Ketchum-Pleon-CEO Dirk Popp: "Ich bin kein Konsenssoßen-Typ"

Freitag, 23. September 2011
Dirk Popp
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Dirk Popp Ketchum Ketchum Pleon Deutschland


Bislang hat sich Dirk Popp, seit Juni CEO von Deutschlands größter PR-Agentur Ketchum Pleon, mit öffentlichen Aussagen in eigener Sache zurückgehalten. Jetzt hat er HORIZONT sein erstes Interview in der neuen Funktion gegeben. Dabei wehrt er sich gegen Kritik an seinem Führungsstil und Spekulationen, das nationale Management der Agentur habe nach der Fusion mit Ketchum - Beobachter sprechen von einer Übernahme von Pleon durch das US-Network - kaum noch etwas zu melden.
Herr Popp, Manch einer sagt Ihnen nach, ein knallharter Machtmensch zu sein.
Ach wissen Sie, da halte ich es mit der Devise "Viel Feind, viel Ehr." Ich bin sicher kein Konsenssoßen- Typ, sondern eher ein Macher. Ich zeige gerne klare Kante und halte das in meiner Funktion auch für wichtig. Meine Erfahrung ist, dass Kunden und Mitarbeiter es schätzen, wenn man Klartext redet. Das heißt aber nicht, dass ich nichts von einem fairen und partnerschaftlichen Umgang halte – im Gegenteil! Etwas anderes würde in einer Agentur wie Ketchum Pleon mit vielen starken Individualisten, die eigenverantwortlich agieren, auch gar nicht funktionieren.

Einige Individualisten sind aber gegangen, weil sie nach der gefühlten Übernahme durch Ketchum genau diese Freiheiten vermissen.
Natürlich kann man die ollen Kamellen ständig wiederholen, sie werden dadurch aber nicht richtiger. Ich bin jedenfalls kein Typ, der den Leuten vorschreibt, wie sie ihren Job zu machen haben. Ich versuche Freiräume zu schaffen – Freiräume für eigene Entscheidungen unserer Mitarbeiter. Ich gebe die Linie vor, mische mich aber nicht in die Arbeit der Kollegen ein.

Und das Network? Es ist zu hören, im Moment werde die Agentur auf Teufel komm raus auf Profit getrimmt – unter Einschränkung vieler Handlungsspielräume vor Ort.
Es ist doch ganz einfach: Bei uns steht Qualität schon immer an erster Stelle. Das ist in unserer DNA verankert. Was aber stimmt: Wir sind kein eingetragener Verein. Wir wollen und müssen Profit machen. Jede Agentur, die in diesem Markt nachhaltig erfolgreich sein will, muss ordentlichen Ertrag abwerfen. Wovon sollen sonst Investitionen bezahlt werden? Das war früher nicht anders, auch wenn wir heute nicht mehr die partnergeführte Agentur von vor zehn Jahren sind.

Sie haben als Deutschland-CEO von Ketchum Pleon also alle Freiheiten, die Sie brauchen? Auch die, bei Bedarf mehr Leute einzustellen oder einen Kurswechsel einzuleiten?
Die Antwort ist ganz simpel: Großer Erfolg bedeutet große Freiheiten, kleiner Erfolg kleine – egal unter welcher Gesellschafterstruktur. Ich kann mich nur darüber amüsieren, dass Leute Networks mit der Begründung verlassen, ihre Handlungsspielräume seien zu klein. Vielleicht sollte man sich mal fragen, warum das so ist. Ich fühle mich jedenfalls nicht eingeengt. mam

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 38/2011 vom 22. September
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