Fischer-Appelt-Vorstand Frank Behrendt: "In Networks geht alles viel langsamer"

Freitag, 16. März 2012
Frank Behrendt warnt vor "Johnny Controlettis" in Networks
Frank Behrendt warnt vor "Johnny Controlettis" in Networks


Frank Behrendt ist seit etwas über einem Jahr Vorstand bei der inhabergeführten Agenturgruppe Fischer-Appelt. Er kam seinerzeit von Ketchum Pleon, wo er über zehn Jahre tätig war, zuletzt als Deutschland CEO. Als Grund für seinen Wechsel nannte er fehlende Gestaltungsfreiheit und geringe Handlungsspielräume im Network. Im Interview mit HORIZONT erklärt er nun, warum er sich bei seinem heutigen Arbeitgeber besser entfalten kann.
Sie gelten nicht gerade als öffentlichkeitsscheu. Dennoch war in dem einen Jahr, in dem Sie jetzt bei Fischer-Appelt sind, erstaunlich wenig von Ihnen zu hören. Haben Sie nicht mehr viel zu sagen?
Frank Behrendt: Wenn man neu ist, haut man nicht gleich auf die Pauke. Schon gar nicht in einer sehr gut funktionierenden Agenturgruppe wie Fischer-Appelt. Es macht sich immer gut, erst mal zu arbeiten und Erfolge zu erzielen. Genau das habe ich getan. Im Übrigen brauche ich nicht jeden Tag in der Zeitung zu stehen, um mich im Spiegel erkennen zu können.

Aber Sie standen doch immer gern im Rampenlicht. Gilt das jetzt nicht mehr?
Ich bin nicht mehr das alleinige Gesicht einer Agentur. Das war vorher ein bisschen anders. Als CEO musste ich quasi bei jedem Thema in die Bütt. Bei Fischer-Appelt verfolgen wir das Prinzip, dass sich jeder Verantwortliche selbst zu seinem Bereich äußert. Mit den beiden Brüdern haben wir zudem zwei Gründerpersönlichkeiten an der Spitze, die die Agenturgruppe auch nach außen stark prägen.

Was ist härter: Ein Network wie Ketchum im Rücken zu haben oder die Brüder Fischer-Appelt?
Auch in einer inhabergeführten Agentur ist eine Vorstandssitzung kein Elternabend. Da kann es schon mal hoch hergehen, weil nicht alle einer Meinung sind. Darum geht es auch nicht. Entscheidend ist, dass wir am Ende des Tages selbst entscheiden können, was wir machen – ohne Einflussnahme einer Network-Zentrale, die weit weg ist vom deutschen Markt.

Dafür müssen Sie jetzt im Zweifel das machen, was die Gründer und Inhaber wollen, oder?
Nein. Zum einen sind die beiden Brüder durchaus auch mal unterschiedlicher Auffassung. Zum anderen zählt die Kraft des besseren Arguments – egal von wem es kommt. Sollte es bei einer Frage keine Einigkeit geben, was nicht oft der Fall ist, entscheiden wir am Ende mehrheitlich. Dabei kann schon mal ein Vorstandsmitglied überstimmt werden – und zwar jedes.

Haben Sie jetzt die Freiheit, die Ihnen bei Ketchum Pleon zuletzt gefehlt hat?
Absolut. Man lässt mich machen. Was wir mit Fischer-Appelt in Nordrhein-Westfalen umgesetzt haben, wäre in einem Network nicht möglich gewesen. Wir haben ohne einen einzigen Kunden ein Büro gegründet und Mitarbeiter eingestellt. Wir haben das gemacht, weil wir davon überzeugt waren, dass es funktionieren wird – und es hat funktioniert. Wir sind sehr erfolgreich gestartet und beschäftigen in NRW inzwischen 20 Mitarbeiter. Man darf eben nicht gleich nur auf die Zahlen gucken, sondern muss sich auch auf sein Bauchgefühl verlassen. Das geht in der Unternehmerkultur einer inhabergeführten Agentur sicher besser.

In einem Network kann man keine unternehmerischen Entscheidungen treffen?
Nicht im gleichen Ausmaß. Außerdem geht dort mittlerweile alles viel langsamer. Das war nicht immer so, aber durch die vielen Abstimmungsschleifen, die man heute in einem Network mit den Europa- oder weltweiten Zentralen drehen muss, ist vieles komplizierter geworden. Ich war vom Herzen immer ein Unternehmertyp, deswegen liegen mir die Rahmenbedingungen in einer Agentur wie Fischer-Appelt deutlich mehr.

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Das komplette Interview lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 11/2012 vom 15. März.

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Böse Zungen sagen, Sie seien gegangen, weil es Ihnen zu ungemütlich wurde.
Das ist doch Quatsch. Wer mich kennt, weiß, dass es mir nie darum ging, eine ruhige Kugel zu schieben – im Gegenteil. Aber das Korsett in Networks wird immer enger, die Wachstumsvorgaben kommen oft vom Reißbrett. Die international Verantwortlichen müssen mehr Leine geben, wenn sie in den einzelnen Märkten gute Leute an der Spitze haben wollen und nicht nur "Johnny Controlettis". Mit Kontrolle allein entwickelt man kein Geschäft. Auch die Networks sollten wieder dahin kommen, anders mit lokalem Unternehmertum umzugehen.

Vermissen Sie eigentlich auch etwas aus der Network-Zeit?
Na klar. Ich bin jemand, der immer gern mit den internationalen Kollegen zusammengearbeitet hat. Das fehlt jetzt natürlich. Und ich komme weniger in der Welt herum. Ich zähle schon die Tage, bis mein Senator- Status weg ist. Das sind die wirklich harten Momente! Interview: Mehrdad Amirkhizi
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