Media-Markt setzt Kemper Trautmann vor die Tür

Mittwoch, 12. Januar 2011
Media Markt trennt sich von seiner Kreativagentur Kempertrautmann
Media Markt trennt sich von seiner Kreativagentur Kempertrautmann

Herber Verlust für Kemper Trautmann. Die Hamburger Kreativschmiede verliert mit Media-Markt ihren Gründungskunden - und einen der größten Werbungtreibenden Deutschlands. Die Elektronikkette wird die Zusammenarbeit mit dem von André Kemper, Michael Trautmann und Boris Malwinsky geführten Dienstleister Mitte des laufenden Jahres beenden, um ein neues Agenturmodell einzuführen.
Als Grund wird die geplante Neuausrichtung der Kommunikation von Media Markt in Deutschland genannt. Europas größter Elektrofachmarkt, der hierzulande im vergangenen Jahr mit Brutto-Spendings von 290 Millionen Euro zu den Big Spendern gehörte, will sich eigenen Angaben zufolge neu aufstellen mit dem Ziel, die geplante Multichannel-Strategie auch aufs Marketing zu übertragen. Im Zuge dessen wolle Media-Markt "unterschiedliche Agentur-Modelle" prüfen, um künftig auch in der Werbung verstärkt multimediale Wege gehen zu können.

Wie eine Sprecherin auf Anfrage von HORIZONT.NET erläutert, könnte Media-Markt künftig beispielsweise auf die Verpflichtung von nur einer großen Agentur verzichten und stattdessen mit verschiedenen kleinen Spezialdienstleistern zusammenarbeiten. Ob es am Ende tatsächlich so kommt, ist noch unklar. So oder so will das Unternehmen künftig die Werbung stärker als bislang auf die unterschiedlichen Kommunikationskanäle zuschneiden und bei einzelnen Kampagnen auch stärker medienspezifische Schwerpunkte setzen. Mit den potenziellen neuen Agenturpartnern will sich Media-Markt bereits in den kommenden Wochen in Verbindung setzen.

Von Kemper Trautmann verabschiedet sich das Unternehmen mit knappen Worten. Michael Rook, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Media-Markt, bedankt sich zwar für "die gute Zusammenarbeit und die Erfolge", die in den letzten Jahren erzielt worden seien - aber nur um wenig später durchaus Optimierungsbedarf anzudeuten: "Unser Anspruch als Nummer Eins ist es, den Kunden dort zu erreichen, wo er es von uns erwartet. Künftig suchen wir einen Partner, der unsere Marke intensiv in Richtung Multichannel begleitet", sagt Rook.

Dies ist ein mehr oder weniger deutlicher Seitenhieb auf den bisherigen Stammbetreuer. Die Agentur gilt seit ihrer Gründung im Juli 2004 als stark klassisch geprägt. Zuletzt hat man intensive Anstrengungen unternommen, das digitale Know-how auszubauen. So hat sich Kemper Trautmann mit Tribal-DDB-Manager Martin Drust verstärkt. Außerdem wurde die auf Online-Kommunikation spezialisierte Agentur Oysterbay übernommen. Darüber hinaus hat man ein Jahr lang auf die Teilnahme an Kreativwettbewerben verzichtet, um die Mitarbeiter im digitalen Bereich zu trainieren.

Die TV-Abteilungen in den Media-Märkten lockten im Weihnachtsgeschäft nicht genügend Kunden an
Die TV-Abteilungen in den Media-Märkten lockten im Weihnachtsgeschäft nicht genügend Kunden an
Bei Kemper Trautmann geht nun eine Ära zuende. Die Agentur hatte seit Herbst 2004 die Werbekampagnen für Media Markt in den Bereichen TV, Funk, Print, Online und Out-of-Home verantwortet. Ob die Werbeschmiede den Verlust von Media Markt ohne größere Blessuren wegstecken kann, bleibt abzuwarten. Größter Kunde ist Audi. Darüber hinaus arbeitet Kemper Trautmann für Unternehmen wie Schwartau, Ferrero, Vaillant, Dextro, Edding sowie für die Verlage Bauer und Axel Springer.

Die Neuausrichtung der Kommunikation bei Media Markt dürfte auch eine Folge der schwachen Geschäftsentwicklung sein. Beim Mutterkonzern Metro waren die Deutschland-Umsätze im vierten Quartal 2010 um 2,6 Prozent auf 7,9 Milliarden Euro gesunken - auch Media-Markt und das Schwesterunternehmen Saturn haben zuletzt enttäuscht. Während die Elektronikketten über das Gesamtjahr hinweg ein Umsatzplus von 5,6 Prozent auf 20,8 Milliarden Euro erzielten, kletterte der Umsatz im vierten Quartal nur um 1,3 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Flächenbereinigt - also ohne Neueröffnungen - rutscht Media Saturn sogar ins Minus.

Grund dürfte nicht zuletzt das schwache E-Commerce-Standbein der Elektronikkette sein. Obwohl immer mehr Verbraucher online einkaufen, hat es Media-Markt bislang nicht geschafft, einen Onlineshop auf die Beine zu stellen. Dieses Versäumnis soll auch den Ausschlag für die Aberufung des früheren CEO Roland Weise im Dezember 2010 gegeben haben.

Mit der Neuausrichtung seiner Kommunikation steht Media-Markt im Konzern nicht alleine da. Saturn hatte bereits Ende Dezember seinen Werbeauftritt erneuert und den Claim "Geil ist geil" eingeführt. mas
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