Ogilvy-Chef Strerath: "Brutale Zentralisierung in Großbritannien"

Freitag, 27. Juli 2012
Ogilvy-Chef Thomas Strerath (Foto: Ogilvy)
Ogilvy-Chef Thomas Strerath (Foto: Ogilvy)

Thomas Strerath ist so etwas wie der Mann der Stunde in der deutschen Agenturbranche. Mit Ogilvy hat er zuletzt zahlreiche Etats gewonnen, unter anderem von Coca-Cola, O2, Fressnapf und Carl Zeiss. Ein weiterer großer Auftrag ist bereits in trockenen Tüchern, darf aber noch nicht kommuniziert werden. Trotz dieser Erfolge zeichnet Strerath kein rosarotes Bild. Vor allem das Abschmelzen internationaler Etats sei dramatisch, erklärt der Ogilvy-Chef im Interview mit HORIZONT. Ihm zufolge werden immer mehr europaweite Mandate bei den Networkniederlassungen in London gebündelt. Für die von ihm verantwortete Gruppe peilt er in diesem Jahr ein Umsatzplus von 6 Prozent an. Lesen Sie im folgenden Auszüge aus dem Gespräch. Das vollständige Interview finden Sie in HORIZONT-Ausgabe 30/2012 vom 26. Juli.

Ogilvy hat zuletzt mehrere Etats gewonnen. Wie verdauen Sie eigentlich das ganze Zusatzgeschäft? So etwas kann eine Organisation ja auch überfordern – zum Nachteil nicht nur der neuen, sondern auch der bestehenden Kunden.
Das ist sicher ein wichtiges Thema, aber ressourcenmäßig kein Problem. Die internationalen Etats schmelzen so schnell ab, dass wir viele Mitarbeiter entlassen müssten, wenn wir nicht so erfolgreich im Neugeschäft wären. Man muss sich die Dimensionen mal vor Augen führen: Wir haben in den letzten drei Jahren über 40 Millionen Euro unseres Honorarvolumens in Pitches verteidigt oder neu gewonnen. Wäre uns das nicht gelungen, würden wir heute da stehen, wo einige andere Networkagenturen leider schon angekommen sind.

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Das vollständige Interview mit Thomas Strerath finden Sie in HORIZONT-Ausgabe 30/2012 vom 26.

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Ist der Einbruch bei den internationalen Mandaten wirklich so schlimm? Wir dachten immer, Deutschland schlägt sich dabei noch ganz gut.
Es findet eine brutale Zentralisierung der europäischen Budgets in Großbritannien statt. Das betrifft alle Networks und alle Holdings. So entwickeln sich fast alle Agenturen in London positiv, während das Geschäft in Europa insgesamt rückläufig ist. Wir stehen dabei perspektivisch einigermaßen gut da, weil London allein irgendwann nicht mehr alles schultern kann und man ein zweites Hub braucht. Da kommt man dann relativ schnell auf Deutschland. Das ändert aber nichts daran, dass in der ersten Phase fast alle internationalen Mandate aus Märkten wie Frankreich, Italien Spanien – aber eben auch Deutschland – abgezogen wurden.

Das heißt, Sie machen aus Deutschland heraus keine Kampagnen mehr für Ihre internationalen Auftraggeber?
Natürlich entwickeln wir noch Arbeiten für diese Kunden, aber bei weitem nicht mehr so viele wie früher. Wir merken bei allen internationalen Mandaten Einbrüche. Die Multinationals haben auf ihrer Landkarte neben New York und London eigentlich nur noch die drei S: Singapur, Shanghai und São Paulo. Von dort wird das Geschäft gesteuert – und dort werden auch die Marketingbudgets konzentriert.

Dennoch scheint Deutschland nicht so hart getroffen wie andere Märkte. Werden Sie Network- oder Holding-intern eigentlich zur Solidarität mit Kollegen in Spanien oder Italien aufgerufen, zum Beispiel was die Übernahme von Mitarbeitern angeht? Oder muss in einem Network jeder selbst zurechtkommen?
Ich glaube, dass es auf Dauer einige Niederlassungen nicht mehr geben wird. Der Trend geht zur Bündelung mehrerer Marken über einen Standort hinweg. Das heißt, die Solidarität mit allen Märkten ist gar nicht nötig und vielleicht auch gar nicht erwünscht. Das schließt aber nicht aus, dass man hier und da versucht, Top- Leute aus notleidenden Märkten vorübergehend woanders unterzubringen – wenn man sie halten will. Interview: Mehrdad Amirkhizi
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