Großes Tamtam: Sirup überzeugt mit virtuellem "Eyjafjallajökull"-Stück für das Münchner Residenztheater

Freitag, 28. Oktober 2011
Die Online-Adaption besteht aus über 200 verschiedene Kacheln, die wie ein Mosaik angelegt sind
Die Online-Adaption besteht aus über 200 verschiedene Kacheln, die wie ein Mosaik angelegt sind


Anfang Oktober präsentierte der neue Intendant des Münchner Residenztheaters Martin Kušej sein gesamtes Ensemble in dem experimentellen Theaterstück „Eyjafjallajökull-Tam-Tam“. Die Tragikomödie rund um den Ausbruch des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen schaffte es leider nicht, das Herz der Kritiker zu erobern. Zumindest gilt das für die Bühnenversion. Ganz anders sieht es mit der Online-Adaption des von Helmut Krausser verfassten Stückes aus.
Per Mausklick gelangt man zu einzelnen Szenen des Stücks
Per Mausklick gelangt man zu einzelnen Szenen des Stücks
Die Berliner Digitalagentur Sirup und Regisseur Robert Lehniger haben unter Residenztheater.de/tamtam ein wahrhaft ungewöhnliches Web-Ereignis geschaffen. Sie schlagen eine Brücke zwischen Theater, Film und Internet und bieten kulturinteressierten Nutzern große Schauspielkunst. Mehr als 200 verschiedene Kacheln, die wie ein Mosaik angelegt sind, bieten Einblicke in einzelne Szenen. Per Mausklick gelangt man auf Kurzfilme, die von den Beziehungen zwischen Reisenden erzählen, die an einem Flughafen festsitzen.

Das Springen zwischen den einzelnen Szenen ist gewollt, der Perspektivwechsel Teil des Konzepts. So ordnen sich die Kacheln bei jedem Hochladen der Website neu an. Wer in den vollen Genuss des Werkes kommen will, kann sich den mehr als dreistündigen Film auch in HD-Qualität ansehen.

Bekannte Fernsehschauspieler wie Eva Mattes, August Zirner, Sophie von Kessel und Tobias Moretti sind Teil dieses ungewöhnlichen Projektes, dessen Anliegen es ist, neue Zielgruppen für das Theater zu begeistern. Angesichts der wirklich ungewöhnlichen multimedialen Inszenierung tritt womöglich der umgekehrte Effekt ein: Intellektuelle Theaterfreunde entdecken ihre Liebe zu den neuen Medien. bu

Die Arbeit hat in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 43/2011 Gold beim HORIZONT-Hammer des Monats erhalten. Zum Facebook-Auftritt von "Hammer des Monats"
Meist gelesen
stats