgen hatte Jung von Matt deshalb eine Pressemitteilung herausgegeben, in der die Agentur ihr Befremden darüber ausdrückte, dass "ein Wettbewerber mit einer Meldung an die Öffentlichkeit geht, die nicht den Tatsachen entspricht". Denn Jürgen Scholz verstehe seine Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Jung von Matt AG nicht nur formal als Exklusivverpflichtung, sondern auch als Herzensangelegenheit.

Bei Scholz & Friends gibt sich Vorstandsvorsitzender Sebastian Turner angesichts des Wirbels wenige Tage vor dem Börsengang gelassen. Er gewinnt dem Verwirrspiel um Werberlegende Scholz eher eine heitere Note ab und bekräftigt noch einmal: "Jürgen Scholz wird den Vorstand beraten, aber eine Involvierung ins Tagesgeschäft ist nicht vorgesehen." Fortsetzung folgt ...
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