"Kreativität statt Bomben": Streit um argentinischen Y&R-Spot eskaliert

Dienstag, 08. Mai 2012
Auch Rupert Murdoch gerät ins Visier
Auch Rupert Murdoch gerät ins Visier


Der umstrittene Olympia-Spot von Y&R Argentinien sorgt weiter für Wirbel: Nachdem britische Politiker und WPP-Chef Martin Sorrell das Video aufs Schärfste verurteilt haben, schaltet sich nun Argentiniens Außenminister Hector Timerman in die Debatte ein. Der Politiker verteidigte den Spot, von dem die Briten sich verunglimpft fühlen. Seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond fährt Timerman dabei ordentlich über den Mund - und auch Medienmogul Rupert Murdoch bekommt sein Fett weg.
Der britische Außenminister hatte von Argentinien eine Entschuldigung für den Spot gefordert, in dem ein argentinischer Olympionike sich auf den Falklandinseln auf die Spiele vorbereitet und dabei unter anderem auf einem britischen Kriegsdenkmal trainiert. Im Jahre 1982 hatten Argentinien und Großbritannien einen blutigen Krieg um die Inselgruppe im Südatlantik ausgefochten.

"Großbritanniens Außenminister fordert, wie ein mächtiger Ritter, dass Argentinien sein Bedauern über einen kreativen Spot ausdrücken solle, der zusammenfasst, was wir fühlen", heißt es in einer Pressemitteilung des argentinischen Außenministeriums. Damit spielt Timerman auf die Aussage des Clips an, wonach die "Malvinas", wie die Argentinier die Falklandinseln bis heute nennen, trotz der Niederlage im Krieg vor 30 Jahren eigentlich zu Argentinien gehören.

Ausgerechnet Murdoch

Timerman kann sich in der Mitteilung zudem nicht verkneifen, Hammond zu verhöhnen. Dieser habe immer noch nicht gesagt, welche Strafe die Argentinier eigentlich erwarte, wenn der Spot nicht zurück gezogen werde. "Er sollte wissen, dass die Welt ein sichererer Ort ist, wenn man Kreativität statt Bombardements der Zivilbevölkerung unabhängiger Länder benutzt", so Timerman. Ein klarer Affront gegen Großbritannien, das sich im Irak wie in Afghanistan militärisch engagiert.

Doch damit nicht genug: Einmal in Fahrt, watscht Timerman auch Rupert Murdoch und dessen Sender Sky News ab. Dort war Hammonds Forderung nach einer Entschuldigung ausgestrahlt worden. Murdoch als Speerspitze gegen Argentinien einzusetzen, empfindet Timerman als ganz besondere Provokation: "Der selbe Murdoch, dessen Zeitungen Mails stehlen, Telefone abhören und für Informationen über Schauspieler und Mitglieder der Opposition bezahlen", schimpft Timerman.

Y&R Argentinien nimmt Stellung

Derweil hat Martin Mercado, Leiter der für den umstrittenen Spot verantwortlichen argentinischen Niederlassung von Y&R, Stellung bezogen. Laut "ESPN" sei das Video für den Hausgebrauch und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen. Eine Abstimmung mit dem New Yorker Hauptquartier der Agentur sei im Vorfeld nicht erfolgt. Allerdings, so Mercado, könne die Agentur von der Regierung nicht verlangen, den Spot zurückzuziehen.

Wie der Sportsender weiterhin meldet, gibt es derzeit Überlegungen, wonach argentinische Sportler bei den Spielen T-Shirts mit der Aufschrift "Die Malvinas sind argentinisch" tragen sollten. Eine britische Gegenbewegung sei bereits in der Mache. Das Internationale Olympische Kommittee (IOC) hat laut "Campain Live" den Spot unterdessen verurteilt. Die Spiele dürften keine Plattform für Politik sein, so das IOC. ire
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