Kassaei teilt wieder aus: "Mit den meisten Werbern würden Sie nie freiwillig ein Bier trinken"

Freitag, 15. März 2013
DDB-Kreativchef Amir Kassaei (Foto: Gordon Welters)
DDB-Kreativchef Amir Kassaei (Foto: Gordon Welters)

Während Serviceplan-Chef Florian Haller einen Verfall der Sitten beim Umgang von Agenturen miteinander beklagt, pflegt DDB-Kreativchef Amir Kassaei sein Image als "Enfant terrible" der Branche und lästert einmal mehr über die Kollegen. "Viele, die nie etwas gerissen haben, sind in der Werbung gelandet und haben dort einigermaßen Karriere gemacht. Entsprechend gering ist die intellektuelle Substanz in den Agenturen", sagt Kassaei im Interview mit dem SZ-Magazin. Smarte Figuren wie Jean-Remy von Matt seien die Ausnahme. "Mit dem großen Rest würden Sie nie im Leben freiwillig eine halbe Stunde ein Bier trinken wollen. Da gähnt Sie ein Vakuum an", so Kassaei.

Neben Details aus seiner Biografie, unter anderem als Kindersoldat im Iran (er könne immer noch eine Kalaschnikow mit geschlossenen Augen auseinandernehmen und wieder zusammensetzen), redet Kassaei auch über den allgemeinen Zustand der Werbebranche - und bekräftigt dabei seinen Standpunkt: Industrie und Werbung müssten aufhören, nur auf quantitatives Wachstum zu setzen und Menschen Waren zu verkaufen, die sie nicht brauchen. "Man muss das Rückgrat haben, Kunden zu sagen: Produziert keine heiße Luft, sondern Produkte, die Substanz und Relevanz haben."

Dass nur wenige Frauen unter den führenden Werbern sind, erklärt der 44-Jährige so: "Agenturen sind extreme Macho-Buden mit viel Testosteron. Der andere Grund ist, dass es Frauen zu doof ist, diese ganze Reklamescheiße zu machen." Als Werber bekomme man ein "sehr, sehr aufgeblähtes Ego" und müsse eine gewisse Art von Überheblichkeit und Narzissmus an den Tag legen - auch wenn man als Mensch gar nicht so sei - erklärt Kassaei. Er selbst will in ein paar Jahren mit der Werbung aufhören und als Inhaber einer Firma ein intelligentes Produkt verkaufen. "Selber ins Risiko gehen statt nur Dienstleister sein, das wird mein Kick sein", erklärt er zum Abschluss des Interviews. mam 
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