Meta Design zieht sich bei Rethink zurück und baut um

Freitag, 19. April 2013
Uli Mayer-Johanssen (Foto: Meta Deisgn)
Uli Mayer-Johanssen (Foto: Meta Deisgn)

Das Thema Content Marketing ist derzeit in aller Munde. Auch die führende deutsche Design- und Branding-Agentur Meta Design will sich in diesem Bereich besser aufstellen. Dazu hatte das Team um die Vorstände Uli Mayer-Johanssen und Arne Brekenfeld im Herbst 2011 eine Mehrheitsbeteiligung an der auf Corporate und Digital Publishing spezialisierten Agentur Rethink in Berlin erworben. Offenbar hat die Zusammenarbeit nicht so geklappt wie erhofft. Die Beteiligung ist inzwischen wieder gelöst, die Anteile wurden zurückverkauft. Am Ende habe es unternehmerisch nicht gepasst, erläutert CEO Brekenfeld den Grund für den Ausstieg. Die Kompetenzen für Content Marketing will Meta Design jetzt intern aufbauen, aber nicht als separate Unit, sondern integriert in die bestehenden Teams. Diesen hat die Führung eine neue Struktur verpasst: Seit kurzem agiert man mit zwei integrierten Units ("Bases"). Die einzelnen spezialisierten Kompetenzcenter wurden abgeschafft.

Arne Brekenfeld (Foto: Meta Design)
Arne Brekenfeld (Foto: Meta Design)
Mit der Neuaufstellung positioniert sich die Agentur als "kreativer Impulsgeber und Begleiter für ganzheitliche Markenführung". Das Ziel: Meta Design will Marken künftig nicht nur gestalterisch, sondern auch inhaltlich führen - ein ambitioniertes Ziel, denn diesen Anspruch erheben neben den Markeneignern Dienstleister aus unterschiedlichen Bereichen.

Im Zuge des Umbaus wurde die Meta-Führungsmannschaft erheblich verkleinert. Unterhalb des dreiköpfigen Vorstands gehören jetzt nur noch fünf Mitarbeiter zur erweiterten Geschäftsleitung - früher waren es knapp 20. Einige von ihnen haben in der neuen Struktur offenbar keine Zukunft mehr für sich gesehen und die Agentur verlassen. mam

Ein Interview mit den Vorständen Mayer-Johanssen und Brekenfeld zum Umbau der Agentur lesen Sie auf der folgenden Seite:

Bei Meta Design ging es zuletzt ziemlich unruhig zu. Gleich mehrere Führungskräfte haben das Haus verlassen. Rennen Ihnen die guten Leute weg?
Uli Mayer-Johanssen: Nein. Es war einfach an der Zeit, etwas Grundsätzliches zu verändern und uns neu aufzustellen. Die Welt für Agenturen sieht heute völlig anders aus als vor ein paar Jahren. Darauf mussten wir reagieren. Eine logische Folge ist, dass nicht alles so bleiben konnte, wie es war auch strukturell und personell. Das gefällt nicht jedem.

Was genau ist denn so völlig anders als vor ein paar Jahren?
Mayer-Johanssen: Die Art des Geschäfts und die Zusammenarbeit mit den Kunden. Die Projekte werden kleinteiliger, die Budgets immer stärker aufgesplittet. In der Markenentwicklung geht es heute, bildlich gesprochen, leider kaum noch um das ganze Haus, sondern hier mal um einen Stuhl, da mal um eine Tür oder eine Wand. Bei der Vielzahl der technologischen Möglichkeiten stürzen sich Unternehmen und Agenturen auf die Details und verlieren den Blick für das große Ganze. Genau diesen übergeordneten Blick wollen wir schärfen.

Klingt ja erst mal nicht schlecht. Weshalb sind dennoch viele Top-Leute weg?
Arne Brekenfeld: Die Kollegen sind nicht ausgestiegen, weil sie das Konzept blöd fanden, zumindest hat das keiner gesagt. Die Abgänge haben keinen übergeordneten Grund, sondern waren individuell verschieden. Vielleicht hatten sie aber teilweise damit zu tun, dass wir dazu aufgefordert haben, wieder stärker inhaltlich auf Mandaten mitzuarbeiten und sich weniger um reine Managementaufgaben zu kümmern. Wir wollten, dass alle wieder operativer werden und die Führung verschlanken.

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Das vollständige Gespräch lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 16/2013 vom 18. April.

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Heißt das im Klartext, Sie haben einige Mitarbeiter degradiert?
Brekenfeld: Wir waren uns einig, dass Meta Design schneller werden muss. Abgenickt haben das alle, sich selbst gemeint aber nur wenige. Als dann klar war, mit welchem Team wir in die Zukunft gehen möchten, waren einige Mitarbeiter enttäuscht, dass sie sich nicht mehr auf einer bestimmten Hierarchiestufe wiederfanden. Wir haben die zweite Führungsebene von 20 auf fünf Leute verkleinert.

Also auch bei Ihnen das verbreitete Prinzip: weniger erfahrener Mittelbau, mehr junge Arbeitsbienen?
Mayer-Johanssen: Ein klares Nein. Das geht in unserem Geschäft auch gar nicht. Um unsere Projekte und Aufgaben glaubwürdig betreuen zu können, brauchen wir erfahrene und qualifizierte Leute. Die haben wir weiterhin an Bord. In der mittleren Ebene gibt es keinen Aderlass. Unser Problem ist eher umgekehrt: Wir hätten gern viel mehr junge Mitarbeiter.
Brekenfeld: Wir waren lange mit einer sehr stabilen Mannschaft unterwegs. Das führt dazu, dass sich eine Firma nicht nur inhaltlich, sondern auch hierarchisch nach oben entwickelt. Es entsteht tendenziell einen Wasserkopf. Und man deckelt letztlich die Entwicklungsmöglichkeiten für junge Leute. Beides wollten wir aufbrechen und wieder mehr Raum für Wachstum von unten schaffen. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass wir den einen oder anderen, der gegangen ist, gern gehalten hätten.

Interview: Mehrdad Amirkhizi
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