Fusion von WPP und Young & Rubicam unter Dach und Fach

Freitag, 12. Mai 2000

Die schier endlosen, bereits zweimal abgebrochenen Verhandlungen zur Übernahme von Young & Rubicam (Y&R) durch WPP kommen endlich zum Abschluss. Heute haben die beiden Agenturen offiziell bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Aktionäre bekannt gegeben, dass sie eine "definitive Übereinkunft" für den Merger unterzeichnet haben. Der bisherige Y&R-CEO Thomas D. Bell, der als Chairman fungieren sollte, wird die Agentur zu einem noch nicht genau angegebenen Zeitpunkt nach der Fusion verlassen, die bis zum Herbst abgeschlossen sein soll. Er begründet seine Entscheidung damit, dass zwei Köche die Suppe versalzen würden. Seinen Posten als CEO übernimmt künftig Finanzchef Michael Dolan.

Dass es nach all dem Hin und Her doch noch zu dem Deal kommen würde, galt bereits seit der vergangenen Woche als äußerst wahrscheinlich, als WPP-Chef Martin Sorrell und Bell auf eine Initiative der Y&R-Aktionäre ihre Verhandlungen wieder aufgenommen haben. Das Management-Gremium der US-Agentur, das bisher den Weg zur Fusion erschwert hat, soll sich auch bereits Anfang der Woche für das Angebot der finanzstarken WPP-Gruppe entschieden haben. Daher war die Einverständniserklärung der Aktionäre und die daraufhin folgende offizielle Verkündung der Elefantenhochzeit eigentlich nur noch eine Formsache. Die britische Gruppe bietet pro Y&R-Papier 0,835 WPP-Aktien. Nach den Aktienkursen von Donnerstag, dem 11. Mai, ergibt sich daraus ein Preis von 53,02 Dollar pro Y&R-Aktie. Insgesamt wird der Deal die britische Finanzgruppe rund 4,7 Milliarden Dollar kosten. Vergangene Woche wäre die US-Agentur bei denselben Konditionen auf Basis der Börsenwerte vom 5. Mai noch 5,7 Milliarden wert gewesen.

Mit der Übernahme erreicht der geadelte Martin Sorrell endlich sein angestrebtes Ziel: aus WPP die weltgrößte Agenturholding zu machen. Mit einem kombinierten Gross Income, das sich auf Basis der Zahlen von 1999 zu 7,61 Milliarden US-Dollar summiert, überrundet die bisherige Nummer 3 sowohl die Interpublic Group (Rang 2) als auch den bisherigen Branchenprimus Omnicom. Der kombinierte Umsatz der weltgrößten "Communications Service Group", wie die fusionierte Agentur sich selbst sieht, beläuft sich auf derselben Basis auf 5,2 Milliarden Dollar. Offensichtlich zufrieden bezeichnet Martin Sorrell den Merger als Schaffung eines weltweiten führenden Unternehmens.
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