Olympia-Spot von Y&R Argentinien provoziert Eklat / WPP-Chef Sorrell "entsetzt"

Montag, 07. Mai 2012
Martin Sorrell ist entsetzt
Martin Sorrell ist entsetzt


Für eine veritable diplomatische Krise hat die argentinische Dependance der WPP-Agentur Y&R gesorgt: Die dortigen Kreativen entwarfen einen Olympia-Spot, der einen argentinischen Sportler beim Training auf einem britischen Kriegsdenkmal auf den Falkland-Inseln zeigt. Das Bauwerk erinnert an den Krieg vor 30 Jahren, als Argentinien und Großbritannien in blutigen Schlachten um das Archipel im Südatlantik kämpften. WPP-Chef Martin Sorell sowie Y&R zeigen sich schockiert.
Das 90 Sekunden lange Video zeigt Fernando Zylberberg, ein Mitglied des argentinischen Hockey-Nationalteams, bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, die Ende Juli in London beginnen. Zu martialischer Musik joggt der Sportler einen Berg hinauf, macht Übungen auf einer Bank und Liegestützen am Strand - dazwischen vollführt Zylberberg einige schnelle Schritte auf den Stufen eines britischen Denkmal für die Gefallenen des Falklandkrieges. Am Ende des Spots erscheint die Zeile: "Um auf englischem Boden zu bestehen, trainieren wir auf argentinischem Grund" mit einer anschließenden Würdigung der Gefallenen und Veteranen des Kriegs um die "Malvinas", so der bis heute verwendete argentinische Begriff für die Falklands.

Besonders pikant: Der Spot ist ein offizielles Video der "Casa Rosada", dem Sitz der argentinischen Regierung. Den Ärger haben zunächst jedoch die verantwortlichen Kreativen: WPP-Boss Martin Sorrell sagte dem britischen Branchendienst "Campaign Live", er sei "entsetzt" von dem Commercial. Man werde den Vorgang untersuchen und dann über ein weiteres Vorgehen entscheiden, so der Vorsitzende der weltgrößten Werbeholding. Aus dem New Yorker Hauptquartier von Y&R kommt ebenfalls ein vernichtendes Urteil: "Wir verurteilen diese Arbeit aufs Schärfste und haben die argentinische Regierung gebeten, den Spot aus dem Netz zu nehmen". Die Kreativen hätten sich unakzeptabel verhalten: Der Spot sei nicht nur politisch inkorrekt, er verunglimpfe auch den olympischen Geist und widerspreche allem, wofür die Agentur stehe.

Der Falklandkrieg entbrannte aus ungeklärten Besitzansprüchen Argentinines und Großbritanniens auf die Inselgrupe. Insgesamt kamen in dem Krieg im Jahre 1982 fast 1000 Soldaten ums Leben. Zwischen den Kriegssparteien herrscht seitdem weitestgehend Eiszeit - der Konflikt ist nie wirklich beigelegt worden. So beansprucht Argentinien die Falklands nach wie vor für sich, obwohl die Inseln völkerrechtlich zu Großbritannien gehören. ire
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