FDP Liberté: Internet-Initiative will Kreativagenturen Konkurrenz machen

Freitag, 15. Juni 2012
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Die FDP ist in Bewegung: Zuletzt konnte die angeschlagene Partei bei Wahlen und Meinungsumfragen wieder etwas zulegen. Die Liberalen wollen diesen Schwung nun für ihre Außendarstellung nutzen. Zentrale Bedeutung kommt dabei der Bewegung FDP Liberté zu, die vor einigen Monaten mit dem Ziel antrat, dem Image der FDP wieder auf die Sprünge zu helfen. Seither ist die Initiative zu einem veritablen Think Tank angewachsen, der jetzt sogar im Geschäft klassischer Kreativagenturen wildern will.
Zu Beginn des Jahres von dem Bingener Kommunikationsberater Hasso Mansfeld als reine Internetkampagne gestartet, hat FDP Liberté mittlerweile Eingang in die Kommunikation der Bundespartei gefunden. Die "Graswurzelbewegung des Liberalismus" (Mansfeld) wird mit Motiven aus ihrer nunmehr fast 400 Bilder starken Sammlung auf Facebook die "101 Freiheitsthesen der FDP für eine offene Bürgergesellschaft" illustrieren. Die besten Motive will die Bundes-FDP prämieren, auch eine gedruckte Broschüre soll es geben.

Unberührt von der der Eigeninitiative der FDP-Mitglieder ist die Arbeit der kreativen Dienstleister der Partei. Im Tagesgeschäft kommuniziert die Hamburger Agentur Reinsclassen für die Liberalen. Dort sieht man die eigene Arbeit von der kreativen Konkurrenz an der Basis nicht bedroht, im Gegenteil: "Je mehr Ideen eingebracht werden, umso besser Ist es für die liberale Sache", sagt Geschäftsführer Armin Reins. Unabhängig vom Erfolg von FDP Liberté arbeiten die Liberalen an der Zusammensetzung ihres Agenturpools für die Bundestagswahl 2013.

Hasso Mansfeld
Hasso Mansfeld
Die Kreativität der Bewegung soll nun auf weitere Bereiche ausgeweitet werden. Inspiriert von den zahlreichen Crowdsourcing-Wettbewerben im Netz rief Mansfeld gemeinsam mit einigen Mitstreitern die Facebook-Gruppe "Ze Krautsourcers" ins Leben, die Kampagnen für reale Kunden entwickeln soll. "Wir bieten einen Prozess an, an dessen Ende wir nicht wissen was dabei heraus kommt", sagt Mansfeld. "Dabei fangen wir nicht bei Null an, sondern wir haben ja schon die Crowd. Und ein Referenzprojekt: FDP Liberté." Dass in Zeiten von Leistungswerten für Kommunikation wohl kaum ein Kunde ein solches Risiko eingehen wird, stört Manfeld nicht: "Ein Kunde sollte uns vor allem deshalb in Anspruch nehmen, weil es spannend und lohnenswert ist, ein solches Experiment einmal zu wagen. Wir betreten gemeinsam neues Terrain, das ist doch Chance und Grund genug, es einmal zu versuchen."

Eine klare Absage erteilt Mansfeld der gängigen Pitch-Praxis. Pitches seien "neurotisch, unfair und unsauber". Wer sich an un- oder schlecht bezahlten Pitches beteilige, wertschätze seine eigene Kreativität, Zeit und Leistung nicht. Mansfeld hofft stattdessen, dass die Kunden irgendwann von selbst kommen: "Warten wirs ab: vielleicht sagt ja Coca Cola: Macht mal !" ire
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