Jung von Matt verzichtet auf Kreativwettbewerbe - zumindest teilweise

Montag, 24. September 2012
Jean-Remy von Matt
Jean-Remy von Matt

Jahrelang war Jung von Matt einer der eifrigsten Teilnehmer an Kreativwettbewerben. Platz 1 im Ranking zu halten, war der Agentur viele Extra-Runden, Goldideen und nicht zuletzt jede Menge Geld wert. Jetzt leitet Co-Gründer Jean-Remy von Matt einen Kurswechsel ein, zumindest teilweise. Im "Spiegel" kündigt er an, künftig nur noch alle zwei Jahre an Awardshows teilzunehmen. "In Zukunft werden wir uns nur noch in jedem geraden Jahr an Kreativfestivals beteiligen", sagt von Matt. Das eingesparte Geld will er in Nachwuchsarbeit und Weiterbildung investieren. Man wolle "die Ersparnisse in eine Stiftung einbringen, die uns eine Akademie für innovative Kommunikation ermöglicht", so der 59-Jährige weiter. Die Förderung soll kostenlos sein. "Wir wollen die mit dem größten Talent ausbilden, nicht die mit den reichsten Eltern", so von Matt im "Spiegel". Mit der Akademie will von Matt nicht zuletzt die Mitarbeiterbindung erhöhen. Es gehe darum "nicht nur jedes Jahr Top-Leute zu holen, sondern auch Talente in den eigenen Reihen zu fördern". Das Angebot richtet sich an rund 20 Einsteiger, die man selbst ausbilden will und an alle vorhandenen Kreativen, die regelmäßig Kurse belegen können.

Womöglich will man mit dem Schritt auch die Attraktivität des eigenen Angebots für Mitarbeiter weiter erhöhen, um zu verhindern, dass sie zur Konkurrenz abwandern. Offiziell wird die Maßnahme damit begründet, dass sich entscheidende Parameter verändert haben: So habe die Branche zum einen ein dramatisches Nachwuchsproblem, zum anderen sei die Innovationsfrequenz inzwischen so hoch, dass man nur durch permanente Schulung Schritt halten könne.

Jung von Matt ist nicht die erste Agentur, die sich teilweise von Kreativwettbewerben zurückzieht, um in die Ausbildung ihrer Leute zu investieren. 2010 hatte Kemper Trautmann (heute: Thjnk) ausgesetzt, um sich fit im Digitalbereich zu machen. Inzwischen ist die Agentur wieder dabei. Zuletzt hatte Mutabor eine Award-Pause angekündgt. Inwieweit die jetzige Ankündigung von Jung von Matt Signalwirkung auch für andere Agenturen hat, bleibt abzuwarten. Viele von ihnen beschweren sich seit Jahren über die Auswüchse - nicht zuletzt das finanzielle Investment - bei Awardshows, machen bislang aber weiter mit.

In den Jahren, in denen Jung von Matt nicht an Kreativwettbewerben teilnimmt, will man übrigens einen internen Award ausschreiben, "der Zeichen setzt", teilt die Agentur mit. mam
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