Jean-Remy von Matt: "Ich möchte von Goldideen-Debatten verschont bleiben"

Montag, 13. Mai 2013
ADC-Jurychairman und Agenturchef Jean-Remy von Matt (Foto: Agentur)
ADC-Jurychairman und Agenturchef Jean-Remy von Matt (Foto: Agentur)


Heute Abend hat Jean-Remy von Matt seinen ersten großen Auftritt als ADC-Jurychairman. Um 19.30 Uhr wird er Deutschlands wichtigsten Kreativwettbewerb bei einem exklusiven Empfang im Axel-Springer-Haus eröffnen. In HORIZONT.NET verrät er, worum er seine 338 Jury-Mitstreiter bitten will und wie er es persönlich empfindet, dass seine Agentur beim Rennen um die begehrten Nägel in Gold, Silber und Bronze nun tatsächlich nicht dabei ist.
Es ist soweit: Der ADC hat seinen Zelte in Hamburg aufgeschlagen. Morgen treffen sich 338 Top-Kreative, um unter Ihrer Führung über die kreativsten Arbeiten Deutschlands zu entscheiden. Welche Botschaft werden Sie den Juroren mit auf den Weg geben?
Ich möchte dran erinnern, dass wir als Juroren genau das machen, was wir in unserem kreativen Alltag oft verabscheuen - nämlich Mafo. Eine Jurierung ist letztlich nichts anderes. Umso wichtiger ist, dass wir dem Phänomen, dass Probanden das Vertraute dem Neuen immer vorziehen, nicht selbst erliegen.

Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgabe als ADC-Jurychairman vorbereitet?
Ich habe mir die ganzen Regeln genau durchgelesen und meinen Terminkalender für die ADC-Woche freigeschaufelt.

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf die vielen, neuen Arbeiten, die man weniger denn je vorher kennt, weil Kommunikation heute viel kleinteiliger und individueller ist. Und auf die allgemeine Spannung, denn nichts fasziniert Menschen mehr als ein Wettkampf.

Ein Wettkampf, an dem Ihre Agentur leider nicht teilnehmen wird. Eigentlich undenkbar. Wie fühlt es sich für Sie persönlich an, dass Ihr Team diesmal nicht mitspielen wird?
In der Tat waren wir 20 Jahre lang beim ADC immer erster oder zweiter und jetzt halt mal gar nichts. Für mich als Chairman fühlt sich das aber gut an, da ich die Jurierung völlig unbefangen leiten kann.

Ihr Aussetzen und die damit verbundene Award-Diskussion im vergangenen Jahr ist nicht zuletzt der Grund dafür, dass der ADC herbe Einsendeverluste hinnehmen musste. Tut es Ihnen leid, dass Sie dafür mitverantwortlich sind?
Natürlich tut uns das leid. Aber um den Verlust etwas aufzufangen, haben wir dem ADC einem Förderbeitrag in beträchtlichem Umfang zugesagt.

Glauben Sie, es schadet dem Image des ADC, dass wichtige Player wie Jung von Matt, Scholz & Friends und Thjnk dieses Jahr nicht an dem Wettbewerb teilnehmen?
Nein. Im Gegenteil, es belebt die Szene, weil so auch mal andere Agenturen in die Top-Ten kommen. Der einzige Schaden ist der Ausfall an Einsendegebühren.

Viele Agenturen haben angekündigt, Ihre Investitionen in Award Shows gründlich zu überdenken. Die Bilanz der großen internationalen Wettbewerbe in New York zeigt: Es wurde zwar tatsächlich weniger aus Deutschland eingereicht, bei den Gewinnern handelt es sich jedoch nach wie vor primär um Goldideen. Wie stehen Sie zu dem Thema?
Meine Meinung ist da unverändert: Wenn jemand mit einer proaktiven Idee, die sowohl brillant als auch relevant ist, einen Award gewinnt, ist dagegen nichts zu sagen. Wenn das aber den Löwenanteil seiner Auszeichnungen ausmacht, wird es peinlich.

Wie werden Sie als ADC-Präsident mit dem Thema Goldideen umgehen?
Alle Einreichungen werden vor der Jurierung vom ADC Büro auf ihre Teilnahmeberechtigung überprüft. Insofern hoffe ich, von solchen Debatten verschont zu bleiben, zumal es hier eine sehr breite Grauzone gibt.

Welche Art von Arbeiten wünschen Sie sich dieses Jahr auf dem ADC-Siegertreppchen? Solche, die der ganzen Industrie Mut machen, wieder verstärkt in Kreativität zu investieren, weil ihr Wirkungsgrad ganz offensichtlich ist.
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