MSL-Chef Salazar kontert Network-Kritik: "Hurra, wir leben noch!"

Montag, 19. November 2012
Gastbeitrag für HORIZONT.NET: Wigan Salazar, CEO MSL Germany
Gastbeitrag für HORIZONT.NET: Wigan Salazar, CEO MSL Germany

Der mehr oder weniger deutliche Rückzug der Agentur JWT aus dem deutschen Markt wirft einmal mehr die Frage nach der Zukunft der Networks auf. Nach Pitchberater Oliver Klein und Fischer-Appelt-Vorstand Frank Behrendt meldet sich nun Wigan Salazar zu Wort. Der CEO von MSL Germany, dem PR-Netzwerk der Publicis-Gruppe, kontert die Network-Kritik: „Man mag es angesichts des Krisengeheuls kaum glauben: Networks haben vermarktbare Vorteile.“ Welche das sind, zeigt Salazar in seinem Gastbeitrag für HORIZONT.NET auf. "Wer kennt ihn nicht, den Network-Abgesang – oft genug vorgetragen von ehemaligen Network-Managern. "Das Controlling regiert." "New York/ Paris/ London bewilligt mir keine neuen Mitarbeiter." "Networks haben sich überlebt." Und so weiter. Mein sehr geschätzter Kollege Frank Behrendt meinte jüngst an dieser Stelle, die guten alten Zeiten, als Networks mit New Yorker Kreativen glänzen konnten, seien vorbei. Networks hätten gerade in erwachsenen Märkten ein Problem.

Zugegeben, nicht jedes Network präsentiert sich hellwach und agil. Erst recht nicht am deutschen Markt. Es gibt aber gut geführte Networks und Networkagenturen, die besser abschneiden als der Markt. Und, man mag es angesichts des Krisengeheuls kaum glauben: Networks haben vermarktbare Vorteile.

Beispiel 1: Internationalität. Warum sollte diese ausgerechnet in globalisierten Zeiten nicht mehr relevant sein? Nur schauen Kunden nicht mehr nur nach New York, sondern wollen wissen, was die Trends in Shanghai, Mumbai und Sao Paolo sind. Gerade die international ausgerichtete deutsche Wirtschaft braucht Insights aus diesen Ländern. Zudem möchten Top-Talente eine internationale Perspektive aufgezeigt bekommen. Das können nationale Agenturen nicht bieten.

Beispiel 2: Management und Benchmarking. In einem leistungsfähigen, gut organisierten Network lernt man, sehr schlank und strukturiert zu arbeiten. Und kann man sich extrem viel von seinen Kollegen abgucken.

Ob Personalmanagement, Pitch-Effizienz oder Ideenmanagement – alle stehen vor den gleichen Herausforderungen und können, offene Augen und gute Kommunikation vorausgesetzt, voneinander lernen. Ob Network oder lokaler Player: Jede Agentur muss agil, kreativ und zugleich diszipliniert sein, um erfolgreich zu sein. Und wirtschaftlicher Erfolg – Wachstum und Marge – ist gerade Inhabern nicht fremd.

Vielleicht hat die Network-Krise mehr mit Management als mit einem strukturellen Problem zu tun. Aber einen wahren Kern hat Behrendts Argumentation: Das New-York-zentrische Modell hat ausgedient. Nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch kommunikativ ist die Welt multipolar geworden." Wigan Salazar

Der Autor ist CEO von MSL Germany, dem PR-Netzwerk der Publicis-Gruppe. Für den französischen Werbekonzern ist er seit 2001 tätig.
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