Jurychef von Matt: "Outdoor wird von Medienrevolution profitieren"

Donnerstag, 14. Juni 2007
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15 Jahre nach seiner letzten Jurytätigkeit in Cannes kehrt JvM-Kreativchef Jean-Remy von Matt als Jury-Präsident des Outdoor-Wettbewerbs zum International Advertising Festival zurück. Mit HORIZONT sprach er über seine Beweggründe und Erwartungen an den Wettbewerb. Nach Ihrer Cannes-Jury-Teilnahme 1992 beklagten Sie die ungenügende Jury-Sorgfalt und den Mauschelfaktor innerhalb des Gremiums. Glaubt man Ihren Kollegen, hat sich in den vergangenen Jahren nicht allzu viel geändert. Warum tun Sie sich das Prozedere noch mal an?

Jean-Remy von Matt: 1992 ist lange her. Was ich da warum gesagt habe, weiß ich nicht mehr. Insgesamt habe ich die Jurierung aber sehr positiv in Erinnerung. Und wenn damals wirklich gemauschelt wurde, werde ich als Jurypräsident sicher mehr Einfluss haben, darauf einzuwirken.

Was wollen Sie in Ihrer Jury tun, damit Sie Ihre damalige Kritik vergessen können?

von Matt: Ich möchte das tun, was ich immer versuche: ein sachorientierter Teamchef sein, den persönliche Befindlichkeiten null interessieren.

Sie haben sich zuletzt - mit wenigen Ausnahmen - sehr rar gemacht in Jurys.

von Matt: Ich finde, dass die meisten Jurys überaltert sind, da sie immer aus denselben verdienten Altkreativen zusammengesetzt sind. Das Problem kann man nur lösen, indem man sich eben nicht zur Verfügung stellt und damit hoffentlich einem Jüngeren Platz macht.

Und weshalb haben Sie bei Cannes zugesagt?Hat es Ihre Entscheidung beeinflusst, dass Sie eine Jury leiten sollen?

von Matt: Es war entscheidend: In Cannes als Jurypräsident berufen zu werden, gehört zu den Angeboten, die man nicht ablehnen kann.

Hätten Sie für jede Kategorie zugesagt oder hat Outdoor Sie besonders interessiert?

von Matt: Ich freue mich besonders über Outdoor, finde aber jede Kategorie interessant. Nur Funk wäre nicht infrage gekommen, weil ich einfach nicht gut genug Englisch kann, um bei Hunderten von Funkspots jede Feinheit mitzukriegen.

Was reizt Sie an der Outdoor-Kategorie?

von Matt: Es ist das Medium, das noch am meisten ungenutztes Potenzial in technischer Hinsicht hat. Bei Print geht nichts mehr, bei Outdoor geht noch viel. Deshalb wird Outdoor auch als einziges klassisches Medium gestärkt aus der Medienrevolution hervorgehen.

Bis einschließlich 2005 wurde Outdoor in Cannes zusammen mit Print juriert. Was halten Sie von der Trennung der Bereiche?

von Matt: Das finde ich sehr sinnvoll, weil man Outdoor anders bewerten muss als Print. Eine gute Anzeige ist noch lange kein gutes Plakat und umgekehrt. Diese wichtige Differenzierung geht aber bei einer gemeinsamen Bewertung verloren.

Bei Outdoor tut sich einiges, man denke nur an die Adidas-Inszenierungen "Oliver Kahn" und "Deckenfresko". Welche Chancen räumen Sie diesen Arbeiten ein?

von Matt: Das sind zweifelsfrei die Top-Favoriten aus deutscher Sicht. Auch wenn die Oliver-Kahn-Idee den Schönheitsfehler hat, dass da sozusagen ein Ersatztorwart über die Autobahn flog.

Können traditionelle Plakate neben solchen Arbeiten überhaupt noch bestehen?

von Matt: Durch die praktisch unbegrenzten Möglichkeiten von Outdoor-Werbung ist ein starker Wettbewerb entstanden, der sich positiv auf die Kreativität in diesem Medium auswirkt. Ganz normale Plakate haben es da sicher schwerer denn je.

Wie muss beeindruckende Outdoor-Werbung aussehen? Und was langweilt Sie?

von Matt: Was ich komplett ablehne, sind Plakate, die nicht plakativ sind. Gerade hängt in Hamburg die neue Haspa-Kampagne, deren Absender man nur erkennt, wenn man bis auf wenige Meter herangeht. Wenn ich die Haspa wäre, würde ich die Agentur zumindest die Druckkosten bezahlen lassen. mam

Das vollständige Interview lesen Sie im Cannes-Special, das der HORIZONT-Ausgabe 24/2007 vom 14. Juni 2007 beiliegt.

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