GWA: Schwierige Suche nach neuem Präsidenten

Freitag, 02. September 2011
Noch-GWA-Präsident Peter John Mahrenholz
Noch-GWA-Präsident Peter John Mahrenholz

Sechs Wochen vor der Mitgliederversammlung ist noch immer nicht entschieden, wer für das Amt des GWA-Präsidenten kandidiert. Bislang galt Ogilvy-Chef Thomas Strerath als Favorit. Inzwischen scheint aber festzustehen, dass er sich nicht zur Wahl stellen wird. Der 45-Jährige will sich nicht zu der Frage äußern, ob er antritt oder nicht. "Es ist Tradition beim GWA, dass der scheidende Präsident sich in Ruhe seinen Nachfolger aussucht. Diese Ruhe soll weder von Kandidaten gestört werden, die von sich aus ihren Hut via Presse in den Ring werfen, noch von Dementis von gefragten oder gar ungefragten Kandidaten", erklärt Strerath. Dem Vernehmen nach hat er unter anderem deshalb Abstand von einer Kandidatur genommen, weil er erst vor kurzem von den Kündigungen großer Mitgliedsfirmen wie Serviceplan und der Y&R-Gruppe erfahren hat - und das, obwohl er GWA-Vizepräsident und seit einigen Wochen auch Schatzmeister des Verbands ist. Zwar steht immer noch nicht fest, ob Serviceplan den Verband wirklich verlassen wird, unter den gegebenen Umständen scheint Strerath eine Kandidatur jedoch nicht mehr anzustreben.

Inzwischen wurden bereits andere Agenturchefs gefragt, darunter Commarco-Chef Frank-Michael Schmidt, KT-Gründer Michael Trautmann und DDB-Holdingchef Tonio Kröger. Sie alle sollen abgewunken haben. Sollte sich bis zur Mitgliederversammlung am 13. Oktober kein Kandidat finden, ist auch eine andere Lösung denkbar: So wird derzeit diskutiert, ob nicht die beiden Vizepräsidenten Strerath und Frank Merkel (WOB) bis zur nächsten turnusmäßigen Wahl im Herbst 2012 die Führung des Verbands übernehmen können. Die Satzung lässt solch ein Vorgehen offenbar zu. Der aktuelle GWA-Präsident Peter John Mahrenholz muss das Amt aufgeben, weil er nach seinem Ausstieg als CEO von Draft FCB nicht mehr an der Spitze einer Mitgliedsagentur steht.

Ogilvy-Chef Thomas Strerath verzichtet wohl auf eine Kandidatur
Ogilvy-Chef Thomas Strerath verzichtet wohl auf eine Kandidatur
Durchaus umstritten ist das Verfahren, mit dem nach einem neuen Präsidenten gesucht wird. "Man kann diese Tradition der Quasi-Erbnachfolge hinterfragen", räumt GWA-Vize Strerath ein. Er gibt zu bedenken: "Ist es 2011 noch zeitgemäß, dass ein Verband seinen Vorstand und seine Mitglieder von der Bestimmung des höchsten Amts ausschließt? Insbesondere jetzt, da doch anscheinend massive Veränderungen auf den Verband zukommen."

Noch-Präsident Mahrenholz kann dagegen keine Probleme erkennen. Das bestehende Verfahren sei bisher unumstritten gewesen und habe immer zu einem guten Ergebnis geführt. Eine offene Suche oder eine Kampfkandidatur sei nicht mit dem Ehrenamt vereinbar. "Das würde nur dazu führen, dass man mögliche Interessenten verschreckt und im schlimmsten Fall sogar beschädigt", erklärt Mahenholz. Dennoch kommt das Prozedere unter die Lupe: "Wir stellen derzeit alles auf den Prüfstand, auch die Governance-Strukturen im Verband", erklärt GWA-Geschäftsführer Ralf Nöcker. mam          
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