Geschmacklos oder genial? Werbefestival PIAF wirbt mit mörderischer Kampagne

Freitag, 11. März 2011
Mord durch Fenstersturz: Bei der PIAF-Kampagne 2011 wird es zahlreiche virtuelle Tote geben
Mord durch Fenstersturz: Bei der PIAF-Kampagne 2011 wird es zahlreiche virtuelle Tote geben


Mit harten Bandagen buhlen die Organisatoren des Tschechischen Werbefestivals Prague International Advertising Festival (PIAF) um Einreichungen aus ganz Europa. Ihr Ziel: Sie wollen ganz oben in der Liga der internationalen Kreativfestivals mitspielen. Mit der Kampagne "Where bad ideas go to die" (zu deutsch: Wo schlechte Ideen nichts verloren haben) soll die Aufmerksamkeit von Kreativen geweckt werden. Das Herzstück des Auftritts ist die gleichnamige Website Wherebadideasgotodie.com. Hier können Nutzer schlechten Kampagnenideen mit 22 verschieden Methoden den Garaus machen. Zu Beginn des interaktiven Clips wird der User aufgefordert, eine schlechte Idee in ein Eingabefeld zu schreiben. Nun muss er auf einen roten Button klicken, auf dem das Wort "Kill" prangt. Ein Mann in dem Video druckt die Idee auf einem Blatt Papier aus. Nun muss sich der User für ein Mordwerkzeug entscheiden. Und jetzt gehts in die Vollen: Ein Bote steckt einem "Opfer" das zerknäulte Blatt Papier in den Mund und schreitet anschließend direkt zur Tat. In null Komma nichts stirbt das Opfer - je nach Werkzeug auf unterschiedliche Art und Weise.

Solche Motive haben die PIAF-Organisatoren an Agenturen weltweit verschickt
Solche Motive haben die PIAF-Organisatoren an Agenturen weltweit verschickt
Die Idee dahinter erläutert Jaime Mandelbaum, Kreativchef der Prager Agentur Y&R, die Kreation und Konzept des Auftritts verantwortet, gegenüber HORIZONT.NET: "Jeden Tag werden eine Vielzahl an Ideen von Kreativen abgelehnt. Nur die wirklich Hartgesottenen nehmen das auf die leichte Schulter. Über unsere Website können sich Kreative nun rächen und Ideen anderer töten und die brutalen Videos dann verschicken." Starlite übernahm die Produktion, Nydrle verantwortet Digital.

Flankiert wird die Microsite von verschiedenen Motiven, die die PIAF-Organisatoren um Managing Director Marek Hlavica weltweit an Kreativagenturen verschickt haben. PIAF, eine Kooperation vom tschechischen Agenturverband AKA und dem Markenverbund Czech Association for Branded Products, fand 2010 zum ersten Mal statt. Die Einreichungsfrist endet am 25. März. Die zweite Auflage des Festivals findet am 11. und 12. Mai in Prag statt. Mit Guido Heffels (Heimat), Ralf Heuel (Grabarz & Partner) und Eric Schoeffler (DDB Tribal) werden drei Deutsche in der Jury sitzen.

Geschmacklos oder genial? Darüber lässt sich streiten. Darüber, ob es den Organisatoren gelingen wird, die Aufmerksamkeit der europaweiten Kreativszene (zumindest für kurze Zeit) auf sich zu ziehen, nicht. jm
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