Lobbyisten sind unzufrieden mit der Bundesregierung

Dienstag, 26. Oktober 2010
Angelka Merkel (Foto: Laurence Chaperon)
Angelka Merkel (Foto: Laurence Chaperon)

Die Verantwortlichen für Public Affairs in deutschen Unternehmen und Verbänden sind unzufrieden mit der Leistung der schwarz-gelben Bundesregierung in ihrem ersten Amtsjahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der PR-Agentur MSL heute vorgelegte Umfrage. Demnach beurteilen 55 Prozent der Befragten die Leistung der Koalition als schlecht, 12 Prozent sogar als sehr schlecht. Nur knapp ein Drittel vergibt die Note gut. Ein noch schlechteres Zeugnis stellen die Public-Affairs-Manager der Kommunikation der Bundesregierung aus. Insgesamt 80 Prozent bewerten die Öffentlichkeitsarbeit des Kabinetts von Bundeskanzlerin Angela Merkel als schlecht, fast 30 Prozent davon sogar als sehr schlecht.

Abgefragt wurde auch die Leistung in einzelnen Politikfeldern. Hier schneidet die Arbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am besten ab: 57 Prozent der Befragten beurteilen die Arbeit im Politikfeld Verteidigung mit gut, 13 Prozent mit sehr gut. Am schlechsten kommt die Steuerpolitik weg. Mehr als Hälfte findet sie schlecht, fast jeder Dritte sogar sehr schlecht.

Laut Umfrage haben sich die hohen Erwartungen der Lobbyisten an die Koalition nicht erfüllt. Zwei Drittel konnten keine Veränderung für ihre Arbeit unter Schwarz-Gelb feststellen. 25 Prozent finden sogar, dass ihre Arbeit schwerer geworden sei. Dieses Ergebnis ist insofern erstaunlich, weil in der Öffentlichkeit der Eindruck vorherrscht, dass gerade Lobbyisten aus Bereichen wie Hotelerie, Gesundheit und Energiewirtschaft an Einfluss gewonnen haben.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Public-Affairs-Profis sehen in der stärkeren Bürgerbeteiligung und den damit verbundenen Debatten wie zum Beispiel bei Stuttgart 21 ein Problem. 69 Prozent glauben, dass ihre Arbeit durch mehr direkte Demokratie erschwert würde. Gleichzeitig steigen die Investitionen in Public Affairs weiter an. 51 Prozent der Interessenvertreter geben an, 2010 mehr Geld in diesen Bereich investiert zu haben.

"Die Bedeutung der Public-Affairs-Branche in Deutschland nimmt stetig zu - online wie offline. Die steigenden Investitionen sind eine erfreuliche Entwicklung", sagt Axel Wallrabenstein, Chairman der MSL Group in Deutschland. Für die zum neunten Mal durchgeführte Umfrage hat die Publicis-Tochter 200 Public-Affairs-Entscheider angeschrieben, die Rücklaufquote liegt bei 25 Prozent. Alle Ergebnisse finden Sie hiermam             
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