Hamburg ist der beliebteste Agenturstandort

Donnerstag, 15. März 2012
Hier lässt´s sich gut arbeiten: Die Niederlassung von Serviceplan Hamburg
Hier lässt´s sich gut arbeiten: Die Niederlassung von Serviceplan Hamburg

Für Agenturen ist und bleibt Hamburg der attraktivste Standort. Auf Platz 2 der Beliebtheitsskala liegt Berlin. Das Schlusslicht bildet Frankfurt am Main. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Professor Andreas Baetzgen und Tina Mons von der Hochschule der Medien in Stuttgart, in der die Standortstrategien von Werbe- und Kommunikationsagenturen untersucht wurden.
So haben die Städte abgeschnitten (Quelle: Hochschule der Medien)
So haben die Städte abgeschnitten (Quelle: Hochschule der Medien)
Befragt wurden die Chefs aller GWA-Agenturen sowie - soweit nicht im Verband organisiert - die Geschäftsführer der 50 größten Inhaberagenturen. Der Rücklauf lag bei rund einem Drittel. Rund 80 Prozent der Befragten halten den Standort für einen wichtigen oder sehr wichtigen Erfolgsfaktor. Wichtigste Kriterien seien das Angebot an qualifizierten Fach- und Nachwuchskräften, das kreative Umfeld sowie die Verkehrsinfrastruktur.

Ein weiteres Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten sieht keinen Vorteil darin, mehrere Standorte in Deutschland zu haben. Dennoch denkt fast die Hälfte über die Eröffnung eines weiteren Büros nach. Als wichtigste Gründe dafür gelten die Gewinnung von Neukunden und ein besseres Personalangebot. Auch die unternehmerische Perspektive für bestehende oder neue Mitarbeiter spielt eine Rolle. mam

Über die Ergebnisse der Studie hat HORIZONT.NET mit Initiator Baetzgen gesprochen.

Studieninitiator Andreas Baetzgen
Studieninitiator Andreas Baetzgen

Wie beurteilen Sie die Ergebnisse Ihrer Untersuchung?
Andreas Baetzgen: In vermutlich keinem Land der Welt ist die Entscheidung für einen Agenturstandort so schwierig wie in Deutschland: Wir haben viele starke Wirtschaftszentren. Zudem ist die Umzugsbereitschaft der Deutschen im internationalen Vergleich eher gering. Der Standort ist damit hierzulande ein ganz entscheidender Erfolgsfaktor für Agenturen.

Welche Aussagen haben Sie überrascht?
In den letzten Jahren haben viele Agenturen in immer mehr deutschen Städten Büros eröffnet. Die Mehrheit der befragten Agenturchefs sieht darin aber nicht unbedingt einen Vorteil. Dieser Widerspruch hat uns überrascht, lässt sich aber erklären: Agenturen werden häufig zur Dezentralisierung gedrängt, weil Neukunden dies einfordern oder Mitarbeiter aufsteigen wollen.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus der Studie?
Früher saßen Agenturen in Laufnähe zum Kunden. Heute müssen sie dort sein, wo kreative Menschen leben. Hamburg und Berlin werden deshalb noch stärker den Agenturmarkt in Deutschland dominieren. Frankfurt und Düsseldorf fallen in die zweite Reihe zurück. Das hat schon unsere Nachwuchsstudie unter Studierenden gezeigt, die wir 2011 zusammen mit dem GWA durchgeführt haben. Auch hier waren Hamburg und Berlin in der Beliebtheitsskala weit vorne.

Haben Sie einen Rat für Agenturen in Sachen Standortpolitik?
Man kann auch aus Koblenz und Wiesbaden heraus kreative Maßstäbe setzen, aber gerade in kleineren Städten müssen Agenturen über neue Organisationsformen nachdenken, die ein virtuelles Arbeiten von überall ermöglichen. Wir brauchen insgesamt mehr Flexibilität und weniger Präsenzkultur.
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