Grand Prix für Nordpol / Horst Schlämmer ist der große ADC-Abräumer

Sonntag, 13. April 2008
Nordpol räumt ab
Nordpol räumt ab

Die Idee des Jahres kommt aus Hamburg. Die Werbeagentur Nordpol wurde vom Art Directors Club mit dessen höchster Auszeichnung bedacht. Das filmische Portrait über den Wind für den Kunden Epuron war der Jury nicht nur zwei Mal Gold, sondern auch den Grand Prix wert. Die Bekanntgabe der in geheimer Wahl ermittelten und bis zum Schluss versiegelten Ehrung war der Höhepunkt der ADC-Preisverleihung, zu der der ADC am Samstagabend geladen hatte. Auch, wer in diesem Jahr die anderen goldenen und silbernen ADC-Nägel mit nach Hause nehmen durfte, sollte bis zuletzt ein Geheimnis bleiben. Eines sickerte jedoch bereits am Freitagabend durch: Die VW-Kampagne mit Horst Schlämmer von DDB war mit 13 Trophäen (darunter sieben Mal Gold) der große Abräumer des Kreativwettbewerbs.  Soviel Edelmetall auf einmal dürfte zuvor noch nie an eine einzige Kampagne verteilt worden sein.

Auch das Team von beef, dem Kreativmagazin von HORIZONT und dem Art Directors Club kann sich freuen: Silber gab es in der Kategorie Typographie. Den Preis teilen sich HORIZONT, der ADC und die Hamburger Designschmiede Mutabor, die an der Layoutentwicklung von beef beteiligt war.

Weiterer Goldmedaillengewinner ist unter anderem Jung von Matt mit den Kampagnen „Symphonie in red“ für das Konzerthaus Dortmund und „Bäume zeichnen“ für FSC – Forest Stewardship Council. Mit drei goldenen, elf silbernen und 22 bronzenen Nägeln ist Jung von Matt auch die erfolgreichste Agentur des Wettbewerbs.

Horst-Schlämmer-Festival

Zwei Namen fielen auf der ADC-Gala am Samstag besonders häufig: Horst Schlämmer und Jochen Sengpiehl. Der eine ist ein begnadeter Komiker. Der andere ist Marketingchef von VW, Deutschlands kreativstem Kunden. Sieben Goldnägel erhielt die  beste integrierte Kampagne, die bislang in diesem Land ausgedacht und realisiert wurde (auch den DDP dominierte Schlämmer am Tag zuvor). Der Grand Prix wäre also die Krönung eines unterhaltsamen Wochenendes gewesen, das zum Schluß ganz im Zeichen von Schlämmer, Sengpiehl und VW  gestanden hatte. Logisch wäre es auch gewesen - aber was haben ADC-Jurys schon mit Logik zu tun? Von daher war es zumindest konsequent, dass der Wind-Film von Nordpol - im vergangenen Jahr in Cannes noch knapp am Grand Prix gescheitert - den ADC-Grand-Prix  erhielt: So wie Nordpol hat hierzulande noch keine Agentur ein Produkt und eine Botschaft mittels Film kommuniziert.
Und - Achtung, hier folgt der Werbeblock in HORIZONT.NET, ausnahmsweise im redaktionellen Teil: beef, das gemeinsame Magazin von ADC und HORIZONT, erhielt einen Silber-Nagel in der Kategorie Typografie und eine Auszeichnung in der Kategorie Illustration. Was gibt es Schöneres, wenn Journalisten, die über Kreation schreiben, zu einem Team gehören, das vom elitären ADC mit Preisen bedacht wird? Volker Schütz

Wie aus den Jurys zu hören war, wurde in diesem Jahr großen Wert auf rein inhaltliche Diskussionen gelegt. Streitigkeiten über vermeintliche Fakes gehören offenbar der Vergangenheit an. Das bestätigt auch Jury-Chairman Walter Lürzer, der als oberster Schlichter nur sehr wenig zu tun hatte. „Die Arbeit wurde in den Jurys gemacht“, bekräftigt er. Nur einmal sei er dazugekommen und habe verhindert, dass eine Arbeit, die auf einer großen Idee basiert, rausfliegt. Um welche es sich dabei handelte, wollte der Österreicher allerdings nicht verraten.

Das Team von DDB Berlin freut sich über die gewonnenen Nägel
Das Team von DDB Berlin freut sich über die gewonnenen Nägel
Parallel zu den Jurytagen organisierte der ADC in diesem Jahr erstmals einen Kongress, in dem mehr als 50 Experten aus der Branche über die unterschiedlichsten Aspekte von Kreativität referierten. Highlight der Fachtage war eindeutig Modezar Karl Lagerfeld, der im Interview mit DDB-Kreativchef Amir Kassaei eine Fürsprache auf die Kreativität hielt. Insgesamt besuchten knapp 7000 Interessierte die ADC-Ausstellung in den Berliner Premium Hallen. Vorstandssprecher Michael Preiswerk ist zufrieden: "Der ADC ist dort angekommen, wo er hinwollte. Mit der diesjährigen Veranstaltung haben wir eine wunderbare Basis geschaffen, auf der wir weiter aufbauen können." bu/jf

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in HORIZONT 16/2008, die am Donnerstag, 17. April erscheint.
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