Film Lions: Wieden + Kennedy holt mit Nike den Grand Prix / Drei Löwen für Deutschland

Samstag, 25. Juni 2011
Jurymitglied Matthias Spaetgens, Executive Creative Director von Scholz & Friends
Jurymitglied Matthias Spaetgens, Executive Creative Director von Scholz & Friends


Genau wie im Vorjahr geht der Grand Prix in der Wettbewerbskategorie Film an Wieden + Kennedy. Diesmal konnte die Amsterdamer Niederlassung der inhabergeführten Kreativschmiede punkten. Das Team holt den Best-of-Show-Award in der international wohl am meisten beachteten Festivalsparte mit dem Film „Write the Future“ für Nike. Der von Independent in London produzierte 90-Sekünder sorgte 2010 im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft für Furore. Jurypräsident Tony Granger, Global Chief Creative Officer von Y&R, verrät, dass es eine sehr lange und intensive Diskussion um den Grand Prix gegeben habe. Der zweite Anwärter kam genau wie Nike aus dem Sportartikelbereich: Es handelt sich um den Puma-Spot „After Hours Athlete“ von Droga5 in New York (Produktion: Smuggler, New York). Am Ende habe Granger seine Jurykollegen dazu aufgefordert, nach dem Herzen zu entscheiden. Dabei setzte sich dann der emotionalere Film „Write The Future“ durch. Dafür holte Puma in der 2010 neu eingeführten Wettbewerbssparte Film Craft den Best-of-Show-Award.

Wieden + Kennedy (W+K) ist mit seinen Niederlassungen in Amsterdam, London, New York und Portland zugleich die erfolgreichste Agentur im Film-Wettbewerb. Die Gruppe holte insgesamt zehn Löwen. Neben dem Grand Prix gab es zweimal Gold, zweimal Silber und viermal Bronze im Auftrag der Kunden Arla, Chrysler, ESPN, Heineken, Nike und Procter & Gamble (Old Sprice). Für Old Sprice holte die Agentur im vergangenen Jahr den Film Grand Prix.

Aber auch die deutschen Agenturen sind in diesem Wettbewerb nicht leer ausgegangen. Sie konnten drei der sieben Shortlistplätze in einen Löwen verwandeln – das ist genauso viel Edelmetall wie im Vorjahr. Die größte Überraschung ist sicherlich der deutsche Goldgewinner: Das Edelmetall geht an einen martialischen Spot, der die Juroren durch seine ungewöhnliche Bildsprache überzeugen konnte. Es handelt sich um den Trailer für das Videospiel „Dead Island“, eingereicht von Deep Silver in Planegg bei München. Produziert wurde der animierte Film von Axis Animation und Savalas, beide in Glasgow.

Außerdem gab es Silber für den „Hairmoticons“-Spot für Braun von BBDO Proximity in Düsseldorf (Produktion: VCC Perfect Pictures / Das Werk, beide Düsseldorf) sowie Bronze für den Film „Santec Prison“, den Serviceplan für den Hersteller von Videoüberwachungssystemen Sanyo konzipert hat (Produktion: Cobblestone, Hamburg).

Insgesamt hat die Film-Jury in diesem Jahr 102 Löwen vergeben – das ist eine minimale Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Damals waren es 100. Eingereicht wurden hier 3310 Arbeiten, was einer Steigerung von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Löwen verteilen sich auf einen Grand Prix, 14-mal Gold, 30-mal Silber und 57-mal Bronze.

Das deutsche Jurymitglied Matthias Spaetgens, Executive Creative Director von Scholz & Friends in Berlin, zeigt sich zufrieden mit der Auslese: „Die Shortlist wurde extrem ausführlich diskutiert. Am Ende haben wir auf den Medaillenrängen ein sehr breites Spektrum an Arbeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, kleinen und großen Budgets, humorvolle und emotionale Beiträge.“ Auf die Qualität der deutschen Arbeiten angesprochen, erklärt Spaetgens, dass es hierzulande insbesondere bei der Umsetzungsqualität noch sehr viel Luft nach oben gäbe. Da könnten die Deutschen noch viel von den US-Kollegen lernen. Außerdem stellt er fest: „In den USA laufen die besten Filme zur teuersten Sendezeit – zum Beispiel beim Superbowl. In Deutschland ist es genau umgekehrt.“ Die tollen deutschen Beiträge würden meist irgendwie versteckt gesendet oder nur im Internet laufen. Hier würde er sich von allen Beteiligten mehr Mut wünschen, großartige Produktionen auch wirklich zu realisieren. bu
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