KNSK gibt stinksauer alle ADC-Nägel zurück

Mittwoch, 14. April 1999

Eklat beim ADC: Anfang der Woche waren ADC-Juroren und ADC-Vorstand sich einig geworden, der Hamburger Agentur KNSK/BBDO die ADC-Medaillen für die prämierten SPD-Arbeiten "Schaltknüppel", "Robin Hood" und "Handfön" abzuerkennen. Doch bevor der Club KNSK-Chef Detmar Karpinski sein Votum übermitteln konnte, hat er von sich aus reagiert. Karpinski: "Da wir weder das Prozerdere noch die Entscheidung nachvollziehen können, wird KNSK/BBDO sämtliche eingereichte Arbeiten vom Wettbewerb zurückziehen." Und zwar nicht nur die betroffenen SPD-Motive, sondern auch die restlichen ADC-prämierten Arbeiten: Expo, Lucky Strike, Otelo, Gothaer Versicherung , Premiere und "Stern". Karpinkski begründet seine konsequente Haltung damit, daß "ich nicht erleben will, daß jetzt Woche für Woche der anonyme Denunziant, der uns schaden will, eine KNSK-Medaille nach der anderen auseinandernimmt". Die Mehrheitsverhältnisse im ADC scheinen in der Kupferfrage uneinheitlich gewesen zu sein. So soll es eine Pro-KNSK-Stimmung in der Plakat- und TZ-Jury gegeben haben. Zu dieser Mehrheit sollen dann aber die Stimmen des Vorstands hinzuaddiert worden sein. Und die Mehrheit kippte zu Lasten von KNSK/BBDO. Was der ADC freilich offiziell nicht bestätigt. "Das ist das erste Mal, daß jemand seine ganzen Arbeiten vom ADC-Wettbewerb zurückzieht", sagt ADC-Geschäftsführerin Elly Koszytorz. Insofern wisse sie momentan auch nicht, wie der ADC damit umgehen solle. In den nächsten Tagen und Wochen wird nun der ADC-Vorstand jedenfalls darüber reden müssen, ob nun nur die SPD-Exponate nicht im ADC-Buch erscheinen. Oder ob gar keine KNSK-Arbeit im Buch zu sehen sein wird. Die ADC-Teilnahmebedingungen sagen dazu folgendes: "Alle ausgezeichneten Arbeiten werden im Buch gezeigt." Ausnahme: Duplikate. Daß KNSK nicht nur die umstrittenen SPD-Arbeiten zurückzieht, findet Springer & Jacoby-Geschäftsführer André Kemper "schon eine harte Nummer. Wenn mir bei der Formel 1 ein Sieg aberkannt wird, gilt das für das eine Rennen. Aber wenn ich dann die ganze Saison nicht mehr mitfahre, gelte ich schnell und leicht als Spielverderber. Der Schritt ist overdone." Einer Wertung enthalten will sich ADC-Vorstand Sebastian Turner, Scholz & Friends. Er war es, der Karpinksi nach der montäglichen Berliner ADC-Sektionssitzung angerufen hat. In dem Telefonat hat er Karpinski den Vorschlag unterbreitet, doch die SPD-Arbeiten zurückzuziehen, um so möglich elegant und ohne allzu dicke Blessuren die Arena verlassen zu können. Turner: "Seine Aktion ist, Kompliment, in der Werbung einzigartig. Ein Vorbild gibt es nur in der Politik: Oskar Lafontaine."
Online-Debatte zum Nägel-Streit im Forum von HORIZONT.NET.
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