Florian Haller beklagt Verfall der Sitten in der Agenturbranche

Freitag, 15. März 2013
Serviceplan-Chef Florian Haller fordert mehr Zusammenhalt unter Agenturen (Foto: Serviceplan)
Serviceplan-Chef Florian Haller fordert mehr Zusammenhalt unter Agenturen (Foto: Serviceplan)

Florian Haller neigt eigentlich nicht zum Drama-Auftritt. Der Chef von Deutschlands größter Inhaberagentur Serviceplan gilt als besonnener Manager. Doch jetzt platzt ihm der Kragen. Im Interview mit HORIZONT liest er seiner Zunft die Leviten und beklagt einen Verfall der Sitten beim Umgang der Agenturen miteinander. Anlass für Hallers Brandrede ist der Vorwurf der Konkurrenz, seine Kreativen hätten eine Werbeidee für den Bezahlsender Sky geklaut. Herr Haller, gehen den Kreativen bei Serviceplan die Ideen aus? Wie kommen Sie denn darauf?

Nun ja, Vertreter anderer Agenturen haben behauptet, dass Serviceplan für den Kunden Sky eine Idee realisiert hat, die von ihnen stammt. Schnell war der Begriff "Ideenklau" in der Welt. Das ist doch Unsinn. Die Fakten sind eindeutig. Wir haben mit dem "Live-Spot" für Sky eine Idee entwickelt, die womöglich auch schon andere hatten, allerdings nicht umsetzen konnten. Lassen Sie es mich mal so ausdrücken: Viele Menschen wollten Erster auf dem Mond sein, aber nur einer hat es geschafft.

Das sagt allerdings nichts über die Urheberschaft einer Idee. Der Vorwurf, wir hätten eine Idee geklaut, ist absurd. Das zeigt sich schon daran, dass gleich zwei andere Agenturen die Urheberschaft für sich reklamieren. Bei der Kritik scheint mir jede Menge Neid und Missgunst im Spiel – und ein Verfall der Sitten.

Was genau meinen Sie damit? Es ist – vorsichtig gesagt – schlechter Stil, Wettbewerbern öffentlich über die Presse Breitseiten wie Ideenklau zu verpassen. Erst recht, wenn man die Vorwürfe nicht begründen, geschweige denn belegen kann. Ich finde es schade, dass da nicht einfach mal zum Telefonhörer gegriffen und unter Kollegen miteinander geredet wird, bevor man eine Keilerei in der Presse anzettelt. Dieses Verhalten ist ein Armutszeugnis und schadet letztlich dem Ansehen der gesamten Agenturbranche.

Mit Verlaub, "Sittenverfall", "Ansehensverlust der ganzen Branche" – das ist ziemlich dick aufgetragen. Geht es nicht auch eine Nummer kleiner? Nein, mir ist das Thema sehr wichtig. Es muss aufhören, dass sich immer wieder Einzelne mit möglichst schrillen Parolen auf Kosten anderer profilieren. Leider gibt es einige Kollegen, denen die Akzeptanz unserer Branche völlig egal ist. Stattdessen versuchen sie, mit viel Getöse und Geschrei auf sich aufmerksam zu machen. Das halte ich für gefährlich. Und zwar nicht, weil man einzelne Selbstdarsteller nicht verkraften könnte, sondern weil damit das Vorurteil befeuert wird, dass sich Agenturen am liebsten mit sich selbst beschäftigen und nicht wirklich ernst zu nehmen sind.

Sie fordern, dass sich Agenturen nicht gegenseitig öffentlich kritisieren sollen. Nichts anderes tun Sie aber jetzt. Und in Sachen Selbstvermarktung ist Serviceplan übrigens auch nicht gerade ungeschickt. Verstehen Sie mich nicht falsch. Mir geht es nicht um einen Wir-haben-uns-alle-lieb-Kuschelkurs. Wir sind Konkurrenten und stehen in einem harten Wettbewerb. Das ist auch richtig und wichtig, weil es anspornt. Aber nach außen sollten wir gewisse Dinge vermeiden, weil sie uns in den Augen unserer Auftraggeber und der Wirtschaftsöffentlichkeit diskreditieren. Auch anderswo geht es hart zur Sache. Aber ich kenne keine Branche, in der öffentlich so schlecht über Konkurrenten gesprochen wird wie bei uns.

Warum tun sich Agenturen so schwer damit, etwas Positives fürs eigene Image zu tun? Weil wir als Branche nichts geschlossen auftreten. Uns fehlt ein entsprechender Kodex. Statt unsere gemeinsamen Erfolge besser zu verkaufen, konzentrieren wir uns lieber darauf, uns gegenseitig zu zerfleischen. Das ist doch Irrsinn!
Interview: Mehrdad Amirkhizi

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 11/2013 vom 14. März
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