PR-Agenturen bleiben optimistisch

Mittwoch, 08. April 2009
"Wir planen auf keinen Fall mit Wachstum": Frank Behrendt
"Wir planen auf keinen Fall mit Wachstum": Frank Behrendt

Die deutschen PR-Agenturen schauen trotz Wirtschaftskrise relativ optimistisch in die Zukunft. Bei einer Umfrage unter zwölf der 30 umsatzstärksten Agenturen gaben vier Agenturchefs bekannt, dass sie eine Fortsetzung des Wachstumskurs erwarteten. So ist etwa Media-Consulta-Chef Harald Zulauf überzeugt, im laufenden Geschäftsjahr um mehr als 10 Prozent im PR-Bereich zuzulegen. Als Grund nennt er die "starke internationale Aufstellung", die es ermögliche, Etatkürzungen im nationalen Bereich auszugleichen. Für zusätzliche Stabilität sorgten die vielen institutionellen Kunden. Diese sind in der Regel von Rezessionen nicht so stark betroffen. Auch Wigan Salazar, Managing Partner von Publicis Consultants, erwartet ein "niedrig zweistelliges" Wachstum. Der Agenturchef gründet seinen Optimismus unter anderem auf die neue Digitalmarke Net Intelligenz. Außerdem hätten die Steigerungsraten von Publicis Consultants in den vergangenen Jahren konstant 10 bis 15 Prozent über dem Branchenschnitt gelegen. "Daher sind wir der Meinung, dass wir auch in einem flachen Markt wachsen werden", sagt Salazar.

Ralf Hering, Managing Partner und CEO von Hering Schuppener, prognostiziert für sein Unternehmen mindestens ein einstelliges Plus. Der Gründungsgeschäftsführer führt diese Zuversicht ausgerechnet auf die Finanzkrise zurück. "Die aktuellen Entwicklungen sind für uns ein erheblicher Erfolgsfaktor, weil jetzt verstärkt strategische Beratung gefragt ist", sagt Hering, dessen Team sich unter anderem auf Krisen-PR und Kapitalmarktkommunikation spezialisiert hat und vor kurzem seine Führungsposition im Ranking M&A-PR-Agenturen in Deutschland verteidigte. Dass Hering mit seiner Vorhersage vermutlich richtig liegt, zeigen die Zahlen fürs 1. Quartal. Demnach ist der Umsatz im Vorjahresvergleich um 15 Prozent gestiegen.

Oliver Schrott und Rudolf Jeschenko gehen dagegen von einem Rückgang des Geschäfts aus. Bei Schrott ist diese Entwicklung auf "signifikante" Sparmaßnahmen in den Branchen Auto und Investitionsgüter zurückzuführen. Jeschenko erklärt das voraussichtliche Minus von bis zu 15 Prozent mit dem Wegfall des Kunden CMA, der seinen Betrieb einstellte.

Der Rest der befragten Agenturen ist schon zufrieden, wenn am Ende des Jahres eine schwarze Null steht. "Wir planen auf keinen Fall Wachstum. Das wäre absolut unrealistisch", sagt Pleon-CEO Frank Behrendt. brö

Auf Seite 2: Frank Behrendt, CEO der größten deutschen PR-Agentur Pleon Germany, über PR in Zeiten der Wirtschaftskrise

Frank Behrendt, CEO der größten deutschen PR-Agentur Pleon Germany, im Interview

Wie lassen sich - bezogen auf Ihre Agentur - die Veränderungen im Vorjahresvergleich erklären? Behrendt: Wir stehen weiter unverändert an der Spitze und sind moderat gewachsen. In sofern gibt es keine Veränderungen. Wir freuen uns aber sehr, dass unsere Pleon-Crew weiterhin mit Spitzenleistungen die Spitzenposition unter allen Agenturen im Markt verteidigt hat.


Wie lautet Ihre Prognose für 2009? Zum einen in Bezug auf Ihre Agentur? Zum anderen in Bezug für die gesamte PR-Branche in Deutschland. Mit Prognosen sollte man in diesen Zeiten sehr vorsichtig sein. Pleon ist gut aufgestellt, um unsere Kunden bei deren Herausforderungen optimal zu unterstützen. Wir planen auf keinen Fall in diesem Jahr Wachstum, das wäre absolut unrealistisch. Auch insgesamt gehen wir von einem Rückgang des Auftragsvolumens in der Branche aus. Zudem wird es eine Konsolodierung des Agenturmarktes geben. Aber das ist in Anbetracht viel zu vieler Agenturen auch gar  nicht schlecht.

Was sind die aktuellen Trends der deutschen PR-Branche? Wir sind nicht in der Modebranche, es gibt keine wirklichen Trends. In einer schwierigen weltpolitischen Lage geht es zudem nicht um Trends, sondern um die Lösung hochkomplexer Aufgabenstellungen mit professionellen nachhaltig wirksamen Angeboten.

Was sind die größten Wachstumstreiber? Wachstum? Es gibt kein Wachstum! Es geht aktuell um Konsolidierung und bedingt durch die aktuelle Situation haben bestimmte Teilbereiche der Kommunikation wie Change naturgemäß einen größeren Anteil.

Wie stark treibt der anhaltende Web-2.0-Hype das Wachstum der PR-Branche an? Schon wieder Wachstum....es gibt keins! Social Media sorgt für eine Umschichtung innerhalb der Budgets und ist bereits jetzt elementarer Bestandteil von Kommunikationsstrategien und Konzepten.

Was sind die besten Rezepte gegen die Wirtschaftskrise bzw. wie können PR-Agenturen am besten gegen die voraussichtlichen Umsatzeinbußen gegensteuern? Hart arbeiten, kreativ sein und die Kosten gut managen.

Sind die Preisverhandlungen vor dem Hintergrund der Krise teilweise unmoralisch geworden? Stichwort Preis-Dumping. Es geht hier nicht um Moral. Alle Marktteilnehmer sind unter Kostendruck, da sind entsprechende Preisverhandlungen eine logische Konsequenz. Damit geht man professionell um. Eines ist aber auch klar: Top-Leistungen kann es nicht zu Dumping-Preisen geben. Interview: Bert Rösch
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