Media Markt: "Klar Dada" befindet SinnerSchrader-Chef Matthias Schrader

Dienstag, 04. Oktober 2011
Matthias Schrader kritisiert Media Markt-Auftritt
Matthias Schrader kritisiert Media Markt-Auftritt

Gerade drei Tage jung ist der neue Auftritt von Media Markt, doch schon jetzt steht fest: Keine Kampagne hat in den vergangenen Jahren so polarisiert wie der neue, von Ogilvy gestaltete Auftritt. Media-Saturn-Chef Hort Norberg ist im „FAS"-Interview überzeugt: „Die Kampagne wird Werbegeschichte schreiben, vor allem aber: Sie wird den Handel insgesamt verändern, sie ist ein Weckruf, den Preisirrsinn auch in anderen Bereichen des Handels - Möbel, Baumärkte, etliches mehr - zu stoppen." Unterdessen gehen auf HORIZONT.NET im Stundentakt  Kommentare (positive wie negative) ein. Damit nicht genug: Insbesondere die negative Darstellung von Online- und Preis-Portalen provozieren auch klar formulierte Statements aus dem Lager der (Internet-)Agenturen. Bestes Beispiel: Matthias Schrader. Der Chef der Internet-Agentur SinnerSchrader beschreibt im Agenturblog Fischmarkt präzise die Schwachstellen der Kampagne. HORIZONT.NET veröffentlicht im folgenden die wichtigsten Passagen Blog-Beitrags im Wortlaut:


1. Falscher Consumer Insight: Das Netz ist kein Jahrmarkt

Das Netz wird deshalb im Kaufentscheidungsprozess als Anlaufstelle Nr. 1 vom Konsumenten genutzt, weil es Transparenz schafft und ordnet. Insbesondere die erfolgreichsten E-Commerce Destinationen wie Amazon schaffen dies seit Jahren extrem erfolgreich und gewinnen von Jahr zu Jahr massiv an Zuspruch. Kunden haben sich an Auswahl, Preistranspararenz, Produktinformationen, Verkaufsränge und Bewertungen gewöhnt und nutzen sie. Im Netz finden die rationalen Kaufentscheidungen statt, der Jahrmarkt findet immer noch auf und im Boulevard statt ("Geiz ist geil"). Die Grundidee der gesamten Kampagne läuft daher ins Leere.

2. Falscher Claim

Erst einmal vom Wege abgekommen, kann man dann auch schon mal abheben. "Der neue Media Markt Preis ist der klarste Preis". "Ohne Preis-Irrsinn". Oder so ähnlich. Meine Güte! Wer soll das verstehen? Hier kämpft die Kommunikation Schattenboxen mit der Ramba-Zamba-Werbung der letzten Jahre. Die war wenigstens unterhaltsam. Die neue Ansage bleibt klar Dada.

3. Falsches Versprechen

Media Markt verspricht künftig den "klarsten" Preis zu liefern, da täglich alle maßgeblichen Online-Wettbewerber geprüft werden und die Preise angepasst werden. Wie soll das gehen? Bis auf ein absolut reduziertes Angebotssortiment von vielleicht 100 Artikeln, ist es nicht möglich, tausende Artikel mehrmals auszuzeichnen -- und schon gar nicht täglich. Das wird den Märkten und den lokalen Geschäftsführern täglich um die Ohren fliegen. Denn ihre Kunden kennen die Internetpreise.

4. Falsche Angebotsartikel

Und dann die Angebotsartikel - die alte Achillesferse vom Mediamarkt! Zwei, drei Klicks bei Amazon und schon entpuppt sich der Waschvollautomat von Bosch aus dem Kampagnenprospekt als Altware, die noch schnell vom Hof muss. Spätestens hier ist die Glaubwürdigkeit dahin.

Man kann den Verantwortlichen bei Media Markt nur raten, schnell wieder zur Besinnung zu kommen und die Kampagne sofort zu stoppen. Und noch einmal in Ruhe nachzudenken.
Matthias Schrader

 

 

 

 

 

 

 

 
Meist gelesen
stats