Mediengipfel: Die kreative Revolution bleibt aus

Donnerstag, 01. November 2012
Podiumsrunde mit Moderator Hajo Schumacher (Mitte, Foto: Media.net Berlin Brandenburg)
Podiumsrunde mit Moderator Hajo Schumacher (Mitte, Foto: Media.net Berlin Brandenburg)

Die kreative Revolution - stürmische Zeiten in der Werbebranche? Unter dieses Motto hatte das Netzwerk Media.net Berlin Brandenburg, ein Bündnis für Unternehmen aus der Medienwirtschaft der Hauptstadtregion, seinen 32. Mediengipfel am Mittwochabend in Berlin gestellt. Der zweite Teil des Mottos war treffender gewählt, als den Veranstaltern lieb sein konnte. Denn der Besuch des angekündigten Stargasts Amir Kassaei, der von dem nicht weniger wie ein Star auftretenden Journalisten Hans-Joachim "Hajo" Schumacher interviewt werden sollte, fiel Hurrikan "Sandy" zum Opfer. Der DDB-Kreativchef konnte New York nicht verlassen. So musste kurzfristig ein Ersatzprogramm auf die Beine gestellt werden. Die mittelmäßig dankbare Aufgabe, in die Bresche zu springen, übernahmen vier Agenturmänner: Martin Blach (Hirschen Group), Frank Dopheide (Deutsche Markenarbeit, Scholz & Friends), Matthias Spaetgens (Scholz & Friends) und Daniel Simon (Greenkern, Aperto). Ganz auf Kassaei verzichten wollten die Veranstalter jedoch nicht. Immerhin war er ihr Kronzeuge für die ausgerufene "kreative Revolution". Also meldete sich ein relativ müde wirkender Kassaei per Videobotschaft zu Wort und erneuerte seine drei Kernbotschaften: Die Digitalisierung ist allumfassend, die gesellschaftlichen Wertesysteme verändern sich, die bestehende Wirtschaftsordnung funktioniert nicht mehr.

Richtig viel anfangen mit diesen Thesen konnten die Podiumsteilnehmer nicht. Eine lebhafte Debatte blieb aus. Man war sich schnell einig in dem Urteil, dass es sich um Allgemeinplätze und Binsenweisheiten handele. Auch von revolutionären Veränderungen in der Werbebranche wollte keiner der Diskutanten so recht etwas wissen. Hier waren sich ebenfalls alle relativ schnell einig: Im Grunde gehe es in der Werbung nach wie vor darum, spannende Geschichten zu erzählen.

So plätscherte die Diskussion ziemlich belanglos dahin und hüpfte von einem Thema zum nächsten. Irgendwann landete man sogar bei der Frage, ob mit der Eroberung des deutschen Werbeagenturmarkts durch chinesische Anbieter zu rechnen sei. Auch der eine oder andere Versuch von Moderator Schumacher, mit kleinen Sticheleien Schwung in die Debatte zu bringen, lief ins Leere.

Schließlich wechselte er ganz das Themenfeld und kam zu einem Bereich, in dem er sich sichtlich wohler und kompetenter fühlte: der Zukunft der Printmedien, von Schumacher "Steinkohlebergbau des Medienwesens" genannt. Doch auch hier hielt sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen, nachdem noch einmal betont wurde, dass die Verlage funktionierende Geschäftsmodelle im Internet brauchen. Letztlich einigte man sich auf die Formel "Print ist nicht tot" - dann durften die rund 400 Gäste aus Wirtschaft und Politik das Büffet stürmen. mam
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