Ideenklau: Equipe in Space verliert Prozess um DHL-Kampagne / "Freibrief zur Ausnutzung der Agenturen"

Freitag, 11. Dezember 2009
Stein des Anstoßes: DHL-Motiv
Stein des Anstoßes: DHL-Motiv

Wann ist eine Idee schützenswert und wann nicht? Equipe in Space hat auf diese Frage nun eine Antwort erhalten: Im Prozess um die DHL-Kampagne "DHL im All" von 2008 hat das Oberlandesgericht Köln das Konzept von Equipe für urheberrechtlich nicht geschützt erklärt. Die Kreativen hatten den Postdienstleister verklagt, ihr bereits 2004 präsentiertes Konzept übernommen und ohne Wissen und Zustimmung der Agentur umgesetzt zu haben. Dazu heißt es im Urteil:"Urheberrechtliche Ansprüche kommen nur in Betracht, soweit die konkrete Werbegestaltungen in Rede stehen, bei denen die schöpferische Idee in die Formgebung eingegangen ist." Da die Kampagne nie zur Umsetzung kam und die Post die vorgestellten Kampagnenelemente in abgewandelter Form für die eigne Kreation übernommen hat, könne Equipe keinen Anspruch auf Urheberrecht erheben. Das Gericht betont zudem, dass "Motive und Themen, Ideen und Konzepte im Interesse der Allgemeinheit für sich genommen frei bleiben und nicht für einen bestimmten Werbetreibenden monopolisierbar sind".

"Das ist ein Freibrief zur Ausnutzung der Agenturen", äußerte sich Rolf Lorenz von Roth & Lorenz nun zum Gerichtsurteil in einer an den GWA gerichteten E-Mail, die HORIZONT.NET vorliegt. Das lasse die Agenturszene erschaudern. Gegenteiliger Meinung ist GWA-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer von Schmittgall Bernd Schmittgall: "Ich bin heilfroh über das Urteil." Wäre der von Eqiupe vorgeschlagene Slogan "DHL goes space" schützenswert, dann "wäre ja jede Headline schon längst von irgendeiner Person oder einem Verlag blockiert." Was den Schutz von Kommunikations-Konzepten generell angeht, lenkt Schmittgall aber ein. Eine Idee vor der Realisierung müsse bereits Schutzrechte haben - zumindest "die nachweislich einzigartigen".

GWA-Geschäftsführer Ralf Nöcker betont, dass Schmittgall sich nicht in seiner Funktion als Vorstandsmitglied des Verbands, sondern als Agenturchef geäußert hat. Der GWA selbst sei gerade dabei, sich eine Meinung zu bilden. Justiziar Eberhard Kolonko prüfe derzeit die Unterlagen. Sollte diese Prüfung ergeben, dass ein Engagement in diesem Fall sinnvoll sei, werde der Verband entsprechend aktiv, so Nöcker.

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