Michael Preiswerk zur ADC-Debatte: "Kreativität schafft sich den Raum, den sie braucht"

Donnerstag, 30. November 2006
ADC-Sprecher Michael Preiswerk: "Offen, aktuell und weitsichtig verhalten"
ADC-Sprecher Michael Preiswerk: "Offen, aktuell und weitsichtig verhalten"

Mit seiner Ankündigung, im kommenden Jahr erstmals Arbeiten aus den deutschsprachigen Nachbarländern Österreich und Schweiz zu seinem Kreativwettbewerb zuzulassen, sorgt der Art Directors Club für Deutschland (ADC) für reichlich Wirbel. Andy Hostettler, Chief Executive Officer der Zürcher Agentur JWT+H+F (www.jwthf.ch), hat seinem Unmut über die Öffnung des deutschen ADC-Wettbewerbs in einem offenen Brief Luft gemacht.

Hier die Antwort von Michael Preiswerk, Vorstandssprecher des Art Directors Club für Deutschland (ADC):

"Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz gibt es ein gewisses Magengrummeln über unsere Entscheidung, den deutschen ADC-Wettbewerb auch für Arbeiten aus Österreich und der Schweiz zu öffnen. Hier die Angst um die Sortenreinheit, da die Befürchtung, dass die Kulturen viel zu verschieden sind. Mit der Öffnung Richtung Alpen machen wir aber nichts anderes als einmal mehr die Wirklichkeit abzubilden.

Der deutsche ADC hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Er ist offener, aktueller und weitsichtiger geworden. So waren die letzten Jahre geprägt von einer Erweiterung um viele neue Kreativkategorien. Über diese Entscheidung wurde diskutiert, teilweise sogar heftig, aber letztendlich hat sie sich als eine Entscheidung mit Weitsicht erwiesen, die der Kreativität neuen Raum gab.

Im Internet-Zeitalter machen Ideen nun auch keinen Halt mehr vor Landesgrenzen. Das Wettbewerbsverhalten ist auch in unserer Branche globaler und härter geworden. Und die Branchenstimmen werden immer lauter, die es bedauern, dass die großen Ideen vermehrt über die Networks aus den Metropolen London, Paris oder New York bei uns nur noch adaptiert werden.

Der deutschsprachige Raum hingegen hat seine eigene Kultur und Kommunikation. Und dieser Tatsache wollen wir mit dem größten deutschsprachigen Kreativ-Wettbewerb Rechnung tragen. In unserem neuen Fokus stehen die Kreativen und die vielen internationalen Markenverantwortlichen, denen wir beweisen wollen, dass sich das Ideengut aus dem deutschsprachigen Raum allemal mit dem aus anderen Märkten messen lassen kann.

Desweiteren ist Fakt, dass wir auch im deutschsprachigen Raum schon lange im Wettbewerb stehen. Nehmen wir beispielsweise die Smart-Einführung, made in Switzerland. Palmers und MediaMarkt sind weitere prominente Beispiele. Fakt ist auch, dass Kreative längst zwischen Hamburg, Wien, München und Zürich herumspringen, als sei das alles eine große Stadt.

Ja, wir wissen alle, Wettbewerb belebt das Geschäft. Und ja, den holen wir uns damit selbst ins Haus. Warum wir das tun? Ganz einfach, weil wir noch besser werden wollen.

Jetzt, in Zeiten einer immer heterogener werdenden Medienlandschaft, haben wir unser Profil klarer denn je formuliert. Wir stehen für Ideen in ihrer besten Form. Und geben ihnen den Raum, den sie verdienen: Den deutschsprachigen.

Machen wir uns doch in dieser Frage von dem Gedanken frei, unsere Vorurteile und Riten hartnäckig zu verteidigen. Verhalten wir uns, wie man es von Kreativen erwartet. Offen, aktuell und weitsichtig.

Michael Preiswerk,
Vorstandssprecher des Art Directors Club für Deutschland (ADC)

Andy Hostettlers offener Brief an den ADC-Deutschland: "Achtung, die Deutschen kommen"

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