GWA-Chef Leonhard attackiert Kassaei: "Klischeebild des dummerhaften Werbefritzen"

Donnerstag, 21. März 2013
GWA-Präsident Lothar Leonhard hält Aussagen von Amir Kassaei für "blanken Unsinn"
GWA-Präsident Lothar Leonhard hält Aussagen von Amir Kassaei für "blanken Unsinn"

Noch vor einer Woche äußerte sich GWA-Präsident Lothar Leonhard vergleichsweise gelassen, als Serviceplan-Chef Florian Haller einen Verfall der Sitten beim Umgang der Agenturen miteinander beklagte. Jetzt ist auch Leonhard alarmiert. Auf die Barrikaden gebracht hat ihn ein Interview von DDB-Kreativchef Amir Kassaei im "SZ-Magazin", in dem dieser in gewohnter Manier austeilt. Der Verbandschef will das nicht hinnehmen. Amir Kassaei sagt, viele Werber sind in der Branche gelandet, weil sie nichts Besseres gefunden haben. Sie auch? Das ist absoluter Quatsch, den man so nicht stehen lassen kann. Dahinter steckt die Diffamierungsstrategie eines Exzentrikers, von dem ich gar nicht weiß, was sein aktueller Leistungshintergrund ist. Der Mann verhält sich wie ein Bordellbesitzer, der seine Mädels anzeigt, weil er sich plötzlich moralisch empört.

Amir Kassaei sorgt für Wirbel (Foto: Gordon Welters)
Amir Kassaei sorgt für Wirbel (Foto: Gordon Welters)
Aber sind nicht tatsächlich viele Leute zufällig in diesen Job gekommen, nachdem sie andere Dinge probiert haben? Natürlich gibt es auch in unserer Branche Karrieren, die durch Zufälle entstanden sind. Aber wenn man sich ansieht, mit wie viel Einsatz, Ernsthaftigkeit und Ehrgeiz junge Leute heute in Agenturen arbeiten, dann kann man den Einstieg in dieses Geschäft nicht mit einer derartig kenntnislosen Verunglimpfung beschreiben, wie es Herr Kassaei getan hat.

Was genau werfen Sie ihm denn vor? Herr Kassaei zeichnet ein vollkommen verzerrtes und beleidigendes Bild unserer Branche frei von jeglicher volks- und betriebswirtschaftlichen Kenntnis, dafür mit umso mehr plumpen Vorurteilen. Er vermittelt den Eindruck, dass wir es mit einer halbseidenen und verkommenen Branche zu tun haben. Das ist blanker Unsinn, der nichts mit der Realität unseres Geschäfts zu tun hat.

Hat Kassaei nicht Recht, wenn er der Werbung vorwirft, zu häufig nur an der Oberfläche zu kratzen? Ich bitte Sie! Wer das behauptet, begreift nicht, welche Funktion Wirtschaftskommunikation hat. Und er hat offenkundig keine Ahnung davon, dass wir ein starker Motor für Wachstum und Wohlstand sind. Man kann nicht so tun, als handele es sich um ein übles System, das dem Untergang geweiht ist. Solchen Unsinn sollte niemand für bare Münze nehmen. Das sage ich ausdrücklich an die Adresse der jungen Leute in unserer Branche.

Kassaei gelingt es, jenseits der Fachöffentlichkeit beachtet zu werden. Das wollen viele Werber, schaffen aber nur wenige. Ist der Preis, den er dafür mit seinen Provokationen bezahlt, zu hoch? Er erfüllt das Klischeebild des dummerhaften Werbefritzen perfekt, auch wenn er das Gegenteil vorgibt. Einen besseren Vertreter dieser Spezies können sich die Medien nicht wünschen. Wenn über Banken hergezogen wird, nehmen sie als Kronzeugen auch gern ein Abziehbild des angeblich typischen Protagonisten.

Interview: Mehrdad Amirkhizi

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 12/2013 vom 21. März
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