Mörder in Aktion: Wenn Marketing-Gags die Grenze des guten Geschmacks überschreiten

Donnerstag, 07. März 2013
Die Reaktionen der Protagonisten sind sehr unterschiedlich
Die Reaktionen der Protagonisten sind sehr unterschiedlich
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Nichtsahnen J.P. Boden Verbrechen Thinkmodo Aufzug YouTube USA


Wie würden Sie reagieren? Sie stehen nichtsahnend in einem New Yorker Gebäude vor einem Aufzug, telefonieren oder schlürfen gemütlich einen Kaffee. Dann öffnet sich die Tür und offenbart ein unglaubliches Bild: Zwei Männer wälzen sich auf dem Boden. Der eine versucht den anderen mit einem Kabel zu erdrosseln. Hinter dieser Schock-Szene verbirgt sich kein reales Verbrechen, sondern ein Marketing-Gag. Und zwar einer, der richtig unter die Haut - und für viele eindeutig zu weit geht.  Geschmacklos? Unsensibel? Gefährlich? Für Aufmerksamkeit im Social Web hat das Live-Experiment der New Yorker Viral-Marketing-Agentur Thinkmodo zum Kinostart des Actionthrillers "Dead Man Down" zumindest gesorgt. Am Montag auf Youtube hochgeladen, zählt der Clip mittlerweile bereits über 2,1 Millionen Zugriffe.

Für die Aktion filmte Thinkmodo die Szenerie mit versteckten Kameras. Die Reaktionen der Protagonisten könnten unterschiedlicher kaum sein: Die einen erstarren vor Schreck, andere drehen sich einfach um und gehen, und wieder andere eilen dem vermeintlichen Opfer zur Hilfe - ob mit dem Feuerlöscher, der Handtasche oder einfach mit lautem Gebrüll.

Laut den New Yorker Kreativen waren die Protagonisten außerhalb des Fahrstuhls nicht gecastet, ihre Reaktionen echt. Allerdings: Auch wenn die Idee als Kampagne für den Launch eines Actionthrillers um einen Auftragsmörder brauchbar erscheint - ein bitterer Beigeschmack bleibt. Was wäre, wenn einer der "echten" Protagonisten eine Waffe dabei gehabt hätte? In den USA ein durchaus mögliches Szenario.

Es ist nicht das erste Mal, dass Thinkmodo einen schockigen Live-Stunt inszeniert. Im vergangenen Sommer beispielsweise erschreckten die Kreativen New Yorker, indem sie als Zombies verkleidete Leute durch die Straßen der Metropole spazieren ließen. Der US-amerikanische Sender AMC Networks wollte damit auf die von ihm übertragene TV-Serie "The Walking Dead" aufmerksam machen. Und erst vor kurzem bescherte die Agentur Kundinnen eines New Yorker Friseurladens zum Start des Horrorfilms "Der letzte Exorzismus 2" einen Schock zur neuen Frisur, den sie nicht so schnell vergessen dürften.

Der Film "Dead Man Down" mit Colin Farrell ("Total Recall", "The Way Back") in der Hauptrolle feiert am 8. März Kinopremiere. Hierzulande ist der Start für den 4. April geplant. Es ist der zweite Streich von Regisseur Niels Arden Oplev und der Hauptdarstellerin Noomi Rapace. Das Erfolgsduo arbeitete bereits für die Stieg-Larsson-Verfilmung "Verblendung" zusammen. jm
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