Opel-Pitch: McCann muss um langjährigen Kunden fürchten

Donnerstag, 22. Juli 2010
Opel sucht nach kreativen Ideen für den Blitz
Opel sucht nach kreativen Ideen für den Blitz

Opel stellt seine Agenturbeziehungen auf den Prüfstand. Nach dem Mediapitch im Jahr 2009 sind nun weitere Disziplinen an der Reihe. Wie HORIZONT.NET aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, sucht der Rüsselsheimer Autobauer unter anderem nach einer neuen Werbeagentur. Für Stammbetreuer McCann Erickson wäre der Verlust von Opel harter Schlag und Zäsur zugleich: Die Frankfurter Agentur arbeitet seit 81 Jahren für Opel. Am Pitch um den Kreativ-Etat wird nach HORIZONT.NET-Informationen eine Handvoll Dienstleister teilnehmen. Welche Agenturen auf Neugeschäft hoffen dürfen, ist nicht bekannt. 

Nicht ganz unwahrscheinlich ist die Beteiligung von Amsterdam Worldwide. Die früher unter Strawberry Frogg firmierende Agentur hatte erst kürzlich auf Projektbasis die Launchkampagne für den Opel Meriva entwickelt. Antreten wird dem Vernehmen nach auch McCann Erickson.

Die Frankfurter erhalten damit die Chance, den Etat zu verteidigen, der trotz der Beinahe-Pleite von General Motors im Jahr 2009 und der anschließenden schweren Krise der Tochter Opel nach wie vor lukrativ ist: Laut Nielsen Media Research hat Opel im vergangenen Jahr allein in Deutschland 117 Millionen Euro brutto in Above-the-Line-Kommunikation gesteckt. In diesem Jahr summieren sich die Spendings bis einschließlich Juni bereits auf 52 Millionen Euro. Für die aktuelle Ausschreibung sind die Werbeausgaben von Opel in Deutschland allerdings wenig aussagekräftig. Wie McCann Erickson Frankfurt inzwischen mitgeteilt hat, geht es bei dem Pitch, der voraussichtlich im Herbst enden soll,  um das internationale Geschäft. "MRM und das deutsche Geschäft sind Stand heute von diesem Pitch nicht betroffen".

Ob das mittelfristig so bleiben wird, darf bezweifelt werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass Kunden mit Pitches nicht zuletzt Synergien erzielen und Geld einsparen wollen, wirkt sich die Vergabe eines internationalen Etats häufig auch auf die einzelnen Märkte aus.

Neben der klassischen Werbung steht auch das Literatur-Geschäft auf dem Prüfstand. Hier arbeitet Opel derzeit ebenfalls mit McCann zusammen. Keine Sorgen machen muss sich dagegen MRM. Die Online-Tochter von McCann sitzt dem Vernehmen nach fest im Sattel. Dasselbe gilt für die Wiesbadener Mediaagentur ACT Europe. Die Aegis-Tochter hatte den Mediaetat erst Ende 2009 verteidigt - unter anderem gegen den früheren Betreuer Universal McCann. An der Zusammenarbeit soll nicht gerüttelt werden.

Hintergrund für die Pitches ist offenbar der Wille von Opel, nach der großen Krise wieder mutiger nach vorn zu blicken und das auch im Marketing und in der Werbung deutlich gegenüber dem Endkunden zu kommunizieren. mas
Meist gelesen
stats