Film und Film Craft: Vier Löwen für Deutschland

Samstag, 22. Juni 2013
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Er ist zu Recht als deutscher Film-Favorit ins Rennen gegangen: Der Smart-Spot "Offroad" von BBDO Proximity in Berlin holt sowohl in der Kategorie Film als auch bei Film Craft je einen goldenen Löwen (Filmproduktion: Bigfish, Berlin). Bei den Film Lions geht außerdem Bronze nach Deutschland. DDB Tribal erhält den Preis für den Volkswagen-Spot "Pedro" (Produktion: Bubbles, Berlin). Jurymitglied Guido Heffels, Kreativchef der Berliner Agentur Heimat, hofft, dass die beiden Filme nun, wo sie so hoch ausgezeichnet wurden, auch endlich breit geschaltet werden. Laut Heffels liefen beide Spots nur wenige Male pro forma auf kleineren TV-Sendern. BBDO-Kreativchef Wolfgang Schneider erklärte allerdings diese Woche in HORIZONT, dass "Offroad" im Herbst Teil einer großen internationalen Smart-Kampagne sein wird. Zurecht: Denn das Commercial, in dem ein Smart vergeblich versucht, sich im Gelände zu behaupten, entpuppt sich als wahrer Festival- und Publikumsliebling.


Eine Bilanz von zwei deutschen Film-Löwen mag auf den ersten Blick mickrig erscheinen. Es ist im Vergleich zum Vorjahr jedoch eine große Verbesserung. Damals gingen die Deutschen in dieser Sparte leer aus. Mehr zum Nachholbedarf der hiesigen Agenturen in der Königsdisziplin Film lesen Sie in HORIZONT 25/2013 vom 20. Juli.

Insgesamt vergab die Jury unter Vorsitz von John Hegarty, Gründer von Bartle Bogle Hegarty (BBH), in diesem Jahr 94 Film-Löwen. Das sind 24 mehr als 2012. Eingereicht wurden 3125 Arbeiten, was einem Rückgang von Rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Gremium um Hegarty hat sich dazu entschlossen, zwei Film Grand Prixs zu vergeben: Einmal für den besten TV-Spot, einmal für das beste Langformat.

In der TV-Sparte hat der australische Beitrag "Dumb Ways to Die" von McCann in Melbourne gewonnen. Die Arbeit hat in den vergangenen Festivaltagen vier weitere Grand Prixs in den Kategorien Direct, Integrated, PR und Radio und zahlreiche weitere Gold- und Silber-Löwen abgeräumt. Heffels kritisiert, dass dieser Beitrag in der Sparte TV gewonnen hat. Er spricht sich zwar nicht ausdrücklich gegen den Best-of-Show-Award für "Dumb Ways to Die" aus, sagt aber, in der Langfilm-Sparte wäre der Preis passender gewesen. Der absolut beste TV-Spots des Jahres ist in seinen Augen das Southern-Comfort-Commercial "Whatever s Comfortable Beach" von Wieden + Kennedy in New York (Produktion: Biscuit Filmworks, Los Angeles). Seine Jury hat den Film immerhin vergoldet.

Bei den längeren Formaten setzte sich die ebenfalls mehrfach preisgekrönte und mit insgesamt drei Grand Prixs geehrte Kampagne "The Beauty Inside" für Intel und Toshiba von Pereira & O Dell in San Francisco durch (Produktion: B-Reel, Los Angeles). Der Auftritt besteht aus sechs Online-Episoden und zahlreichen User-Generated-Filmen. Jurypräsident Hegarty lobte die Komplexität der Arbeit und die intelligente Markenverknüpfung. Außerdem sei es ein Filmprojekt, das so unterhaltsam ist, dass es auch bei nicht-kommerziellen Filmfestivals gute Chancen auf einen Award hätte. Grundsätzlich gab die Jury den Rat, bei der Produktion von längeren Filmformaten eher die Unterhaltungsindustrie als Konkurrenz zu sehen als die Werbebranche. "Wir müssen uns mit den besten Filmen bei Sundance oder den Oscars messen, wenn wir hier wirklich gut sein wollen."

Film Craft


Die Craft-Jury hat zwar im Gegensatz zur Film-Jury einen viel stärkeren Fokus auf der perfekten filmischen Umsetzung, allerdings spielt auch hier die Idee eine wichtige Rolle. Bestes Beispiel: Der in dieser Sparte ebenfalls vergoldete Smart-Spot von BBDO. Das deutsche Jury-Mitglied Sebastian Strasser räumt ein, dass die Umsetzung des Spots nicht überragend sei, aber sein Gremium habe hier vor allem den Mut des Kunden belohnt. Schließlich zeige der Film, was das Produkt alles nicht kann. Vergeben wurde der goldene Löwe deshalb in der Subkategorie Skript.

Deutschland kann sich auch in der Sparte Film Craft über einen weiteren Gewinner freuen: TBWA Düsseldorf fährt mit einem silbernen Löwen nach Hause. Die Trophäe geht an den Spot "Beat Your Pounds" für das Carabao Fitness Center (Produktion: SQWAK Productions, Salt Lake City). Die diesjährige Ausbeute von zwei Löwen in der Kategorie Film Craft ist für Deutschland ein kleiner Rekord: Im Einführungsjahr dieser Kategorie 2010 und im darauffolgenden Jahr reichte es jeweils nur für eine Trophäe.

Meet the Superhumans from STITCH on Vimeo.


Der Grand Prix in Film Craft geht an "Meet the Superhumans", den 4Creative in London im Auftrag des britischen Fernsehsenders Channel 4 realisiert hat. Es handelt sich hierbei um das Herzstück einer Promotion-Kampagne für die Paralympics. Jurypräsident Joe Pytka betont, dass dieser Film in sämtlichen Craft-Disziplinen perfekt umgesetzt sei: Angefangen bei der Musik über Kameraführung bis hin zum Schnitt.

Insgesamt war die Film-Craft-Jury in diesem Jahr recht streng: Das Team um Regisseur Pytka hat nur 40 Löwen vergeben. Eingereicht wurden 2029 Arbeiten. Im Vorjahr waren es noch 56 Löwen bei damals nur 1721 Einsendungen. Strasser sagt, er sei am Anfang skeptisch gewesen, ob seine Jury überhaupt einen Löwen vergeben würde: "Das Gesamtniveau fand ich schwierig. Wir sind aber auch sehr kritisch an die Arbeiten herangegangen und wurden zunächst erschlagen von der Masse der vielen schlechten Commercials." Am Ende zeigte er sich aber versöhnlich: "Ich bin insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis. Die 40 Löwengewinner sind wirklich toll. Allerdings finde ich den Grand Prix nicht herausragend. Er hat nichts Ikonenhaftes." bu
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