Gericht will frühere Vorgesetzte von Ruzicka befragen

Mittwoch, 27. August 2008
Aleksander Ruzicka (re.) und David Linn. Bild: pdh-Foto (Wolfgang Hörnlein)
Aleksander Ruzicka (re.) und David Linn. Bild: pdh-Foto (Wolfgang Hörnlein)

Im Strafprozess gegen die beiden früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn sollen demnächst die früheren Vorgesetzten von Zentraleuropa-Chef Ruzicka auftreten. Der vorsitzende Richter Jürgen Bonk bemüht sich derzeit darum, einen Termin mit dem ehemaligen Holding-Chef Doug Flynn und mit Jerry Buhlmann zu vereinbaren. Buhlmann war früher Europa-Chef von Aegis Media und steht heute als weltweiter CEO an der Spitze der Mediaagentursparte von Aegis. Flynn war Chef der Muttergesellschaft Aegis Group und wechselte im April 2005 als zu Rentokil (Schädlingsbekämpfung). Die Befragung der beiden Manager hatte Ruzickas Verteidiger Marcus Traut beantragt. Sie sollen aussagen, inwieweit Ruzicka mit Wissen und Rückendeckung der Londoner Zentrale gehandelt hat.

Beim heutigen Verhandlungstag ging es unter anderem um die Immobilien, die Ruzicka gehörten oder mit ihm in Verbindung gebracht werden. Befragt wurde der Architekt, der für den Bau der Häuser im Wiesbadener Haideweg 14 und 18 zuständig war. Das Haus Nummer 18 wurde im Jahr 2001 fertiggestellt, dort wohnte Ruzicka mit seinem Partner und seiner Mutter. Haus Nummer 14 wurde bis Ende 2005/Anfang 2006 gebaut. Dort sollten Ex-Carat-Geschäftsführer Heinrich Kernebeck und seine Lebensgefährtin einziehen. Bauherr war die Objektgesellschaft Haideweg (OH) 14. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Bau mit veruntreuten Geldern finanziert wurde.

Der Auftrag hatte laut Auskunft des Architekten ein Volumen von rund 900.000 Euro, sein Honorar lag bei knapp 100.000 Euro. Gegen Ende der Bauzeit sei es hin und wieder zur Verzögerung bei der Begleichung von Handwerkerrechnungen gekommen. Außerdem habe es Reibereien zwischen Ruzicka und Kernebeck gegeben, weil Kernebeck Sonderwünsche für die Einrichtung äußerte, die das Budget überstiegen. Als Geschäftsführer des offiziellen Bauherren OH 14 trat Ruzickas Lebenspartner in Erscheinung. Wichtiger Ansprechpartner und "primärer Bauherrenvertreter" sei aber Alexander Ruzicka gewesen, so der Zeuge.

Aufschlussreich waren die Ausagen des Architekten zu seiner Tätigkeit in Südafrika. Dort habe er sich im Auftrag von Ruzicka um Bauarbeiten an einem Haus in Kapstadt gekümmert. Von Ruzicka sei ihm gesagt worden, dass es sich bei dem Haus um sein, also Ruzickas, Eigentum handelt. Das Besondere daran: Bislang hat Ruzicka immer abgestritten, Immobilien in Südafrika zu besitzen. Von der Beantwortung dieser Frage hängt nicht zuletzt die Beurteilung der Fluchtgefahr ab. Diese gilt als Hauptgrund für die Andauer der Untersuchungshaft. 

Der Prozess wird am 8. September fortgesetzt. Dann soll der Mitangeklagte Linn von Ruzickas Verteidigung befragt werden. Ebenfalls für einen der kommenden Verhandlungstage ist die Vernehmung des früheren Aegis-Finanzchefs Hans-Henning Ihlefeld geplant.
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