Niederlage: Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka bleibt weiter in Untersuchungshaft

Mittwoch, 13. Februar 2008
Kein guter Tag für Aleksander Ruzicka (re.) (Bild: pdh-Foto, Wolfgang Hörnlein)
Kein guter Tag für Aleksander Ruzicka (re.) (Bild: pdh-Foto, Wolfgang Hörnlein)

Der mit Spannung erwartete sechste Prozesstag gegen die ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn begann mit einer Niederlage für die Verteidigung. Ihr Antrag auf Aussetzung des Verfahrens wurde von der sechsten Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts abgelehnt. Ruzickas und Linns Anwälte hatten im Vorfeld moniert, dass ihnen die Staatsanwaltschaft Akten vorenthalten habe, die unerlässlich für die Verteidigung ihrer Mandanten seien und forderten die Einsicht in diese Unterlagen. Die Kammer widersprach diesem Antrag, da sich aus der zum Teil verspäteten Einsicht keine gravierenden Nachteile für die Verteidigung ergeben würden. Zudem sei nicht anzunehmen, dass sich bei früherer Kenntnis der angeforderten Unterlagen die Verteidigungslinie geändert hätte. Ruzicka, der seit Oktober 2006 in Untersuchungshaft sitzt, bleibt also weiter im Gefängnis und der Prozess wird wie geplant fortgesetzt.

Der dürfte indes eine spannende Wendung nehmen, denn die Kammer will nun ihrerseits weitere Unterlagen für die Beweisaufnahme hinzuziehen, die auch Ruzickas Verteidiger Marcus Traut eingefordert hatte. Der vorsitzende Richter Jürgen Bonk forderte Staatsanwalt Wolf Jördens auf, die Share-Verträge zu besorgen, die die Wiesbadener Mediaagentur-Gruppe Aegis Media mit den TV-Vermarktern Seven One Media in München und der Kölner IP Deutschland geschlossen hat. Sollten die Vermarkter die Herausgabe dieser Unterlagen verweigern, werde ein richterlicher Beschluss ergehen, der sie dazu verpflichte. Außerdem will Bonk sämtliche Betreuungsverträge zwischen der Wiesbadener Mediaagentur und den Werbekunden einsehen, die in den vermeintlichen Scheinrechnungen genannt werden, wodurch mehr als 40 Millionen Euro veruntreut worden sein sollen.

In der Klageschrift der Staatsanwaltschaft werden in diesem Zusammenhang unter anderem Ferrero, Campari, Pernod Ricard, Egmont Ehapa, Pit Stop, Duales System Deutschland und Bel-Adler Deutschland aufgeführt. Neben den Betreuungsverträgen mit diesen Werbekunden will die Kammer auch Einsicht in deren Mediaplanungs-Unterlagen nehmen. Mit Hilfe diese Geschäftsunterlagen will das Gericht offenbar klären, ob es sich bei dem Rechnungsverkehr zwischen Aegis Media, Emerson FF und den angeblichen Scheinfirmen Camaco oder Watson Communication um reale Kundenaufträge oder Scheinrechnungen handelte.

Laut Staatsanwaltschaft wurden auf diesem Wege durch die Angeklagten TV-Spot-Kontigente veruntreut, die Eigentum von Aegis Media waren. Wie hoch das Freespace-Volumen war, das die privaten TV-Vermarkter in den Jahren 2002 bis 2006 an die Wiesbadener Mediaagentur abtraten, sollen wiederum die Share-Verträge klären.

Nach der Ablehnung des Aussetzungsantrags wurde der heutige Verhandlungstag mit der Vernehmung von zwei Mitarbeiterinnen aus der Aegis-Buchhaltung beziehungsweise der Abrechnungsabteilung fortgesetzt. Dabei ging es um die Abrechnungsmodalitäten bei der Mediaagenturgruppe. Im Vordergrund stand dabei die Frage, wie Freispots verbucht und abgerechnet wurden. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Zusammenarbeit mit den Firmen Emerson FF und Zoffel Hoff Partner (ZHP).

Außergewöhnlich an dem Geschäftsverkehr mit Emerson FF ist laut Zeugenaussage gewesen, dass es sich bei den Eingangsrechnungen nicht wie sonst üblich um Einzelrechnungen, sondern um Sammelrechnungen gehandelt habe. Gegenstand der Rechnungen von Emerson FF an Aegis Media seien ausschließlich Freispots gewesen. Ansprechpartnerin auf Agenturseite für die Geschäfte mit Emerson FF war laut Zeugin die ehemalige Einkaufsmanagerin Claudia Jackson.

Im Fall ZHP sei die Abwicklung der Einkaufsvorteile erstaunlich gewesen, so die Aegis-Bilanzbuchhalterin. So sollte die Erteilung von Gutschriften aus dem Einkaufsvorteilskonto ungewöhnlich früh erfolgen. Dies sei auf Geheiß von Agenturchef Ruzicka geschehen, der Hauptansprechpartner für den Kunden ZHP gewesen sei. Teilweise seien Verrechnungsschecks zugunsten von ZHP direkt an Ruzicka übergeben worden, weil er diese persönlich dem Kunden aushändigen wollte, erklärte die Zeugin. Im weiteren Verlauf der Befragung ging es auch darum, wem die außertariflichen Rabatte eigentlich zustehen - der Agentur oder ihren Kunden. Die Strategie der Verteidigung zielte darauf ab zu verdeutlichen, dass es sich immer um Kundengelder handelte. Außerdem versuchte die Verteidigung herauszuarbeiten, dass sämtliche Vorgänge transparent und mit Wissen von Aegis Media vonstatten gegangen sind.
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