Kolle Rebbe zum Keks-Diebstahl: "Uns waren die Hände gebunden"

Donnerstag, 07. Februar 2013
Agenturchef Stephan Rebbe von Kolle Rebbe
Agenturchef Stephan Rebbe von Kolle Rebbe

Ende gut, alles gut im Keks-Krimi von Leibniz? Fast. Am Dienstag tauchte das entführte Unternehmens-Wahrzeichen von Bahlsen wieder auf, der als Krümelmonster verkleidete Erpresser hatte den Leibniz-Keks zurückgegeben. Doch welche Rolle spielte die für die Bahlsen-Marke verantwortliche Kreativagentur Kolle Rebbe eigentlich in diesem Fall? Was sagt Agenturchef Stephan Rebbe zu dem Vorwurf, Bahlsen hätte die Aktion kommunikativ viel besser nutzen können? HORIZONT.NET hat nachgefragt. "Grundsätzlich geht Kommunikationsagenturen bei solchen Ereignissen wie der Keks-Entführung das Herz auf", so Rebbe. So sei das auch bei ihm gewesen. "Mein erster Gedanke war: Großartig! Was für eine Steilvorlage! Besser geht es gar nicht!" Der typische Reflex eines Agenturchefs eben. Man entwickele dann automatisch Ideen, wie eine Marke das Thema kommunikativ weiterdrehen könne. Das große Problem sei in diesem Fall jedoch gewesen: Es ist ein justiziables Thema. Und das habe dem Unternehmen und Kolle Rebbe die Möglichkeit genommen, den Fall weiter zu forcieren.

Leibniz auf Facebook: "Hallo Krümelmonster, wir warten auf unseren goldenen Leibniz Keks."
Leibniz auf Facebook: "Hallo Krümelmonster, wir warten auf unseren goldenen Leibniz Keks."
Rebbe: "Uns und dem Kunden waren die Hände gebunden. Die Postings von Leibniz auf Facebook waren auf den Punkt. Mehr war aber nicht drin." Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft wertet den Fall klar als Straftat. Laut Rebbe dürfe man nicht vergessen: "Nimmt ein Unternehmen eine solche räuberische Erpressung nicht ernst, kann das Nachahmer locken." Bahlsen hat sich bislang auf Nachfrage von HORIZONT.NET nicht geäußert.

Immer noch gibt es Zweifler, die das Ganze für einen PR-Gag halten. Denn schließlich feiert die "Sesamstraße" in diesem Jahr ihr 40. Jubiläum. Und das Krümelmonster ist bekanntlich einer seiner prominentesten Bewohner. Auf Nachfrage von HORIZONT.NET bestätigte jedoch eine Polizeisprecherin, dass Bahlsen eine Anzeige wegen Diebstahl und Erpressung erstattet hat.

So berichtete die "Hannoversche Allgemeine" über Krümelgate (Screenshot: haz.de)
So berichtete die "Hannoversche Allgemeine" über Krümelgate (Screenshot: haz.de)
Auf ihrer Facebook-Seite hat die Bahlsen-Marke in der Zwischenzeit drei Postings hinterlassen. Am 30. Januar richtete sich der Gebäck-Produzent an den Entführer und versprach, er werde 52.000 Packungen Leibniz Kekse an 52 soziale Einrichtungen spenden, "wenn du uns unseren goldenen Keks wieder zurückbringst." Zwei Tage später dann erneut eine Nachricht an den Erpresser: "Hallo "Krümelmonster", wir warten auf unseren goldenen Leibniz Keks..." Dazu das nebenstehende Foto. Die Fans fanden die Reaktion gut. Rund 1500 bzw. 1000 der insgesamt knapp 320.000 Facebook-Anhänger hoben den Daumen.

Am Dienstag dann folgte eine Botschaft für die Leibniz-Fans: Man hoffe sehr, dass das gefundene Gebäckstück "wirklich unser Keks ist! Sobald wir uns selbst davon überzeugen konnten, aktuell ist der Keks bei der Spurensicherung, melden wir uns bei euch. Drückt uns die Daumen!"

Am Dienstagmorgen hatte der als Krümelmonster verkleidete Erpresser hat das entführte Leibniz-Gebäck zurückgegeben. Das gestohlene Unternehmens-Wahrzeichen hing mit einer roten Schleife umwickelt am Sachsenross-Denkmal vor der Universität Hannover. Wie die "Hannoversche Allgemeine" meldete, hat die Polizei die Echtheit des Kekses zweifelsfrei bestätigt. jm
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