Haribo verklagt Mediaplus auf Offenlegung der Rabatte

Mittwoch, 03. März 2010
Haribo zieht gegen Mediaplus vor Gericht
Haribo zieht gegen Mediaplus vor Gericht

Am Münchner Landgericht ist ein weiteres Verfahren aus der Mediabranche anhängig. Wie ein Gerichtssprecher gegenüber HORIZONT.NET bestätigt, hat der Süßwarenhersteller Haribo seine frühere Mediaagentur Mediaplus verklagt. Der Bonner Haribo-Konzern fordert von der Münchner Serviceplan-Tochter die Offenlegung aller Rabatte, die sie im Rahmen der Tätigkeit für den Kunden erzielt hat. Es handelt sich um eine Staffelklage, in der es zunächst um die Auskunftspflicht der Mediaagentur gegenüber dem Kunden geht, der daraufhin die ihm entstandene Schadenssumme berechnen will. Das Prozedere ist vergleichbar mit dem Verfahren, das Danone seit längerem gegen Carat und dessen Mutterkonzern Aegis Media vor dem Münchner Landgericht anstrengt. Hier hatte das Landgericht die Offenlegung der Unterlagen bereits verfügt, wogegen Aegis allerdings Berufung vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) einlegte. Am 23. Dezember vorigen Jahres entschied das OLG, dass Aegis beziehungsweise Carat alle kundenbezogenen Unterlagen offenlegen muss.

Peter Haller: Eineinhalb Jahre später und wohl auch im Zuge der anhaltenden Marktdiskussion um Transparenz im Mediageschäft, will Haribo anscheinend jetzt wissen, ob das Unternehmen alle Rabatte bekommen hat, die ihm zustanden. “
Das Verfahren von Haribo wird zwar vor einer anderen Kammer am Münchner Landgericht verhandelt, aber möglicherweise wird die OLG-Entscheidung im Fall Danone dabei trotzdem eine Rolle spielen. Am 20. April werden sich die Vertreter von Haribo und Mediaplus zum ersten Mal in dem Zivilverfahren vor der 13. Handelskammer am Landgericht München treffen.

Mediaplus-Gründer Peter Haller betreute Haribo persönlich
Mediaplus-Gründer Peter Haller betreute Haribo persönlich
Mediaplus war von 2003 bis Herbst 2008 für die Planung und den Einkauf des Haribo-Etats verantwortlich. Der Kunde wurde von dem Agenturgründer Peter Haller persönlich betreut. Er betont, dass "die Zusammenarbeit mit Haribo damals völlig konfliktfrei beendet wurde". Außerdem merkt Haller an, dass es immer eine gute Zusammenarbeit gewesen sei, die die besten Ergebnisse für Haribo erbracht habe. Solange Haribo Kunde von Mediaplus war, hätte es auf Hallers Empfehlung hin zwei Media-Audits gegeben, die von der Hamburger Audit-Firma Fairbrother Lenz Eley durchgeführt wurden. Einmal hätten die Media-Kontrolleure die Agentur "sogar mit der Bestnote Triple A für Planung und Konditionen bewertet", erklärt Haller.

Insofern wundert es den Agenturmanager, dass Haribo nun Klage gegen sein Haus erhebt: "Eineinhalb Jahre später und wohl auch im Zuge der anhaltenden Marktdiskussion um Transparenz im Mediageschäft, will Haribo anscheinend jetzt wissen, ob das Unternehmen alle Rabatte bekommen hat, die ihm zustanden". Haller wehrt sich nicht dagegen, dass Haribo Einsicht in die Bücher der Agentur erhält. Im Gegenteil, das hätte er seinem ehemaligen Kunden bereits im Vorwege des Rechtsstreits vorgeschlagen. Dieses Angebot stehe nach wie vor. Heute wird der Bonner Süßwarenkonzern von der Group-M-Agentur Mindshare betreut. ejej
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