Gerichtsentscheidung: Zoffel und Hoff müssen 2,5 Millionen an Carat zahlen

Freitag, 02. November 2012
Volker Hoff (Foto: Wolfgang Hörnlein)
Volker Hoff (Foto: Wolfgang Hörnlein)

Die Agenturgruppe Aegis Media hat im Rahmen der Untreue-Affäre ihres früheren CEO Aleksander Ruzicka einen Erfolg vor Gericht erzielt. In dem Zivilverfahren gegen die beiden Ex-Chefs der Agentur ZHP hat das Landgericht Wiesbaden entschieden, dass Reinhard Zoffel und Volker Hoff  wegen "leichtfertiger Geldwäsche" insgesamt 2,5 Milionen Euro an die Aegis-Tochter Carat zahlen müssen. Bereits im Strafurteil gegen Ruzicka wurde festgestellt, dass 9 Millionen der veruntreuten 35 Millionen Euro über die Agentur ZHP abgeflossen sind. Zoffel und Hoff hatten bei ihren Zeugenaussagen im Strafverfahren betont, nichts von den kriminellen Machenschaften Ruzickas gewusst zu haben. Es habe keinen schriftlichen Vertrag gegeben, sondern nur mündliche Vereinbarungen, die "faktisch gelebt" wurden. Bei der Höhe der Summen, um die es bei den Geschäften ging, war von "gefühlten Größen" die Rede. Das Gericht attestierte damals in der Urteilsbegründung vor allem Hoff gravierende Gedächtnislücken.

Bemerkenswert ist die aktuelle Entscheidung nicht zuletzt in Bezug auf mögliche weitere juristische Konsequenzen. Denn "leichtfertige Geldwäsche" ist ein Straftatbestand. Ob die Staatsanwaltschaft nun neue strafrechtliche Ermittlungen aufnimmt, bleibt abzuwarten. Deren Sprecher Hartmut Ferse erklärt, man müsse erst das schriftliche Urteil abwarten. Im Zuge des Ruzicka-Verfahrens hatte die Staatsanwaltschaft nur gegen Zoffel ermittelt, nicht aber gegen den früheren hessischen Landesminister Hoff (CDU). In Wiesbaden wurde seinerzeit mehr oder weniger offen darüber spekuliert, dass dafür "politische Opportunitätsgründe" ausschlaggebend waren. Hinter vorgehaltener Hand wurden Insider noch deutlicher: Man traue sich nicht an Hoff heran, weil zu befürchten sei, dass die Affäre dann noch höhere Wellen schlägt - bis in oberste Etagen der hessischen Landesregierung.

Aegis-Anwalt Johann-Christoph Gaedertz sieht in der Entscheidung der Zivilkammer jedenfalls eine "Ohrfeige" für die Staatsanwaltschaft. Noch ist die Entscheidung der Zivilkammer allerdings nicht rechtskräftig. Es ist davon auszugehen, dass die Verliererseite in Berufung geht. Unabhängig davon will Aegis laut Aussage von Rechtsanwalt Gaedertz zügig die Vollstreckung einleiten. Wo und wie viel Geld tatsächlich bei Zoffel und Hoff zu holen ist, muss sich zeigen. Aegis scheint sich jedenfalls mehr Erfolg beim früheren Landesminister und späteren Opel-Lobbyisten Hoff zu versprechen. Rechtsanwalt Gaedertz kündigt an, dass man noch heute Zahlungsverbote an die hessische Landesregierung, den Landtag in Wiesbaden und Opel bezüglich bestehender Versorgungszahlungen beziehungsweise möglicher Abfindungen für Hoff schicken will. mam                
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