Nur Ruzicka und Linn müssen im Januar auf die Anklagebank

Freitag, 16. November 2007
Für Ruzicka (oben) wird es ab Januar ernst, Kernebeck kann sich vorerst zurücklehnen
Für Ruzicka (oben) wird es ab Januar ernst, Kernebeck kann sich vorerst zurücklehnen

Die 6. Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts lehnt Anklageschrift gegen Heinrich Kernebeck ab. Seine Unschuld ist damit noch längst nicht bewiesen, denn die ermittelnde Staatsanwaltschaft wird dagegen eine sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt einlegen.
Nun ist es amtlich: Das Hauptverfahren gegen den ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka soll spätestens Anfang Januar beginnen. Mit ihm wird auch der einstige Einkaufschef der Wiesbadener Mediaagentur David Linn auf der Anklagebank vor der 6. Großen Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts sitzen. Nicht aber Heinrich Kernebeck, der die Agentur seiner Zeit mitgegründet hat.
Mit diesem Beschluss stimmt die Kammer der Anklageschrift der Wiesbadener Staatsanwaltschaft nur teilweise zu, die neben Ruzicka und Linn auch Kernebeck der schweren gemeinschaftlichen Untreue beziehungsweise der Beihilfe bezichtigt.

Die Ruzicka-Chronik

Juli 2005: Erste Strafanzeige (anonym)

September 2006: Hausdurchsuchungen bei Aegis Media und bei Aleksander Ruzicka /  Ruzicka wird auf eigenen Wunsch beurlaubt / Ermittlungen gegen die Aegis-Mitarbeiter David Linn, Claudia Jackson und Heinrich Kernebeck werden bekannt /

Oktober 2006: Aegis Media gibt die Trennung von Ruzicka in gegenseitigem Einvernehmen bekannt / Ruzicka wird in Wiesbaden verhaftet.  /  Aegis Media suspendiert Linn, Jackson und Kernebeck

Dezember 2006: Alle Haftbefehle außer gegen Ruzicka außer Vollzug gesetzt

März 2007: Ruzicka sagt erstmals umfassend aus

Juli 2007: Oberlandesgericht Frankfurt lehnt Haftbeschwerde von Ruzicka ab

- Staatsanwaltschaft Wiesbaden legt Anklageschrift vor. Eröffnung des Zwischenverfahrens

September 2007: Ruzicka äußert sich erstmals öffentlich, streitet alle Vorwürfe ab

Oktober 2007: Oberlandesgericht Frankfurt verlängert erneut Untersuchungshaft

November 2007:  Aegis Media outet sich als Verfasser der Strafanzeige / Staatsanwaltschaft Wiesbaden rechnet mit Prozesseröffnung im Januar 2008



Wie es in der Pressemitteilung des Landgerichts weiter heißt, sei das Verfahren gegen einen Wiesbadener Rechtsanwalt von dem Hauptverfahren abgetrennt worden. Begründet wird diese Entscheidung damit, dass gegen den Anwalt noch „weitere Ermittlungen gegen dritte Personen andauern, die von Bedeutung sein könnten."
Hinsichtlich des Angeschuldigten Kernebeck wurde die Eröffnung des Verfahrens „insgesamt abgelehnt, da nicht erkennbar sei, dass dieser eine ihm obliegende Vermögensbetreuungspflicht verletzt habe". Die Richter der 6. Strafkammer konnten zudem nicht feststellen, dass Kernebeck selbst „konkrete Tathandlungen vorgenommen, in die Planung einbezogen oder auch nur Kenntnis von den wesentlichen Tatmerkmalen gehabt habe".
Die Staatsanwaltschaft wird diese Entscheidung nicht kampflos hinnehmen. „So werden wir den Beschluss nicht akzeptieren und gehen in sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt. Dann sehen wir weiter", erklärt Sprecher Hartmut Ferse. Gegen Kernebeck werde ohnehin noch in anderer Angelegenheit ermittelt. Sollten zusätzliche Fakten das OLG davon überzeugen, die gegen Kernebeck vorgelegte Anklageschrift zu akzeptieren, „dann muss sich das Landgericht fügen", betont Ferse.
Kernebecks Unschuld ist also noch lang nicht bewiesen. Doch vorerst müssen sich nur Ruzicka und Linn wegen der Veruntreuung von 52 Millionen Euro vor Gericht verantworten. Bis dahin wurde für Ruzicka die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet. Linns Haftbefehl bleibt weiter außer Vollzug. Da sich das Untreueverfahren auf insgesamt 86 schwere Fälle bezieht, droht dem Rädelsführer Ruzicka eine Höchststrafe von 15 Jahren Haft.
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