Offener Brief: OMG übt harsche Kritik an der Vorgehensweise der Kundenverbände

Mittwoch, 09. Juli 2008
OMG-Chef Werner Bitz schlägt zurück
OMG-Chef Werner Bitz schlägt zurück

Den bereits lädierten Beziehungen zwischen den Verbänden der Werbekunden und Mediaagenturen droht eine ernsthafte Zerreißprobe. Anlass ist einmal mehr die Forderung der Werbungtreibenden nach mehr Transparenz im Mediageschäft. Ein neuer Mustervertrag, den die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) im Schulterschluss mit ihrer Dachorganisation vergangene Woche veröffentlichte, soll den „Unternehmen saubere Geschäfte mit Mediaagenturen garantieren". Für OMG-Chef Werner Bitz ist allein schon diese Formulierung ein Affront. In einem offenen Brief an den Markenverband und die OWM weist die Mediaorganisation diese Darstellung „mit aller Deutlichkeit auch im Namen unserer Kunden" zurück.

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In überraschender Deutlichkeit kritisiert der Mediaverband den Mustervertrag, der genau darauf abziele, den Mediaagenturen die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit zu nehmen, die ihnen im Code of Conduct von der OWM zugestanden wurde. Zudem sei es schlichtweg falsch, das Einbehalten von Rabatten und Freispots generell als Missbrauch darzustellen. „Der Umgang mit Rabatten unterliegt den jeweiligen Verträgen zwischen Mediaagentur und Kunde." Die harsche Manöverkritik der OMG ist offensichtlich dem Drängen der eigenen Mitglieder geschuldet, die die Tonalität des OWM-Schreibens als Unverschämtheit  bezeichnen und den Mustervertrag nicht widerspruchslos hinnehmen wollen.

Schützenhilfe bekommen sie von einem Münchner Rechtsanwalt, der von einer Mediaagentur hingezogen wurde. Seiner Ansicht nach geht der Mustervertrag „eindeutig zu Lasten der Agenturen und Medienvermarkter und wird sich so nicht durchsetzen lassen".

Die Agenturvertreter fürchten unterdessen, dass sie „unter Generalverdacht gestellt werden und in den Augen der Kunden ständig lügen und betrügen". Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Markenverbands, entgegnet darauf: „Nicht jede Rabattgeschichte muss missbräuchlich sein, aber wir haben eine intransparente Situation, die der Optimierung bedarf." Die Leitlinie im Vorstand des Markenverbands sei daher eine Versachlichung der Debatte. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, die Diskussion zu verschärfen. „Vielmehr wollten wir dem brisanten Thema bei unseren Mitgliedern Nachdruck verleihen", fügt Kannengießer hinzu.

Mehr zum Thema steht in HORIZONT-Ausgabe 28, die am 10. Juli erscheint.
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