Havas-Manager Geyr: "Wir wollen die Agenturgröße verdoppeln"

Donnerstag, 27. September 2012
Andreas Geyr, CEO Havas Worldwide Germany
Andreas Geyr, CEO Havas Worldwide Germany

Aus Euro RSCG wird Havas Worldwide. Das hat die französische Werbeholding Anfang der Woche offiziell bekanntgegeben. Auch in Deutschland wird der Markenwechsel umgesetzt - und zugleich von einer Fusion der beiden bislang selbstständig auftretenden Agenturen Euro RSCG Düsseldorf und Euro RSCG 4D begleitet. Gruppenchef Andreas Geyr erklärt im Interview, wie er zu der Umfirmierung steht und welche Pläne er mit der Agentur hat. Glauben Sie an Europa?
Absolut und uneingeschränkt. Ich bin ein europäisches Kind, habe in England und Frankreich studiert und in Paris gearbeitet. Wer mehr liest als die "Gala", weiß, dass ein Zurückdrehen des europäischen Rads ein gigantischer Rückschritt wäre.

Warum schaffen Sie dann das Bekenntnis zu Europa im Agenturnamen ab?
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wenn wir nur in Europa tätig wären, könnte man sich das vielleicht fragen. Aber unsere Gruppe agiert weltweit, die USA sind unser zweitgrößter Markt. Dieser Tatsache wollen wir auch mit unserem Namen Rechnung tragen.

Sie arbeiten seit fast acht Jahren daran, Euro RSCG besser und bekannter zu machen – durchaus mit Erfolg. Zögert man da nicht, die Marke über Bord zu werfen?
Ein bisschen Herzschmerz ist schon dabei. Aber insgesamt überwiegen die Vorteile. Der Name Havas ist globaler, einfacher zu merken, besser zu gliedern. Wir haben jetzt weltweit eine klare Struktur und keine Insalata Mista wie früher. Das Wichtigste bleibt ohnehin erhalten: Spirit und Kultur der Agentur.

Aber ist Havas hierzulande nicht viel zu unbekannt?
Vielleicht als Werbeagentur, aber der Holdingname ist aufgrund der Historie und Größe des Unternehmens in der Corporate-Welt deutlich präsenter. Euro RSCG war nicht jedem sofort ein Begriff. Hat uns das geschadet? Nein. Wir haben in den letzten Jahren eine schöne Erfolgsgeschichte geschrieben.

Zahlen dürfen oder wollen Sie ja keine nennen. Aber wo würden Sie Euro RSCG, sorry, Havas Worldwide Germany, denn inzwischen einsortieren?
Marktbedeutung nur über Größe zu definieren, habe ich noch nie für richtig gehalten. Ich bin lieber verantwortlich für einen dynamisch wachsenden Angreifer als für ein sehr großes, aber schrumpfendes Unternehmen. Was Relevanz, Attraktivität und sichtbare Kampagnen angeht, müssen wir uns vor keiner Agentur in Deutschland verstecken. Schon gar nicht, was das Neugeschäft angeht, wo wir bei den Networks unter den Top 3 sind.

Müsste die Agentur nicht trotzdem noch mehr Fleisch auf die Rippen bekommen – vielleicht auch durch Zukäufe?
Klar ist: Wir wollen wachsen, und zwar deutlich. Unser Ziel ist, die Agenturgröße in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Dabei setzen wir auf eine Mischung aus organischem Wachstum und Zukäufen. Havas hat rund eine Milliarde US-Dollar für Zukäufe in der Kriegskasse.

Wird von dieser Summe auch etwas in Deutschland investiert?
Definitiv! Wir führen gerade Gespräche im Digitalbereich, aber ohne Zeitdruck. Das ist ja das Wunderbare an unserem Modell mit einem starken Investor und Mehrheitsgesellschafter wie Vincent Bolloré: Wir können selbstbestimmt entscheiden. Im Grunde sind wir die größte inhabergeführte Agentur der Welt – obwohl wir börsennotiert sind und eine Netzwerkstruktur haben.

Spielt der Standort Berlin bei Ihren Zukaufüberlegungen eine Rolle? Hier ist Havas nicht vertreten. Ich bin heilfroh, dass ich nicht in die Falle getappt bin und vorschnell "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" gerufen habe. Es reicht nicht, dort ein tolles Team hinzusetzen und zu hoffen, der Rest läuft von allein. Für uns ist Berlin nur dann ein Thema, wenn es aus einer inhaltlichen Logik kommt.
Interview: Mehrdad Amirkhizi
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