GWA steht lebhafte Mitgliederversammlung ins Haus

Mittwoch, 24. September 2008
Holger Jung tritt als GWA-Präsident ab
Holger Jung tritt als GWA-Präsident ab

Bei der Mitgliederversammlung des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen GWA am Freitag dieser Woche in Berlin dürfte es interessant werden. Zum einen steht die Wahl eines Nachfolgers für Präsident Holger Jung an, der nach drei Amtszeiten abtritt. Bislang einziger Kandidat ist Peter John Mahrenholz, CEO von Draft FCB in Deutschland. Er tritt mit einem Team an, dem unter anderem die Vorstandsneulinge Erwin Bakker (Publicis), Andreas Geyr (Euro RSCG) und Andreas Mengele (Heimat) angehören. Spannender als die Wahl dürfte aber die Aussprache über die Anträge des früheren Vorstandsmitglieds Stephan Heller werden. Zwar ist aufgrund der verspäteten Abgabe seiner Anträge unklar, ob sie tatsächlich zur Abstimmung kommen. Der scheidende Präsident Jung hat aber zugesagt, dass er sich der von Heller angeschobenen Diskussion stellen will.

Heller fordert, den Sitz der Geschäftsstelle von Frankfurt nach Berlin zu verlegen. Gleichzeitig spricht er sich für die Schaffung eines Vorstandsressort politische Öffentlichkeitsarbeit aus. Darüber hinaus regt er an, dem ehrenamtlichen Präsidenten einen hauptamtlichen Kopf des GWA an die Seite zu stellen - und dafür keinen neuen Geschäftsführer zu berufen. Einen ähnlichen Vorschlag hatte vor zwei Jahren der frühere Grey-Chef Bernd Michael unterbreitet.

Ziel dieser Anträge ist es, die politische Schlagkraft des Verbands zu erhöhen. Hier sehen mehrere Mitglieder deutlichen Nachholbedarf. "Ich bedauere und kritisiere es heftig, dass der GWA auch unter Ihrer Führung sich nicht dazu hat durchringen können, eine wirksame politische Stimme für unsere Branche zu werden", schreibt Heller an Noch-Präsident Jung. Auch andere Agenturchefs hauen in diese Kerbe. "Ich hoffe, dass unser Verband in der nächsten Periode endlich die PS auf die Straße bringt, die die Kosten für eine Mitgliedschaft rechtfertigen, und vor allem das gesellschaftliche Gewicht unserer Branche angemessen reflektiert", sagt Stephan Rebbe, Co-Chef von Kolle Rebbe.

Jung betont dagegen, dass man das Thema Lobbyarbeit bewusst in die Hände von ZAW und EACA gelegt hat: "Echtes Lobbying können wir als GWA gar nicht betreiben - weder finanziell noch von der Verdrahtung in bestimmte Kreise hinein. Auch Jungs Vorgänger Lothar Leonhard zeigt sich skeptisch, dass man den Verband "zu einer politisch relevanten Lobbywaffe machen kann". mam

Mehr zu diesem Thema sowie ein ausführliches Interview mit Holger Jung über seine Bilanz als GWA-Präsident lesen Sie in HORIZONT 39/2008 vom 25. September

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