Organisierte Shitstorms sind PR-Aktion zugunsten von Obdachlosen

Freitag, 05. April 2013
Hier kommt die Auflösung: Bienkowski vor der Düsseldorfer Bahnhofsmission (Foto: Bienkowski)
Hier kommt die Auflösung: Bienkowski vor der Düsseldorfer Bahnhofsmission (Foto: Bienkowski)


Es klang zu schräg um wahr zu sein, was Agenturchef Olivier Bienkowski gegenüber HORIZONT.NET da erzählte: Er beschäftige Obdachlose, die für seine Agentur "Caveman" Shit- oder Candystorms befeuern, im Gegenzug gibt es Kost und Logis. Jetzt stellt sich heraus: Das Ganze war in der Tat nur ein PR-Gag. Bienkowski wollte damit auf die Situation von Obdachlosen hierzulande aufmerksam machen. Auf seiner Homepage beschreibt der Lichtkünstler, wie zahlreiche Medien auf ihn herienfielen - und bedankt sich für die große Aufmerksamkeit. Es begann mit einem Artikel in der "Zeit": Ohne sein Wissen habe die große Wochenzeitung am 31. März 2013 aufgegriffen, dass Bienkowskis "Caveman Werbeagentur" organisierte Shitstorms anbiete. Obwohl die entsprechenden Pakete bereits seit Ende vergangenen Jahres auf der Seite zu finden waren, hatte sich die Aufmerksamkeit der Medien bis dato in Grenzen gehalten.

Nachdem nun auch "Heise.de" berichtete, stürzten sich zahlreiche weitere Medien auf das Thema: "Faz.net", "Focus Online", "Meedia.de", die schweizer "Werbewoche" brachten Artikel über die "Shitstorm"-Agentur. Dass die organisierten Empörungswellen händisch von Obdachlosen durchgeführt würden, sagte Bienkowski allerdings erst auf Nachfrage von HORIZONT.NET und von "W&V". Weil ein Foto auf seiner Homepage Bienkowksi zusammen mit dem bekannten Satiriker Martin Sonneborn zeigt, fragten wir uns allerdings schon, ob das ganze nicht eher in Richtung Satire geht und so eine PR-Welle ausgelöst werden sollte.

Nun, die Frage war berechtigt. Ziel der Aktion war es, auf die Situation von Obdachlosen in Deutschland hinzuweisen: "Dieses Vorhaben ist uns geglückt mit einer geschickt platzierten Story, die das eigentliche Thema in satirischer Art und Weise aufgreift", schreibt der Bienkowski auf der Agenturseite. "Wir bedanken uns bei allen Medienverlagen und Onlineredaktionen das Sie dem Thema Obdachlosigkeit für kurze Zeit einen Platz in der Berichterstattung eingeräumt haben."

Besonders diebisch freut sich Bienkowski über die Seite 11 der heutigen Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung": Dort ist ein halbseitiges Interview mit ihm über sein vermeintliches Geschäftsmodell zu finden. Bienkowskis hämischer Kommentar: "Gute Sache, 68.000 Euro Image und Markenwerbung gespart, so viel kostet eine Seite Werbung in der Süddeutschen Zeitung." ire
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