McCann-CEO Nick Brien: "Wir haben Federn lassen müssen"

Freitag, 03. Februar 2012
Nick Brien, CEO McCann Worldgroup
Nick Brien, CEO McCann Worldgroup


Nick Brien hat derzeit einige Sorgenkinder in der Gruppe. Erst gestern wurde bekannt, dass das Büro in Zürich geschlossen wird. Besonders viel Kummer dürfte dem Chef der McCann Worldgroup in der letzten Zeit aber die deutsche Niederlassung gemacht haben. Mit dem neuen Statthalter Andreas Trautmann soll alles anders werden. Im Interview mit HORIZONT erklärt Brien, was er vom Deutschland-Chef erwartet - und was nicht. Wie sehen Sie die Situation von McCann im deutschen Markt?
Ich stimme mit dem überein, was HORIZONT vor kurzem darüber geschrieben hat.

Wir haben geschrieben, dass der Absturz der Agentur vor allem hausgemacht ist – und sich schon länger abgezeichnet hat. Warum hat die internationale Führung nicht eher reagiert?
Ich kann nicht über eine Zeit sprechen, in der ich nicht die Verantwortung hatte. Als ich angetreten bin, war mir klar, dass wir in Deutschland etwas tun müssen. Ich war in meiner ersten Arbeitswoche hier, um mir vor Ort ein Bild zu machen. Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für uns, aber auch einer, der die Erwartungen zuletzt nicht erfüllt hat. Ich wollte verstehen, warum.

Und warum?
Ich denke, das ist zur Genüge bekannt. Lassen Sie uns doch nicht immer nur nach hinten schauen.

Das muss man aber tun, wenn man etwas verändern will.
Das sehe ich anders. Unsere Kunden interessiert nicht, was zuletzt war und was die Fachpresse darüber schreibt. Sie wollen ein Agenturteam, das sie mit strategischer und kreativer Exzellenz begeistert. Wenn die Chemie stimmt und das Produkt überzeugt, dann spielt die Vergangenheit keine Rolle.

Aber Sie wissen schon um das Image von McCann im deutschen Markt, oder? Die Agentur kommt derzeit doch für kaum jemanden in Betracht.
Das behaupten Sie, entspricht aber nicht der Realität. Lassen wir die Kirche doch mal im Dorf: Ja, wir haben Federn gelassen. Aber es ist nach wie vor viel gesundes Geschäft da. Und auch die Gruppe ist in einer guten Verfassung. Bei MRM läuft es sehr gut, deren größter Kunde ist nach wie vor General Motors. Auch Universal McCann, Weber-Shandwick und McCann Healthcare stehen prima da. Was stimmt: Wir müssen die Kernmarke McCann-Erickson neu aufstellen und gesünder machen – nicht mehr und nicht weniger.

Das dürfte schwer genug werden. Wie viel Zeit geben Sie Ihrem neuen Deutschland-CEO Andreas Trautmann dafür?
Um es ganz deutlich zu sagen: Andreas' Auftrag ist nicht, so schnell wie möglich ganz viele Etats zu gewinnen. Es geht zuerst darum, strategisch, methodisch und kreativ die Qualität von McCann wieder aufzubauen. Das braucht Zeit. Wir werden Andreas jedenfalls nicht unter Druck setzen. Unsere Agenturgruppe ist kein Speedboot, das man mal schnell drehen kann, sondern ein Tanker.

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Das vollständige Interview lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 05/2012 vom 2. Februar.

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Ein Freifahrtschein für einen nationalen Network-Statthalter? Davon haben wir noch nie gehört.
Das habe ich auch nicht gesagt. Aber wir geben ihm die Zeit und die Mittel, die notwendig sind, um die Vitalität und Wettbewerbsfähigkeit von McCann-Erickson in Deutschland wiederherzustellen. In diesem Zusammenhang suchen wir weitere Top-Talente, die sich uns anschließen wollen. Außerdem planen wir Akquisitionen.

In welchen Bereichen? Es heißt, Sie umgarnen angesehene Inhaberagenturen.
Wir gucken im gesamten Spektrum der Marketingkommunikation. Zu den Details kann ich aus Vertraulichkeitsgründen nichts sagen. Im Mittelpunkt steht, unsere Kernmarke zu stärken. Der Fehler, der in vielen Märkten gemacht wurde – leider auch in Deutschland – war doch der, dass man zu stark diversifiziert und zu wenig in die Kernmarke investiert hat. Das wollen wir ändern.
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