Kopiervorwurf in UK: Produktionshaus Asylum greift Leo Burnett an

Montag, 03. September 2012
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Das Ganze hat etwas vom Kampf David gegen Goliath: Über Leo Burnett in Großbritannien schwappt derzeit eine Welle der Kritik. Sogar eine Online-Petition haben wütende Kreative bereits gegen die Agentur gestartet. Der Vorwurf: Leo Burnett habe einen Spot der kleinen Londoner Produktionsfirma Asylum Film kopiert. Asylum stellte daraufhin die Agentur in einem offenen Brief an den Pranger. Gegenüber HORIZONT.NET nahm Leo Burnett Stellung und entschuldigte sich. Am Mittwoch launchte das Londoner Büro von Leo Burnett seinen Spot (siehe oben) für Ronald McDonald House Charities (RMHC) - der erste nationale Auftritt für die Kinderhilfe der Burgerkette McDonald's. Sie hilft Eltern und ihren schwerkranken Kindern, diese während deren Klinikbehandlung gemeinsam unterzubringen. Der Spot zeigt ein einsames Kind in Gestalt zusammengesetzter Pappkartons, das ängstlich und einsam ohne seine Eltern in einer Klinik umherirrt. Zahlreiche britische Medien wie zum Beispiel The Drum berichteten darüber. Einen Tag später dann erschien im Netz ein offener Brief (siehe nächste Seite), in dem Asylum-Regisseur Ben Falk Graeme Light, Head of TV von Leo Burnett in London, Ideen-Klau vorwirft.

Was war passiert? Asylum war von Leo Burnett gebeten worden, ihnen bei einer Kreation für das Gala-Dinner von RMHC zu helfen. Das hätten sie auch mit vollem Einsatz getan, schreibt Falk in seinem Brief. Kunde und Agenturteam seien sehr zufrieden mit ihrer Arbeit (Spot: siehe unten) gewesen, so Falk weiter. Vor zwei Tagen dann launchte Leo Burnett die nationale Kampagne für RMHC, der Spot wird in den kommenden zwei Monaten im Kino zu sehen sein. Als Produktionsfirma steht jedoch Blac Ionica, ebenfalls London, in den Credits. "Es ist unsere Arbeit - neugedreht und mit einem größeren Budget produziert. Nicht nur das Konzept, auch die Beleuchtung, die Anmutung und die Szenenauswahl sind fast identisch", so Falk im Brief an und klagt die Ausbeutung junger und aufstrebender Kreativer an.

"Wir wollen kein Geld oder einen sonstigen finanziellen Ausgleich", so Falk auf Nachfrage gegenüber HORIZONT.NET. Mit dem Brief habe man lediglich auf das Handeln von Leo Burnett und deren mangelnden Anstand hinweisen wollen. "Wir wollten eine Reaktion und die bekamen wir. Der Leo-Burnett-CEO [A.d.R.: Paul Lawson] kontaktierte mich 25 Minuten nach der Veröffentlichung." Seine Entschuldigung: Der Blac-Ionica-Spot sei eine Umsetzung des Original-Entwurfes von Asylum.

RMHC 'Gala Dinner' from Asylum Films on Vimeo.

Leo Burnett hat inzwischen erneut reagiert. HORIZONT.NET bekam von der Agentur folgendes Statement: "Jedes Jahr drehen wir einen Low-Budget-Film für das Gala-Dinner von Ronald McDonald House Charities. Asylum hat unser Skript sehr gut umgesetzt. Unser Kunde war so begeistert, dass er das Skript noch einmal für eine Schaltung im Kino produzieren wollte", so Katie Lee, Group Marketing Director von Leo Burnett in London. Man habe daraufhin zwei andere Produktionsfirmen um den Auftrag pitchen lassen. Diese sollen jedoch den Film von Asylum zuvor nicht gesehen haben. Lee: "Wir entschuldigen uns bei Asylum, sie nicht darüber informiert zu haben, dass wir andere Produktionsfirmen kontaktiert hatten." Warum die Agentur eine andere Produktionsfirma für die Kinoumsetzung gewählt hat, bleibt unklar. Mit Blac Ionica habe man bereits eine Kampagne für McDonald's umgesetzt, so Lee. jm

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Den offenen Brief im Wortlaut finden Sie auf der nächsten Seite

30th August, 2012
Graeme Light
Head of TV, Leo Burnett

Dear Graeme,

I am writing you this open letter as a director of Asylum Films, a supplier of video content to Leo Burnett in the UK. It concerns a recent piece of work we have done for your client, Ronald McDonald House Charities. I very much appreciate your time in reading this, and will keep it short.

We are a smaller production company, taking steps into larger online and TV content. With this in mind, we were approached by Leo’s to help with the job mentioned above. It was on an extremely tight turn around and small budget. Motivated by the project and working with an agency such as yourselves we pulled out all the stops producing the job and bringing in a difficult shoot, over two nights in a working NHS hospital. This is the result http://asylumfilms.co.uk/work/commercials-idents/rmhc/. We are most proud of it, and feedback from the team and the client was very positive. It was recognised how hard we had worked to turn the job around to such a standard with the constraints we had.

A few days ago a new video for RMHC was released to the press through Leo’s as a first national campaign. This is it http://bit.ly/N1kfsS. It is essentially our piece of work reshot and redone with a bigger budget. Not only the concept, but lighting, the feel and shot selection are almost identical.

At no point were we consulted on this or even told about it happening as a courtesy, and certainly not asked about our ability to create this new version. We feel hugely aggrieved by the situation. It is hard for smaller companies to make the transition into doing work with bigger agencies, but we feel we have the experience and showreel to do so. We take on these smaller and difficult jobs as a way to prove our abilities for future work and to start to build a relationship, putting in hours and getting production values that exceed what might be expected from the budget. Our agility and creative ability is our stock in trade, and to feel we, and it, has been used in this way is disappointing to say the least.

In short, our work and creative content has been copied and reused, without any consultation or recognition.

I feel that no one would wish to run an organisation that knowingly exploits young and emerging creativity, as such I am bringing this matter to your personal attention.

Yours sincerely,

Ben Falk
Director
Asylum Films Ltd

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