Jung von Matt verschiebt BamS-Mandat nach Berlin / Interview mit Geschäftsführer Till Eckel

Freitag, 31. Mai 2013
Till Eckel (Foto: JvM)
Till Eckel (Foto: JvM)

Die Agenturgruppe Jung von Matt (JvM) organisiert die Betreuung von "Bild am Sonntag" neu. Der Axel-Springer-Titel wird künftig von der Berliner Niederlassung JvM/Spree betreut. Zuvor waren die Kollegen von JvM/Alster für den Kunden verantwortlich. Das Mandat für "Bild" bleibt bei dem Ableger JvM/365 in Hamburg. In Berlin arbeitet das Team um Kreativchef Till Eckel derzeit auf Hochtouren an der neuen "BamS"-Kampagne. Was Eckel außerdem umtreibt, erzählt er im Exklusivinterview mit HORIZONT im Rahmen der Serie "Next Generation".

Jung von Matt/Spree gehört zu den eher ruhigen Satelliten der Agenturgruppe. Woher rührt diese Zurückhaltung? Also ich fand meine ersten eineinhalb Jahre hier nicht ruhig. Aber nach außen stimmt es vielleicht. Zunächst galt es interne Baustellen anzugehen. Daniel Adolph, Ilan Schäfer und ich arbeiten ja erst seit etwas mehr als zwölf Monaten zusammen. Was nützt es uns, wenn wir mit schnell gemachten Goldideen zu gefeierten Helden werden und hinter uns die Kunden wegbrechen? Wir wollten erst mal, dass die Mannschaft weiß, was wir wollen und was nicht.

Und was wollen Sie nicht? Goldideen zum Beispiel.

Die sind ja dieses Jahr ohnehin kein Thema für Jung von Matt. Für mich sind sie grundsätzlich kein Thema. Auch 2014 nicht, wenn sich die Gruppe wieder an Kreativshows beteiligt.

Diese Ansage verwundert. Schließlich hat JvM/Spree in der Vergangenheit mit Arbeiten für Kunden wie 13th Street oder Maxim Gorki Theater ordentlich zum Punktekonto der Agentur beigetragen. Davon abgesehen beherrscht JvM das Spiel mit den Goldideen so virtuos wie kaum eine andere Agentur. Sie hat das System ja quasi miterfunden. Glaube ich nicht, dass wir das erfunden haben. Aber egal, ich darf trotzdem eine eigene Meinung haben. Wir tun uns als Branche keinen Gefallen, wenn wir Goldideen machen. Ich bin Überzeugungstäter im Tagesgeschäft und glaube daran, dass wir gut daran tun, das ernst zu nehmen. Universal ist übrigens ein zahlender Kunde. Und Social-Sachen tun mal ganz gut, ob man sie einschickt oder nicht. Am schlimmsten sind Award-Ideen, wenn das sichtbare Tagesgeschäft Mist ist.

Awards sind demnach für Sie kein Qualitätssiegel? Doch, klar. Ich freue mich über jede Auszeichnung für eine echte Kampagne – mehr als über Gold für Fakes. Wir wollen unsere Kunden dahin treiben, dass wir gemeinsam sinnvolle und richtige Kampagnen machen, die so besonders sind, dass sie wirken und nebenbei bei Wettbewerben glänzen.

Das will ja jeder. Es gelingt nur den wenigsten. Die meisten, die das wollen, gehen doch irgendwann den leichten Weg der Goldidee. Die würde ich als Kunde dann auch nicht ernst nehmen. Ich freue mich, wenn unsere Kampagnen richtig sind und überdurchschnittlich im Werbeblock. Wir sind hoffentlich auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel.
Interview: Bärbel Unckrich

Das vollständige Gespräch lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 22/2013 vom 31. Mai 
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